Nach AfD-Sieg: Was das Ausland denkt
KT Guttenberg: Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt – wie wir der Welt vermitteln, dass man Deutschland weiter vertrauen kann
Adam Grant: Der US-Bestseller-Autor und Psychologie-Professor über das verblüffend soziale Verhalten vieler Menschen in Krisenzeiten
Meine Insights der Woche – 10. September 2026
Guten Morgen,
die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat einen klaren Sieger hervorgebracht, die AfD. Ob die rechtsextreme Partei auch den Ministerpräsidenten stellen wird, wird man sehen – zur absoluten Mehrheit hat es nicht ganz gereicht. Aber das Ergebnis ist eine Zäsur, für Deutschland und unsere politische Kultur. Und für unsere Wahrnehmung in der Welt.
Wie das Ausland auf uns blickt, was die internationalen Kommentare zu bedeuten haben und wie wir nun selbst nach außen kommunizieren sollten, lesen Sie jetzt im NEULAND Update. Ich wünsche Ihnen eine bereichernde Lektüre.
PS: In den Tagen nach der Wahl haben wir wieder aktuelle Episoden unserer Podcasts GYSI GEGEN GUTTENBERG und LAND IN SICHT aufgenommen, die sich u.a. mit der Frage beschäftigen, ob es Parallelen zwischen der heutigen Situation und der Machtübertragung an Adolf Hitler und seine NSDAP 1933 gibt. Sie finden die neuen Folgen (auf YouTube und Joyn sowie auf Spotify und Apple) am schnellsten bei uns: www.guttenberg.media/podcasts.
I N S I G H T S
Magdeburg, weltweit
Ein Bundesland mit 1,7 Millionen Wahlberechtigten hat gewählt, und die halbe Welt teilt uns mit, was sie davon hält. Was die Stimmen über ihre Absender verraten – und was wir Investoren sagen sollten, die nun fragen, ob sie Deutschland noch vertrauen können.
Wahlparty der AfD in Sachsen-Anhalt, Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (3. v. links, ohne Krawatte) lässt sich feiern.
Foto: AfD TV (YouTube)
Die Wahl – und die Frage des Auslands
Das vorläufige Ergebnis der Landtagswahl vom 6. September: Die AfD kommt auf 43,8 Prozent und 39 der 83 Sitze – drei zu wenig für die absolute Mehrheit. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze stürzt von 37,1 auf 17,2 Prozent. SPD (9,3) und Grüne (8,9) legen leicht zu, die Linke fällt auf 8,6 Prozent, das BSW zieht mit 5,3 Prozent und fünf Sitzen ein. Die Wahlbeteiligung erreicht mit 77,8 Prozent einen Rekord. Der Landesverband der AfD wird vom Verfassungsschutz seit 2023 als gesichert rechtsextremistisch geführt. Bemerkenswert und bislang wenig beachtet: In den Wahllokalen kam die AfD auf 51,2 Prozent, bei den Briefwählern auf 24,3 Prozent. Soweit die Wahlbilanz.
Eine Frage wurde mir in dieser Woche öfter gestellt als jede andere – von Investoren, nicht von Journalisten: Kann man in dieses Land noch Geld schicken? Die Frage kommt in einem heiklen Moment. Die Bundesregierung will im Oktober zum ersten Mal einen großen internationalen Investorengipfel nach dem Vorbild von „Choose France“ ausrichten. „Made for Germany“ hat 735 Milliarden Euro an Zusagen bis 2028 eingesammelt. Der Entwurf der Kanzlerpräsentation preist Deutschland als „Stabilitätsanker Europas“ – Triple-A, Rechtsstaat, industrielle Basis. Alles richtig. Doch seit Sonntag ist die Initiative mit einem Fragezeichen versehen, das nicht die Rating-Agenturen gesetzt haben, sondern die Wähler zwischen Elbe und Harz. Eine Stabilität, die man beteuern müsste, wäre keine mehr.
