Eine NATO ohne die USA? Die Analyse
KT Guttenberg: Eine NATO ohne die USA? Was dies bedeuten würde, was Europa tun kann. Die drei wichtigsten Szenarien zur Zukunft des Bündnisses
LAND IN SICHT NEWSFLASH: Trump, der Iran und der Waffenstillstand – Klaus Brinkbäumer und KT Guttenberg im Gespräch
Hey KT, würdest du eine Einladung zur Raumfahrt annehmen – Artemis III?
Meine Insights der Woche – 9. April 2026
Guten Morgen,
herzlich willkommen im NEULAND! Im Februar erst haben wir unser "Update" gestartet, und in dieser Woche nun durften wir schon unsere 60.000 Abonnentin begrüßen. Danke für Ihren Zuspruch! (Übrigens, wir haben inzwischen auch ein Archiv: Sie finden es, wie unsere Podcasts, unter www.guttenberg.media)
Aufgrund der drängenden Aktualität probieren wir in dieser Woche Neues: Unser Podcast LAND IN SICHT – der wie dieser Newsletter vom Team Guttenberg gemacht wird – bringt erstmals eine "Newsflash"-Folge heraus. Konzentriert und kompakt. Klaus Brinkbäumer, Host unseres News-Talks, und ich reden darin über die jüngsten dramatischen Entwicklungen rund um den Irankrieg. Das ganze Gespräch können Sie direkt hier im Podcast hören oder sehen – oder weiter unten lesen.
Und natürlich präsentieren wir Ihnen auch dieses Mal wieder eine Analyse zu einer der großen Fragen unserer Zeit. In dieser Ausgabe: Was wäre die NATO ohne die USA? Angesichts vieler düsterer Prophezeiungen erscheint ein differenzierter Blick geboten. In der Nacht auf Donnerstag, da wir dieses Update fertigstellten, drang aus Washington die Information, Trump plane, NATO-Partner für mangelnde Unterstützung im Irankrieg zu "bestrafen", indem US-Truppen in andere NATO-Länder verlegt würden. Spanien soll betroffen sein, womöglich auch Deutschland. Ob das Realität wird, wird sich zeigen.
Ich hoffe, unsere Gedanken helfen Ihnen, die mitunter abenteuerlich anmutenden Vorgänge in der Weltpolitik zu sortieren.
L A N D I N S I C H T
N E W S F L A S H
Eine "ewige Krise"?
US-Präsident Trump drohte Iran mit Vernichtung – dann kam der Waffenstillstand. Was jetzt? Und wohin führt das? LAND IN SICHT-Host Klaus Brinkbäumer hat KT Guttenberg befragt.
Jeden Dienstag reden KT Guttenberg (links) und Klaus Brinkbäumer bei LAND IN SICHT über Geopolitik – und mit der gesamten LIS-Crew auch über Kultur, Sport und das Leben.
Foto: Edgar Rodtmann / Open Minds Media
LAND IN SICHT-Host Klaus Brinkbäumer: KT, hat Donald Trump mit dem jüngsten Schritt gegenüber Iran den Krieg beendet – oder nur vertagt?
KT Guttenberg: Ich wäre sehr vorsichtig, bereits von einer Beendigung zu sprechen. Die Waffenruhe ist ein Offramp, aber kein Exit – sie entschärft die akute Eskalation, ohne die strukturellen Konfliktursachen auch nur annähernd zu lösen.
Klaus Brinkbäumer: Was genau meinst du mit „Offramp“ – wie hat Trump sich aus der Eskalation herausmanövriert?
KT Guttenberg: Wir sehen das typische Trump‑Muster: Erst werden apokalyptische Drohungen aufgebaut – hier hat er sein bisheriges Niveau nochmals dramatisch unterboten –, einschließlich der rhetorischen Bereitschaft zur „Zerstörung der Zivilisation“, und dann folgt im letzten Moment der Rückzug in einen Deal. Konkret nutzt er eine zweiwöchige Waffenruhe, vermittelt unter anderem über Pakistan und wohl auch China, um eine selbst erzeugte Eskalationsspirale im Nachhinein als diplomatischen Erfolg zu verkaufen.
Klaus Brinkbäumer: Wenn die Lage militärisch vorerst beruhigt ist – was bleibt denn ungelöst?
KT Guttenberg: Fast alles, was wirklich zählt. Irans Regime steht noch, die Revolutionsgarden sind intakt, und die Bestände an nahezu waffenfähigem Material sind im Kern unangetastet. Die USA haben zwar militärische Überlegenheit demonstriert, aber am strategischen Dilemma – ein feindliches, nuklearfähiges Regime zu tolerieren oder eine neue Eskalation zu riskieren – hat sich wenig bis nichts geändert.
Klaus Brinkbäumer: Wie ordnest du Trumps Verhalten strategisch ein – ist das kalkuliert oder eher improvisiert?