Zunächst: Man sollte die Sorge weder wegwischen noch übertreiben. Die internationalen Märkte haben am Montag mit einem Basispunkt geantwortet – ein Achselzucken in Zahlen – und die großen Häuser haben es begründet: es handele sich beim AfD-Sieg um ein politisches Signal, noch nicht um ein Kapitalmarktereignis (Franklin Templeton); Märkte würden den Ausgabenpopulisten mehr fürchten als den Nationalisten (Nomura). Letzteres trifft die AfD genau dort, wo sie sich für stark hält: Ihr Landesprogramm verspricht nach Rechnung des IWH zweieinhalb Milliarden im Jahr und weist ganze zehn Cent pro Euro als Deckung aus. Für die Märkte ist die AfD demnach weniger ein Rechtsrisiko als ein Rechenrisiko.
Die entscheidende Frage hatte ING vor der Wahl gestellt: Die Partei kokettiere mit dem Euro-Austritt; das passiere nicht über Magdeburg – „aber können internationale Investoren diese Unterscheidung treffen?“
Der Jubel
Schauen wir uns zur Einordnung zunächst globale politische Reaktionen an – und auch, was sie über ihre Absender verraten. Die aufschlussreichste Äußerung ist keine Gratulation, sondern ein Dementi. Auf die Frage, ob der Kreml die Wahl verfolgt habe, antwortete der Sprecher Dmitri Peskow: „Nein. Haben wir nicht verfolgt.“ Wer betonen muss, dass er nicht hingesehen hat, hat wohl sehr genau hingesehen – und entschieden, das Ergebnis nicht durch amtliche Umarmung zu entwerten. Den Jubel besorgen andere: ein Sonderbeauftragter des russischen Präsidenten, ein Senator, ein sanktionierter Telegram-Kanal.
Lehrreich ist auch das Schweigen aus Peking. China hat nichts kommentiert, aber über seine Staatsagenturen sehr genau berichtet – und die AfD dabei ohne Umschweife als rechtsextrem etikettiert. Feststellend, ohne Sympathie. Peking braucht in Europa nicht zwingend Verbündete. Aber es kalkuliert nüchtern mit Regierungen, die keine Entscheidungen mehr zustande bringen. Mit dieser Erkenntnis muss man nicht gratulieren. Man muss höchstens warten und gegebenenfalls interessensgebunden handeln. Der billigste Stabilitätsanker dieses Interesses ist folglich Schweigen.
Der laute, enthusiastische Teil des Auslands hat sich wenig über Sachsen-Anhalt, umso mehr über Europa geäußert. Der ungarische Ex-Premier Viktor Orbán („Eine Riesen-Nacht für Deutschland und Europa! … Das ist erst der Anfang!“), der italienische Lega-Chef Matteo Salvini („Ein anderes Europa ist möglich.“), der Reconquête-Vorsitzende Éric Zemmour („Eine europaweite Stunde der Wahrheit.“) oder der tschechische Parlamentspräsident Tomio Okamura („Das ist das Ergebnis der schlechten Politik der aktuellen liberalen, EU-freundlichen Parteien.“) interessieren sich nicht für Magdeburg (Zemmour verwechselte etwa Sachsen mit Sachsen-Anhalt), vielmehr für das Symbol.
Magdeburg hat historische Erfahrung damit, für ganz Europa als Menetekel herzuhalten: 1631, nach der Erstürmung durch Tilly, machte die Stadt in Flugblättern von Stockholm bis Wien Karriere – und jede Seite las in die Trümmer, was sie brauchte. Aus dem Stadtnamen wurde ein Verb; „magdeburgisieren“ hieß fortan: etwas vollständig vernichten.
Freude im Ausland, mal offen, mal still, von links: Italiens Lega-Chef Matteo Salvini, Russlands Sprecher Dmitri Peskow, der ungarische Ex-Premier Viktor Orbán (hier mit Wladimir Putin).
Bilder: WikiMedia Commons
Bemerkenswert ist, wer aus dem rechten Lager nicht aufgesprungen ist: der französische Rassemblement National. Eine Partei, die von nicht wenigen weiterhin als rechtspopulistisch bis -extremistisch beschrieben wird und die 2027 das Élysée und Matignon anstrebt, hat kein Wort verloren. Der Bruch mit der AfD datiert von 2024, seit ein Spitzenkandidat die SS relativierte und die Partei von „Remigration“ sprach. Wenn die Erben Jean-Marie Le Pens Schweigen für ratsam halten, ist dies wohl eine Melange aus Machttaktik und nationalistischer Distanzierung.