KT Guttenberg: Es ist eine Mischung aus Instinkt und Improvisation. Trump überträgt die Logik harter Immobiliendeals auf die Nuklearkrise: maximal drohen, rote Linien überschreiten, im letzten Moment zurückrudern. Das funktioniert taktisch – er kommt noch einmal von der Klippe herunter –, aber strategisch bleibt es ein Krisenmanagement auf Sicht ohne belastbares Konzept für die Zeit nach dem Waffenstillstand.
Klaus Brinkbäumer: Wie sehen andere geopolitische Analysten das – teilen sie deine Meinung?
KT Guttenberg: Natürlich gibt es Differenzierungen, aber die Tendenz ist relativ gleichlautend. Das Wall Street Journal etwa hebt die Ambivalenz hervor: Trumps Zielauswahl war militärisch teilweise sinnvoll, gleichzeitig drohte er mit Angriffen auf zivile Infrastruktur, was politisch und moralisch hochriskant ist. Der Economist wiederum liest den „Offramp“ als Zeichen amerikanischer Schwäche: Die USA sind bereit, massiv zu eskalieren, aber nicht bereit, die Kosten eines Regime-Change‑Krieges zu tragen – heraus kommt eine Art „forever crisis“. Und aus dem angelsächsischen Wirtschafts- und Finanzlager, etwa aus dem Umfeld der FT, hört man vor allem eines: Die schlimmste Eskalation ist vorerst abgewehrt, aber das ist kein stabiler Frieden, sondern ein fragiles Intervall.
Klaus Brinkbäumer: Welche Rolle spielt die innenpolitische Lage in den USA – insbesondere der Kongress?
KT Guttenberg: Sie ist zentral. Im Kongress wächst der Widerstand gegen jede Vereinbarung, die als zu nachgiebig gegenüber Teheran interpretiert werden kann – zumal ohne geordneten Prüfprozess wie 2015. Das macht die Waffenruhe politisch fragil: Sie kann jederzeit von innen heraus unterminiert werden, wenn Trump innenpolitisch Stärke demonstrieren will oder die republikanische Mehrheit einen härteren Kurs verlangt. Gleichzeitig muss er mit Blick auf die Midterm-Wahlen im Herbst eine Kernwählerschaft im Blick behalten, die einer Kriegsbeteiligung ablehnend gegenübersteht. Zudem gilt es die wirtschaftlichen Folgen, Spritpreise und Inflation einzuhegen.
Klaus Brinkbäumer: Was bedeutet dieser Waffenstillstand konkret für die Weltwirtschaft?
KT Guttenberg: Kurzfristig nimmt er den Märkten den unmittelbaren Schock. Wenn die Straße von Hormus nicht mehr blockiert ist, können Ölpreise vom Peak zurückkommen, Risikoaufschläge im Energiesektor sinken, und die Volatilität an den Börsen entspannt sich etwas. Aber mittel- und langfristig bleibt eine geopolitische Risikoprämie: Energie aus der Golfregion wird politisch teurer, und Investoren preisen die neue Unsicherheit dauerhaft ein.
Klaus Brinkbäumer: Kannst du das an ein, zwei Beispielen festmachen – etwa Europa und Schwellenländer?
KT Guttenberg: Für Europa heißt das: eine dauerhaft höhere Energiepreisbasis als vor der Krise, mehr Debatten über strategische Reserven, LNG‑Terminals und die Rolle amerikanischer Lieferungen. Das kann sozial und fiskalisch sehr ungemütlich werden, wenn der Preisdruck anhält. Für energieimportabhängige Schwellenländer ist der Waffenstillstand ein möglicher Pyrrhussieg: Der unmittelbare Preisschock geht zwar zurück, dafür bleiben hohe Zinsen, schwache Währungen und enger fiskalischer Spielraum – bei gleichzeitig dauerhaft eingepreisten geopolitischen Risiken.
Klaus Brinkbäumer: Wenn du auf die nächsten Monate schaust – was ist dein Szenario?
KT Guttenberg: Wir stehen nicht vor einem Punkt, sondern vor einem Doppelpunkt. Der Offramp markiert eine Atempause, in der weder Washington noch Teheran ein Interesse an sofortiger Eskalation haben. Aber solange Nuklearprogramm, Regimestabilität, regionale Machtprojektion und die Glaubwürdigkeitskrise amerikanischer Sicherheitszusagen ungelöst bleiben, ist dieser Waffenstillstand eher eine neue Normalität der Unsicherheit als der Beginn einer stabilen Nachkriegsordnung.
Klaus Brinkbäumer: Gibt es aus deiner Sicht einen Ausweg aus dieser „forever crisis“?