Und Donald Trump? Der US-Präsident veröffentlichte auf Truth Social kommentarlos die ARD-Hochrechnung von 19:57 Uhr. Kein Wort dazu, und doch ein Statement. Von Vizepräsident Vance und Außenminister Rubio war zunächst keine Stellungnahme auffindbar. Andere amerikanische „Lautsprecher“ waren weniger zurückhaltend. Elon Musk postete auf Deutsch „gut gemacht!“ als Kommentar unter einem Beitrag auf X von Alice Weidel. Zuvor hatte er mit dem Wort „Exactly“ einem Post zugestimmt, der die AfD ausdrücklich als „nicht rechtsextrem“ bezeichnete und von einer „anti-White, anti-German coalition“ sprach. Für Richard Grenell, den früheren US-Botschafter in Berlin, war es „ein großer Sieg und ein neuer Tag in Deutschland.“ Und der rechte US-Kommentator Benny Johnson leitete aus dem Landesergebnis „Remigration is coming“ für ganz Deutschland ab.
Donald Trump, US-Präsident (links) und sein diplomatischer Sondergesandter Richard Grenell.
Bild: Wikimedia Commons
Die Sorgen
Besorgte Stimmen sind natürlich vernehmbar, aber kaum weniger reflexhaft. „Sehr besorgniserregend“, sagte Polens Außenminister Radosław Sikorski. „Sehr, sehr besorgniserregend“, nannte es Frankreichs Finanzminister Roland Lescure, und „eine sehr schlechte Nachricht“ Italiens Außenminister Antonio Tajani. Es klingt wie Diagnostik im Zustand der Erschöpfung. Sorge ersetzt hingegen keine Politik. Viele Regierungschefs blieben still und überließen die Sorge ihren Ministern. Nicht ungewöhnlich, aber angesichts der inneren Befindlichkeit Europas erwähnenswert.
Am ehrlichsten war der polnische Ministerpräsident Donald Tusk, weil er als Einziger nicht über uns sprach, sondern über das eigene Land: „In Polen können sich nur Idioten oder Verräter über den Triumph der AfD in Deutschland freuen. Eine ganze Reihe von ihnen hat sich bei der Konfederacja und der PiS gesammelt.“
Aus Israel kamen wiederum warnende Stimmen: Ron Prosor, Israels Botschafter in Berlin, stellte fest: „Die Wahl in Sachsen-Anhalt sollte jeden alarmieren, dem die Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland am Herzen liegt... Deutschland braucht eine Brandmauer gegen Antisemitismus an allen Fronten – nicht nur Worte der Verurteilung, sondern konkretes Handeln.“ Das American Jewish Committee sieht einen „grim milestone“ – einen düsteren Meilenstein. Antisemitismus sei in Teilen von Rhetorik, Ideologie und politischer Kultur der Partei verankert; ihre Unterstützung für Israel sei „selektiv“ und bedeute nicht notwendig eine Absage an Antisemitismus.
Die Kommentare großer Medienhäuser bewerten den Vorgang sehr unterschiedlich. Für Reuters ist es eine Geschichte über die CDU: ein halbiertes Ergebnis und ein Kanzler, der einräume, das Beben reiche „bis in die Grundfesten“. Die Financial Times liest die Wahl als potentielles Sprungbrett und bezieht sich auf Alice Weidels „dream result“ samt der Ansage von 40 Prozent für 2029. Folha de S.Paulo notiert aus São Paulo, was man gelegentlich gern übersieht: Anders als ihre europäischen Schwesterparteien hat sich die AfD nicht einmal den Anschein der Mäßigung gegeben. TIME sieht die AfD so nah vor der Regierungsmacht wie keine Partei ihres Lagers seit 1945. Und El País setzt den Satz, an dem sich alle anderen messen müssen: Weder Kopieren noch Ausgrenzen hat den Aufstieg gestoppt, und historische Mahnungen erreichen eine Wut nicht mehr, die sehr gegenwärtig ist.Am eindringlichsten hat Le Monde hingesehen – nicht auf die Hauptstädte, sondern auf die Wähler, wonach Ulrich Siegmund ihnen ein verloren geglaubtes Gefühl von Gemeinschaft und Sicherheit zurückgegeben habe. Die Zeitung sieht darin den eigentlichen Alarm. Eine Protestpartei könne man aussitzen. Lässt der Protest nach, verschwinde sie. Eine Partei aber, die Zugehörigkeit stifte, könne man nicht aussitzen. Sie verschwinde nicht, wenn es dem Land besser gehen würde – sie würde Teil davon, wie es dem Land geht.