KT Guttenberg: Theoretisch ja, praktisch ist er politisch extrem schwer. Man bräuchte eine Kombination aus einem glaubwürdigen, überprüfbaren Abkommen zur Begrenzung des iranischen Nuklearprogramms, einer regionalen Sicherheitsarchitektur und klaren roten Linien, die beide Seiten ernst nehmen. Derzeit sehen wir aber eher das Gegenteil: tiefes Misstrauen in Teheran seit dem Ausstieg aus dem alten Atomdeal und eine US‑Politik, die maximale Flexibilität für sich beansprucht – das ist kein gutes Fundament für einen echten Exit.
INSIGHTS
Eine NATO ohne die USA?
Seit Jahrzehnten herrscht Frieden in Deutschland – gewiss auch ein Verdienst des Verteidigungsbündnisses. Was passiert, wenn sich nun seine stärkste Macht verweigert? Drei Szenarien zur Zukunft der NATO
NATO-Generalsekretär Mark Rutte bei US-Präsident Trump: Jeder Besuch gleicht einem diplomatischen Eiertanz.
Bild: WikiCommons
Eine Allianz in der Krise
Die NATO steht im 77. Jahr ihrer Existenz. Sie hielt manche transatlantischen Stürme aus und wurde wiederkehrend mit einer Brücke verglichen, die – erschütterungsfest – Europa und Nordamerika nicht nur militärisch zu verbinden verstand. Für zahlreiche Beobachter sind diese Zeiten unwiederbringlich vorbei, die USA auf dem Absprung.
Tatsächlich?
Im heutigen NEULAND Update gehen wir der Frage nach, ob das (etwas abgegriffene) Bild einer Brücke noch Gültigkeit beanspruchen kann. Welchen Gefahren das Konstrukt NATO ausgesetzt ist und ob jene „Statiker“ Recht haben, die behaupten, tragende Pfeiler würden nicht mehr halten. Mit der Folge eines kollabierenden Bündnisses und eines auf sich alleine gestellten Europas?
1949 als transatlantische Antwort auf die Sowjetunion unter Josef Stalin gegründet, war die NATO zunächst ein klassisches Abschreckungsbündnis mit klarer Frontlinie: amerikanische Atomwaffen, europäische Manpower, der eiserne Vorhang als Grenze. Der erste Generalsekretär, der britische General Lord Ismay, fasste ihre Aufgabe etwas salopp so zusammen: "to keep the Americans in, the Russians out, and the Germans down".
Mit dem Ende des Kalten Krieges schien der ursprüngliche Zweck erledigt, die Allianz erfand sich als Krisenmanagerin vom Balkan bis Afghanistan neu – und nahm mit Osterweiterungen einige Staaten auf, die zuvor zur Einflusssphäre Moskaus gehört hatten. Aus dem starren Verteidigungspakt gegen die Sowjetunion wurde ein Sicherheitsverbund gegen diffusere, auch asymmetrische Bedrohungen. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine ist die NATO jedoch wieder dort angekommen, wo sie angefangen hat: an einer heißen Ostfront – nur dass heute nicht nur Moskau Schatten wirft, sondern auch der Zweifel an der Verlässlichkeit Washingtons.
Es mag paradox klingen, aber an blanken Zahlen gemessen präsentiert sich die Allianz so stark wie nie. Gleichzeitig war sie aus ihrem Inneren heraus politisch nie derart gefährdet und angefochten wie dieser Tage.
Seit Russlands Angriff auf die Ukraine ist die NATO mit dem Beitritt Finnlands und Schwedens auf 32 Mitglieder gewachsen. Die meisten Europäer bewegen sich mit ihren Verteidigungsausgaben über die 2‑Prozent‑Marke des BIP, einige sogar deutlich darüber.
Gleichzeitig stellt Washington unter Präsident Trump offen infrage, ob die USA im Ernstfall noch bedingungslos Beistand leisten – vor allem gegenüber europäischen Staaten, die sich nicht an US‑geführten Operationen gegen Iran und zur Öffnung der Straße von Hormus beteiligen. Wo die Allianz historisch als Versicherungspolice gegen Moskau galt, wird sie nun zum Hebel amerikanischer Interessen weit über den euro‑atlantischen Raum hinaus. Gegenseitige Beistandspflicht könnte zur verhandelbaren Größe verkümmern.
Trumps Tiraden auf Truth Social – von „Trittbrettfahrern“ bis zur impliziten Drohung, die Bündnispflichten auszuhöhlen – haben in europäischen Hauptstädten die Sorge verfestigt, dass der Artikel‑5‑Beistand künftig als politisch konditioniertes Angebot verstanden werden könnte. Es geht erkennbar nicht mehr nur um Stilfragen, sondern um das Vertrauen in die Verlässlichkeit amerikanischer Sicherheitsgarantien.
Trumps Drohung:
Schutz nur unter Bedingungen?