Mein Fazit aus den internationalen Stimmen: Es ist eine Binse, dass sich in Deutschland die Kommunikation nach innen von Vertretern aus Politik und Gesellschaft zwingend verändern muss, wenn sie einen Durchmarsch von Rechtsextremisten verhindern wollen. Gleiches gilt aber auch in der Kommunikation nach außen, gerade im Hinblick auf potentielle Investoren, die unser Land dringend benötigt. Hierfür sind mindestens fünf Botschaften nötig.
Mahnende, warnende Stimmen, von links nach rechts: Polens Regierungsvertreter Donald Tusk und Radoslaw Sikorski, der israelische Botschafter Ron Prosor, Frankreichs Finanzminister Roland Lescure.
Bilder: Wikimedia Commons
Die Botschaften
Erstens: Wer um Vertrauen wirbt, sollte nicht klingen, als brauchte er es dringend.
Zweitens sollte man den Föderalismus erklären, statt ihn zu beschweigen: Ein Land mit lediglich 1,7 Millionen Wahlberechtigten hat gewählt; Verträge, Bundesrecht und Europarecht sind indes weiterhin in Kraft und unsere Gerichte funktionsfähig. Der Föderalismus ist Deutschlands Stoßdämpfer, und man darf ihn auch so verkaufen.
Drittens: Investoren, internationale Partner und Wettbewerber lesen keine Reden, sondern Genehmigungszeiten, Strompreise und Steuersätze. Ein Land wirbt nicht mit Adjektiven, sondern mit Terminen, die es einhält.
Und viertens: die Brandmauer nicht als Standortvorteil anpreisen. Sie ist eine (notwendige) Brandschutzmaßnahme, keine Architektur; wohnen kann man in ihr nicht. Investoren wollen wissen, was gebaut wird, nicht nur, was verhindert wird.
Fünftens: Den Claqueuren im Ausland mit ruhiger, aber deutlicher Stimme offenbaren, dass sie einer Partei applaudieren, die menschenverachtenden Zynismus duldet und pflegt: Die Menschen in der Ukraine können angesichts des Katzbuckelns der AfD gegenüber Moskau hiervon ebenso ein Lied singen wie jüdische Vertreter im In- und Ausland. Eine Partei, deren Vertreter das Holocaust-Mahnmal ein „Denkmal der Schande“ nennen und den Geschichtsunterricht vom Nationalsozialismus entlasten wollen, hat mit einer gelegentlichen Solidaritätsadresse an Jerusalem nichts erworben.
Das Holocaust-Mahnmal in Berlin, von AfD-Vertretern als „Denkmal der Schande“ bezeichnet.
Bild: Slaunger, Wikimedia Commons
A U F E I N W O R T
Warum so zuversichtlich,
Adam Grant?
Der Psychologie-Professor und Bestseller-Autor sagt: Gerade in Krisenzeiten verhalten sich Menschen viel sozialer als wir annehmen würden – wir übersehen zu leicht die Gemeinsamkeiten
Der US-Amerikaner Adam Grant ist vielbeachteter Autor u.a. von „Die Kraft des flexiblen Denkens“ (Piper).
Bild: KT Guttenberg
NEULAND: Adam, wir leben in einer Welt, in der die Menschen ängstlich, ja verzweifelt wirken. Was gibt dir Zuversicht?