In der Auseinandersetzung um den Iran‑Krieg und die Seewege durch die Straße von Hormus hat Trump offen damit gedroht, Länder wie Großbritannien und Frankreich im Krisenfall militärisch im Stich zu lassen, weil sie sich nicht an US‑geführten Operationen beteiligen. Diese Verknüpfung von kollektiver Verteidigung und politischer Gefolgschaft in außereuropäischen Konflikten verschiebt die Logik der Allianz von einem solidarischen Verteidigungspakt zu einem transaktionalen Sicherheitsdienst.
Historisch standen transatlantische Gewissheiten immer dann zur Disposition, wenn die USA Kriege führten, die große Teile Europas nicht wollten: Suez, Vietnam, Irak. Der Krieg im Iran passt in dieses Muster. Allerdings nur vordergründig, da Trump das Schicksal der NATO an einen Konflikt knüpft, der laut den Statuten keine Bündnisverpflichtungen beinhaltet. Trotzdem forderten er und sein Außenminister Marco Rubio von den Verbündeten nicht nur Solidarität in Europa ein, sondern aktive Teilnahme an US‑Operationen im Nahen Osten – verbunden mit der Androhung, dass ein Unterlassen drastische Folgen haben könnte.
Wo frühere Präsidenten lediglich über „Koalitionen der Willigen“ außerhalb der NATO stritten, legt Trump nunmehr die Axt an das Fundament der Allianz. In seiner Logik ist das Bündnis kein solidarischer Verteidigungspakt, sondern eher ein „sicherheitspolitisches Abonnement“, dessen Leistungen sich nach Zahlungsbereitschaft und politischer Gefolgschaft bemessen.
Die Behauptung indes, Trump habe die Verbündeten „zur Kasse gebeten“ und damit die europäischen Verteidigungsausgaben überhaupt erst in Bewegung gebracht, ist einerseits richtig. Andererseits dient sie ihm als innenpolitische Legitimation für weitergehende Drohgebärden – bis hin zu Äußerungen, die als implizite Austrittsdrohung aus der NATO interpretiert werden. Je konsequenter dieses Verständnis vom Bündnis als kostspieligem „schlechten Geschäft“ dominiert, desto wahrscheinlicher wird ein Szenario, in dem die US‑Sicherheitsgarantie von einer Konstante zu einer Option wird.
US-Außenminister Marco Rubio (links, hier mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu): Europa, ein Sprungbrett für Operationen der US-Streitkräfte
Bild: WikiCommons
Artikel 5: Vom Schwur zur Option
Der "Beistandsartikel" 5 war über Jahrzehnte Ausdruck gegenseitiger Verlässlichkeit: Ein Angriff auf ein Mitglied der NATO ist ein Angriff auf alle Mitglieder – ohne Kleingedrucktes. Der einzige Präzedenzfall, der 11. September 2001, wurde genau so beherzigt: Die Europäer standen in Afghanistan an der Seite der USA, bevor überhaupt jemand Verteidigungsausgaben gegengerechnet hätte – oder später Gefallene und Verwundete.
Trump hat diesen Automatismus systematisch relativiert. Artikel 5 ist für dieses Washington kein unbedingter Schwur mehr, sondern eine Option mit Bedingungen.
Kam dies alles überraschend und über Nacht? Mitnichten. Europa ignorierte frühe Warnungen und baute im wesentlichen auf das Prinzip Hoffnung. Dieses ist nur keine realpolitische Kategorie. Bereits in der ersten Amtszeit Trumps gab es mahnende Stimmen, dass eine zweite Präsidentschaft Artikel 5 nicht juristisch, aber politisch beschädigen würde. Genau das erleben die Europäer jetzt als „Artikel 5 auf Bewährung“ – formal intakt, aber von der Laune und Kalkulation eines Präsidenten abhängig.
Rubios Warnung
Außenminister Rubio gibt dieser Politik einen intellektuellen Rahmen, der weniger brachial klingt, aber nicht minder folgenreich ist. In seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz vor wenigen Wochen verband er Bekenntnisse zur Allianz mit der klaren Ansage, die USA würden ihre Rolle überdenken, falls Europa nicht erheblich mehr Verantwortung für seine Verteidigung übernehme und sich politisch enger an Washington anlehne.
Als zentrales Argument führt Rubio an, die NATO sei nie nur zum Schutz Europas geschaffen worden, sondern ebenso, um den USA militärische Präsenz und Basen in Europa für die Wahrung amerikanischer Interessen zu sichern – als Sprungbrett für Operationen von der Arktis bis zum Indischen Ozean.
Wenn diese Basen nicht mehr nutzbar seien – etwa, weil Parlamente Einsätze blockierten –, müsse Amerika sich fragen, ob das Bündnis noch im nationalen Interesse liege. In der Kombination mit Trumps Drohungen ergibt sich ein Bild, in dem nicht nur Artikel 5, sondern die ganze US‑Stationierungslogik unter einen stillen Vorbehalt gestellt wird.
Spaniens Verweigerung, die US-Basen auf der iberischen Halbinsel für den Iran-Krieg zu nutzen, nährt diese Drohkulisse.
Der nukleare Schutzschirm:
Psychologie der Zumutung
Formal gilt der US‑Nuklearschirm über Europa unverändert: In Deutschland, Italien, Belgien, den Niederlanden und der Türkei lagern US‑Kernwaffen, eingebunden in eine Nukleare Teilhabe, zu der auch deutsche F‑35 Kampfflugzeuge und andere Trägersysteme gehören. Das amerikanische Arsenal ist der zentrale Abschreckungspfeiler der NATO. Britische und französische Nuklearwaffen gelten als „eigenständige Beiträge“ mit Bündnisnutzen.
Doch Abschreckung lebt von Glaubwürdigkeit – und die ist ein psychologischer, kein juristischer oder militärischer Begriff. Wenn ein US‑Präsident öffentlich die Möglichkeit eines NATO‑Austritts ins Spiel bringt oder Artikel‑5‑Hilfe an Bedingungen knüpft, stellt sich in Moskau, Peking und Warschau jeweils dieselbe Frage: Würde Washington wirklich riskieren, atomar zu eskalieren, wenn es politisch nicht einmal mehr bereit ist, sich zu einer automatischen Beistandspflicht zu bekennen?
Thinktanks von Berlin bis Washington skizzieren inzwischen Szenarien, in denen die USA zwar rhetorisch am Schirm festhalten, im Krisenfall aber abgestufte Antworten wählen – konventionelle Vergeltung, Cyberattacken, Sanktionen –, während der Einsatz von Nuklearwaffen, als „zu riskant“ bewertet, de facto aus der politischen Toolbox verschwindet. Für Frontstaaten wie Polen oder die baltischen Länder ist schon dieser Verdacht eine strategische Zumutung.
Ein nukleares Europa:
Ersatz oder Spaltpilz?
Je lauter der Zweifel an der US‑Garantie, desto intensiver wird in Europa über eigene nukleare Antworten nachgedacht. Frankreich betont, die „vitalen Interessen“ des Landes hätten eine europäische Dimension, und signalisiert Gesprächsbereitschaft über eine stärkere Einbindung seiner Force de frappe. Auch in Deutschland diskutiert man mittlerweile Modelle, in denen Paris und London einen gemeinsamen „Eurodeterrent“ bieten, finanziell und politisch mitgetragen von nichtnuklearen EU‑Staaten.
Polen wiederum drängt auf eine stärkere Rolle in der Nuklearen Teilhabe. Dahinter steht eine einfache Logik: Wer an der Frontlinie lebt, will nicht nur politische Erklärungen, sondern möglichst sichtbare Abschreckung.
Doch dieser Weg ist nicht ohne Risiko. Ein zu offensiver Aufbau eines europäischen nuklearen Pfeilers könnte in Washington als Misstrauensvotum gelesen werden, als Signal: Europa plant ohne die USA – und genau den Rückzugsimpuls verstärken, den man ja doch vermeiden möchte. Im Inneren Europas droht zudem eine neue Spaltung zwischen Staaten, die bereit sind, nukleare Verantwortung zu übernehmen, und solchen, die darin einen Bruch mit jahrzehntelanger Abrüstungspolitik sehen.
Europäische Aufrüstung: zwischen Autonomie und Atlantikbindung
Die EU versucht derweil, ihre verteidigungspolitischen Fähigkeiten auszubauen – aber ohne die NATO zu verdrängen oder als Konkurrenzprojekt erscheinen zu lassen. In der Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit (PESCO) verfolgt Europa inzwischen über 70 Projekte – von unbemannten Bodensystemen über integrierte Luft‑ und Raketenabwehr bis hin zu Cyber‑Fähigkeiten –, die auf die Schließung von Fähigkeitslücken und eine Stärkung der europäischen Rüstungsbasis zielen.
Instrumente wie der Europäische Verteidigungsfonds (EDF), PESCO, der „Strategic Compass“ und neue Initiativen wie „Defence Readiness 2030“ markieren einen politischen Willen, aus der oft beschworenen „strategischen Autonomie“ mehr zu machen als eine wohlklingende Formel. Gleichzeitig betonen diese Dokumente explizit die Komplementarität zur NATO: Europäische Fähigkeiten sollen vor allem im Rahmen der Allianz wirksam werden, Fragmentierung überwinden und Doppelstrukturen vermeiden, nicht aber US‑Strukturen ersetzen.
Kann diese Strategie aufgehen?
NATO-Übung: Niederländische Streitkräfte trainieren auf Kreta mit dem US-amerikanischen Flugabwehr-Raketensystem Patriot.
Bild: WikiCommons
Drei Zukunftsszenarien für die NATO
1. Erneuerte, asymmetrische Allianz
In einem ersten Szenario bleibt die NATO bestehen, die USA bleiben militärisch präsent, und Trumps Drohungen fungieren primär als Druckmittel, um europäische Ausgaben und Beiträge weiter zu erhöhen. Europa investiert beschleunigt in Fähigkeiten – von Luftverteidigung bis Logistik –, während Washington sich auf Schlüsselbereiche wie nukleare Abschreckung, strategische Aufklärung und Hochwertfähigkeiten konzentriert.