Adam Grant: Nun, KT, wer die Medien oder soziale Netzwerke verfolgt, gewinnt den Eindruck, alles werde immer schlimmer. Aber die Daten zeigen: An den meisten Orten wird das meiste tatsächlich besser. Armut und Hunger gehen zurück, Gewalt ist weltweit rückläufig, die Lebenserwartung steigt. Das sind gute Nachrichten. Es ist leicht, angesichts von Widrigkeiten vom Schlimmsten auszugehen – aber empirisch wissen wir: Gerade in den schlechtesten Zeiten kommt oft das Beste in Menschen zum Vorschein. Während der Corona-Pandemie etwa wurde die Welt 2021 nachweislich freundlicher: Ehrenamt, Spenden, Hilfe für Fremde – alles stieg. Verstärkt wurden in den Nachrichten aber die Fälle, in denen Menschen Desinfektionsmittel horteten, nicht die vielen, die sich um Nachbarn, Familie, Freunde und sogar Fremde kümmerten. Der menschliche Geist ist beharrlich. Und es fällt schwer, angesichts so vieler guter Menschen nicht optimistisch zu sein.
Neuland: Ist das Beharrlichkeit – oder ein Wandel im Denken? Anders gefragt: Braucht es eine Katastrophe, damit Menschen sich so verändern?
Adam Grant: Wir reagieren definitiv auf Dringlichkeit, deshalb sehen wir in Krisen oft außergewöhnliche Großzügigkeit. Aber ich finde, wir sollten auch die alltäglichen Momente beachten, in denen Menschen füreinander da sind. Zählte man einfach die kleinen, zufälligen Gesten der Freundlichkeit einer Woche – eine gehaltene Tür, ein Umweg für einen Rat –, würden die meisten von uns feststellen: Unser Leben ist voller unerwarteter Freundlichkeit. Menschen sind tatsächlich prosozialer, als wir annehmen.
Neuland: Erlebst du auf deinen Reisen einen Unterschied zwischen Europa und Amerika?
Adam Grant: Du willst mich wohl in Schwierigkeiten bringen, oder? (schmunzelt) Das ist schwer zu sagen. Es gibt regionale Unterschiede, in Amerika wie in Europa – es wird niemanden überraschen, dass Menschen im mittleren Westen der USA tendenziell höflicher sind als New Yorker. Über Deutsche im Vergleich zu Norwegern will ich keine Vermutungen anstellen, aber Unterschiede innerhalb eines Landes können ebenso bedeutsam sein wie die zwischen Ländern. Psychologen und Anthropologen sagen seit Langem: Jeder Mensch ist in mancher Hinsicht wie alle anderen, wie manche anderen, und wie kein anderer Mensch. Dasselbe gilt für Kulturen. Vergleiche ich Amerika mit Europa im Großen und Ganzen, sehe ich weit mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Aber auch hier: Es ist leicht, die Unterschiede zu sehen und die Gemeinsamkeiten zu übersehen.
Mit Adam Grant sprach KT Guttenberg. Sie finden das Interview auch auf YouTube.
O – T Ö N E
GYSI GEGEN GUTTENBERG &
LAND IN SICHT &
MAKE AMERICA GOOD AGAIN
Mittwochs:
GYSI GEGEN GUTTENBERG
Was steckt in "links" oder "rechts"?
„Es wird nie eine Partei geben, die sich ‚Die Rechte‘ nennt, selbst wenn sie noch so rechts ist. Obwohl wir den Staatssozialismus hatten, mit seiner Art der Existenz und des Untergangs, ist das Wort ‚Linke‘ nicht so verbraucht wie das Wort ‚Rechte‘.“
Gregor Gysi, Pooodcaster
„Das liegt aber auch daran – und das dürft ihr auch mal selbstkritisch feststellen –, dass man ‚rechts‘ zum Kampfbegriff gemacht hat. Dahingehend, dass man auch jene darunter packt, die man wirklich noch in der Mitte sehen kann. Aber dadurch, dass sie nicht links sind und links denken, werden sie mit dem Begriff ‚rechts‘ belegt, so dass der gedankliche Sprung zu rechtsextrem oder rechtsradikal als ein kürzerer erscheint als der Sprung von links – was für manche etwas Wärmendes in der Sprache mit sich bringt – zu linksradikal.“
Gregor Gysi, Pooodcaster
L I V E E R L E B E N
GYSI GEGEN GUTTENBERG ON TOUR
Sehen wir uns?