Politisch wäre dies eine NATO, in der die USA klar dominieren, aber die Lastenteilung etwas weniger verzerrt ist; Europa übernimmt mehr Verantwortung an der Ostflanke und in seiner Nachbarschaft, während die USA mehr Freiheitsgrade für Asien und den Nahen Osten gewinnen. In diesem Modell bliebe der Artikel‑5‑Beistand intakt, aber zunehmend unter dem Vorbehalt „guter Verbündeter“ im Sinne Washingtons, was die politische Kultur des Bündnisses dauerhaft verändern würde.
2. Fragmentierte Abschreckung, „NATO‑light“
Im zweiten Szenario bleiben die formalen Strukturen der NATO zwar bestehen, doch die politische Bindekraft erodiert: US‑Garantien werden offen konditional, europäische Verbündete entwickeln parallel regionale und bilaterale Sicherheitsarrangements. Denkbar wären verstärkte Kooperationen wie ein deutsch‑französisch‑polnischer Sicherheitskern, nordische Verteidigungsformate mit Finnland und Schweden oder neue britisch‑europäische Sicherheitsabkommen.
Defizite entstünden insbesondere in den Bereichen Nuklearabschreckung, strategische Luft‑ und Seetransporte und Frühwarnfähigkeiten, in denen Europa auf absehbare Zeit von den USA abhängig bleibt. Eine „NATO‑light“ wäre für Russland schwerer kalkulierbar, aber potenziell weniger abschreckend – nicht wegen mangelnder Kapazitäten, sondern wegen politischer Zweifel, ob und wie schnell im Ernstfall tatsächlich kollektiv gehandelt würde.
3. Amerikanischer Rückzug – Europäische Selbstbehauptung?
Das dritte Szenario – ein tatsächlicher US‑Austritt oder faktischer Rückzug aus der NATO – bleibt zwar unwahrscheinlich, ist aber durch Trumps Rhetorik und Rubios Argumentation nicht mehr undenkbar. In diesem Fall stünde Europa vor der Aufgabe, binnen weniger Jahre eine eigenständige Abschreckungs‑ und Verteidigungarchitektur aufzubauen, inklusive nuklearer Dimension – sei es durch eine Europäisierung der französischen Force de frappe oder neue Arrangements mit Großbritannien.
PESCO‑Projekte, EDF‑Programme und der Strategic Compass wären dann nicht mehr Ergänzungen, sondern die Keimzellen einer eigenständigen europäischen Verteidigungsunion, die sich auf Artikel‑42‑7 der EU‑Verträge stützen könnte. Politisch jedoch würde ein solcher Bruch einen tektonischen Vertrauensverlust im Westen markieren, den auch die beste technische Kooperation nicht ohne Weiteres kompensieren könnte – und der Moskaus und Pekings strategische Kalkulationen nachhaltig verändern würde.
Europas Balanceakt:
Mehr Verteidigung ohne Bruch
Die NATO ist weniger an ihren Rändern gefährdet als in ihrem Zentrum: Nicht etwa die baltische Grenze, sondern primär der amerikanische Wille ist zur kritischen Belastungsfrage geworden. Wenn Europa darauf keine Antwort findet, wird der vielbeschworene nukleare Schutzschirm irgendwann nicht an Technik, sondern an Vertrauen scheitern.
Die europäische Herausforderung besteht darin, die eigene Verteidigungsfähigkeit massiv zu stärken und zugleich den transatlantischen Pfeiler nicht zu untergraben, auf dem die europäische Sicherheit bislang ruht. Das bedeutet praktisch: konsequente Erfüllung der PESCO‑Verpflichtungen, Beschleunigung der gemeinsamen Beschaffung, Konsolidierung der zersplitterten Rüstungsindustrie – und zugleich permanente politische Zusicherung, dass diese Schritte die NATO stärken werden.
Zugleich müssen europäische Regierungen die amerikanische Debatte ernst nehmen: Weder Trumps Drohungen noch Rubios Warnungen kommen aus dem luftleeren Raum, sondern spiegeln einen innenpolitischen Konsens über Parteigrenzen hinweg, dass die USA sich nicht dauerhaft als „Polizist Europas“ verstehen wollen. Ein anderer Präsident bedeutete also keineswegs zwangsläufig einen anderen Blick auf die NATO.
Je glaubwürdiger Europa zeigt, dass es bereit ist, im Ernstfall mehr als symbolische Beiträge zu leisten – von der Ostflanke bis Hormus (soweit eigene Interessen berührt sind) –, desto größer ist die Chance, dass die NATO als politisch erneuertes, aber strukturell verändertes Bündnis in das dritte Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts hinübergerettet wird.
In diesem Szenario erwiese sich Europa als handlungsfähige, starke Gemeinschaft. Dies dürfte unter den genannten Szenarien als Best Case betrachtet werden – und sollte für verantwortlich denkende Staatslenker Europas das Ziel sein, das sie mit aller Macht anstreben.
Redaktionstipp: HörenLesenGucken
Die ganze Wärme Amerikas
Was da draußen gerade in der Welt passiert, lässt einen mitunter wirklich zweifeln am amerikanischen Wesen. Wir setzen tapfer und fröhlich Freitag für Freitag unseren Podcast MAKE AMERICA GOOD AGAIN dagegen – und freuen uns, dass wir Ihnen hier im NEULAND Update eine Autorin vorstellen können, die uns zeigt, wie wunderbar Amerika eben auch ist. Die Geschichte spielt in Virginias Wäldern, in einem ärmlichen, vergessenen, drogenverseuchten Landstrich, und sie erzählt von Demon Copperhead, einem rothaarigen Wiedergänger von Charles Dickens' Waisenjungen David Copperfield. Klingt etwas deprimierend, nicht wahr? Aber Barbara Kingsolver schreibt so warm und menschennah, sie liebt ihre gebeutelten Heldinnen und Helden so sehr, dass wir mit ihnen über Hunderte Seiten fiebern und leiden und, manchmal, sogar auch ein klein wenig jubeln dürfen. Was in diesem Buch passiert, ist nicht selten niederschmetternd. Und doch ist da Hoffnung. Und was für eine Stimme. Das gute Amerika, auf diesen Seiten lebt es. (rüb)
Barbara Kingsolver: Demon Copperhead. Roman. dtv Verlag, 16 Euro.
A U F E I N W O R T
Warum so zuversichtlich, Gregor Gysi?
Er war der letzte Vorsitzende der SED und bei der Eröffnung des Bundestags 2025 dessen Alterspräsident. Als Anwalt, Politiker, Autor, Pooodcaster sei er Zweckoptimist, sagt er. Was heißt das heute?
Gregor Gysi, Bundestags-Abgeordneter der Linken – und seit 2023 Kompagnon KTs bei GYSI GEGEN GUTTENBERG.
Bild: Liliane Johannsen
NEULAND: Lieber Gregor, heute frage ich dich als meinen Partner-in-Crime beim Pooodcast – was macht dich dieser Tage zuversichtlich?
Gregor Gysi: Dass ich letztlich an die Vernunft des Menschen glaube und dass es Leuten wie dir und mir und anderen doch gelingt, sie davon zu überzeugen, dass wir einen anderen Weg gehen müssen um Kriege, Elend und vieles andere auszuschließen. Ja, daran glaube ich. Und ich bin ein Zweckoptimist – und da wir beide zusammengefunden haben, trotz unterschiedlicher politischer Meinung, denke ich, müssen das andere auch schaffen.
NEULAND: Das hoffe ich ebenfalls. Europa steht unter Druck dieser Tage. Siehst du hier Anlass zur Hoffnung?
Gregor Gysi: Ein Anlass war die Rede von Mark Carney, des Premierministers von Kanada, bei der Sicherheitskonferenz in München.
NEULAND: Wohlgemerkt kein Europäer.
Gregor Gysi: Ich weiß. Aber er hat Folgendes gesagt: Wir müssen der alten Weltordnung nicht hinterher trauern. Die ist tot. Die ist weg. Die kommt nicht wieder. Die Großmächte stehen miteinander in Konkurrenz. Und wir Mittelmächte haben einzeln nichts zu bestellen – es sei denn, wir schließen uns zusammen. Wahrscheinlich müsste man zwei Organisationen schaffen. Einmal mit Afrika und Asien und Lateinamerika und einmal nur Europa, vielleicht noch Nordamerika, also Kanada. Ein bisschen wie bei der OSZE, allerdings ohne die USA. Wenn unsere Mittelmächte das machen, dann sind sie ein Machtfaktor. Und ich hoffe sehr, dass das gelingt. Also ich fand, dieser kanadische Premier hat da in München vernünftig gesprochen. Wenn auch als Einziger... Aber ich sage ganz klar, wenn sie den Weg nicht gehen, ist die Chance vertan. Wenn sie sich zusammenschließen, hat auch Europa eine Chance.
NEULAND: Eine dieser Mittelmächte ist Deutschland und wenn wir schon über Hoffnung sprechen, was gibt dir in der momentanen Lage für unser Land Zuversicht?