Neunkirchen, Neue Gebläsehalle, 29.9.26
Bochum, RuhrCongress, 30.10.26
Kulmbach, Dr.-Stammberger-Halle, 1.12.26
Dienstags:
LAND IN SICHT
Merz' peinliche Unterwürfigkeit
„Es schlugen zwei Herzen in meiner Brust. Das eine hat gesagt: Alles klar, Trump benimmt sich offenbar hinter verschlossenen Türen wie ein zivilisierter Mensch. Dafür tritt er vorne auf wie der Bully, der er nun mal häufig ist. Aber alle sagen: ‚Jetzt macht er ja doch mit und ihr kennt den gar nicht richtig.‘ Das erinnert mich an Beziehungen, in denen die Frau sagt: ‚Wenigstens betrügt er mich nicht.‘ Der Maßstab ist so niedrig.“
Ricardia Bramley, Team LAND IN SICHT
„Super Vergleich, weil du zu Recht darauf hinweist, wie sehr sich die Maßstäbe verschoben haben. Wie wir schon voraussetzen, dass alles anders zu sein hat, wenn wir mit Trump zu tun haben, und wie sehr sich zivilisierte Politik zu etwas so Unterwürfigem verschoben hat. Wie alle froh sind – Merz inklusive, das ist für einen deutschen Bundeskanzler durchaus peinlich –, wenn sie mal gelobt werden oder nicht namentlich kritisiert werden.“
KT Guttenberg, Team LAND IN SICHT
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Wie gespalten ist das Volk der USA?
„Die Kritiker Amerikas versus die ‚Pro-American-everything‘-Fraktion spalteten sich früher nicht so in die Lager der politischen Parteien auf. Jetzt spaltet sich die Bevölkerung wirklich in MAGA und Democrats, während es damals okay war, die Regierung zu kritisieren, egal, welcher Partei du dich zugehörig fühltest. Du konntest auch innerhalb deiner Partei sagen: Ich bin gerade nicht zufrieden mit Watergate und damit, dass wir in die Parteizentrale der anderen einbrechen.“
Ricardia Bramley,
Host MAKE AMERICA GOOD AGAIN
„Du wurdest damals eben auch nicht sofort von der Parteispitze verfolgt oder des Amtes beraubt – mit teilweise wüsten, mafiaähnlichen Methoden wie heute. Auf der anderen Seite gab es natürlich auch schon damals die harte Spaltung zwischen Democrats und Republicans. Da hat man sich nichts geschenkt. Diese Zweiteilung ist schon immer eine recht harte Bruchlinie gewesen. Nur ist sie mittlerweile ein Krater geworden, der kaum noch überwindbar zu sein scheint.“
KT Guttenberg,
Host MAKE AMERICA GOOD AGAIN
Liebe Leserin, lieber Leser,
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Bis nächste Woche, wir freuen uns auf Sie!
Herzlichst, Ihr KT Guttenberg
T E A M G U T T E N B E R G
KT Guttenberg war irgendwann mal Politiker und kennt die glatten Bühnen vor und hinter dem Vorhang aus dem Effeff. Was da passiert, erzählt er in NEULAND Update. Heute schreibt er Bücher, macht Filme und podcastet mit linken Legenden. Ach ja, und Unternehmer ist er auch.
Klaus Brinkbäumer ist Bestseller-Autor ("Zeit der Abschiede"), Moderator ("Riverboat", MDR) und Podcast-Co-Host ("Ok, America?"). Früher war er mal Chefredakteur des SPIEGEL. Jetzt beginnt die Woche für ihn mit unserem Podcast LAND IN SICHT.
Rüdiger Barth, Journalist, Historiker und Buchautor ("Deutschland 1946"), ist Geschäftsführer der Open Minds Media, die das NEULAND Update, Podcasts und Dokus produziert. Zum Optimismus neigt er allein schon, weil ihm zum Pessimismus das Talent fehlt.
Ricardia Bramley ist US-Amerikanerin, hat Wurzeln in vielen Ländern und lebte lange in New York – aufgewachsen aber ist sie in Deutschland. Seit Jahren produziert und hostet sie leidenschaftlich gern Podcasts. Eigentlich schon, solange es Podcasts gibt.
Peter Greve ist Consultant, Creative, Stratege. Für seinen Podcast "Die Lektion meines Lebens" trifft er ziemlich bekannte Menschen – und bringt sie auf seine leise, genau hinhörende Art dazu, ziemlich unbekannte Geschichten zu erzählen.