Gregor Gysi: Dass es gesellschaftspolitische Auseinandersetzungen gibt. Und ich hoffe, dass wir die Haltung abbauen können, einfach die etablierte Politik nur abzulehnen, sondern dass hier Auseinandersetzungen stattfinden. Müssen wir wirklich den Sozialstaat abbauen oder nicht? Wieviel müssen wir für Rüstung und Armee ausgeben? Wir sind jetzt an vierter Stelle der Welt, also nach den USA, China und Russland. Ist das nicht vielleicht überzogen? Kann man sich da austauschen mit Frankreich und anderen Ländern, wie die das hinbekommen? Wenn wir eine wirkliche gesellschaftliche Debatte beginnen und nicht allein auf die Regierung setzen, sondern auch wieder Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Medien, Gewerkschaften, Kirchen einbeziehen, dann könnten wir Lösungen für unser Land finden. Die Regierung, es tut mir leid, ist etwas überfordert. Es gäbe nur eine Regierung, die nicht überfordert wäre, lieber KT: Wenn wir beide die Kanzler wären. (lacht) Aber da das ja unwahrscheinlich ist, kann man das vergessen. Außerdem würden wir uns auch so streiten, dass wir für jede Entscheidung anderthalb Tage bräuchten.
NEULAND: Wir beide streiten uns ja eigentlich nicht mehr.
Gregor Gysi: Das stimmt.
Mit Gregor Gysi sprach KT Guttenberg. Sie finden den Beitrag hier auf YouTube.
O – T Ö N E
Make America GOOD Again
Freitags:
MAKE AMERICA GOOD AGAIN
Einkaufen auf amerikanisch
„Ich meine den Superstore Greeter – das ist gern mal jemand, der schon pensioniert ist in seinem eigentlichen Job, er hat eine blaue Weste an. Und wenn du reinkommst, sagt er: "Good morning, honey, how are you? Can I help you find something today?" Und ich denke dann: den Sinn des Lebens vielleicht? (lacht) Aber unheimlich gern... Diese Leute sind wirklich nur da, um dich zu begrüßen. Braucht man das unbedingt für den Einkauf? Natürlich nicht. Aber alle diese kleinen Dinge sind Akzente, die zur Lebensqualität drüben beitragen."
Ricardia Bramley,
Host MAKE AMERICA GOOD AGAIN
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N E U L A N D C O M M U N I T Y
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H E Y, K T !
"Würdest du eine Einladung zu einer Raumfahrt annehmen – Artemis III?"
Fragt GYSI GEGEN GUTTENBERG-Hörer John Rickney aus Leipzig
Die Crew der "Artemis II": Wäre KT da eine Verstärkung?
Foto: WikiCommons
KTs Antwort: „Die Frage klingt nach einem Scherz – und ist doch eine Versuchung. Seit ich das Buch „Peterchens Mondfahrt“ gelesen habe, das Millionen Kinder in eine Traumwelt bugsiert hat, müsste die Antwort lauten: selbstverständlich! Schließlich wollte ich damals nicht nur Sterne sehen, sondern gleich auf ihnen spazieren.
Nur: Spätestens seit den Bildern schwerelos schwebender Astronauten mit Schraubenschlüssel in der Hand weiß ich, dass meine kosmische Karriere wohl ein hoffnungsloser Fall fürs Bodenpersonal geblieben wäre. Schon der Gedanke, mich im All an notwendigen Experimenten zu beteiligen, lässt nicht nur mich erschaudern. Ich wäre – da bin ich ehrlich – eine einzige Katastrophe.
Zwei linke Hände? Definitiv.
Technisches Verständnis? Endet mit dem Bedienen eines Toasters.
Physikalische Grundkenntnisse? Na ja, sagen wir: Ich weiß, dass fallende Äpfel irgendwie mit Gravitation zu tun haben. Und manche sagen mir die Fähigkeit nach, Kabel nur durch Blickkontakt in Rauch aufgehen zu lassen.
Es wäre also ein ungleiches Duell zwischen Hightech und Hilflosigkeit. Während die anderen Crewmitglieder präzise Nanoteilchen messen, würde ich wahrscheinlich versuchen, ein fliegendes Nutella-Glas zu retten (um es unverzüglich auszulöffeln) – und damit versehentlich das Gravitationsfeld der gesamten Raumkapsel beeinflussen (sowie wissentlich die Laune der Crew). Und doch, gerade darin liegt der Reiz: Im Scheitern mit Haltung, im Staunen über jene, die wissen, wie man orbital bleibt, während man selbst gedankenverloren durchs Weltall taumelt.
Doch spätestens beim Wiedereintritt, wenn das Raumschiff zu glühen beginnt und die Schwerkraft mich wieder einfängt, wüsste ich: Hier unten ist immer noch genug Raumfahrt. Etwa, wenn man glaubt, über den Dingen zu stehen – und trotzdem keine Ahnung hat, wo oben und unten ist.
Vielleicht, denke ich, wäre die Einladung zur Raumfahrt daher nicht so sehr eine Frage des Könnens, sondern des Blicks. Sich endlich einmal von außen zu betrachten. Die Erde als leuchtenden und verletzlichen Punkt, die menschliche Hybris als kleines Staubkorn im Dunkel. Hierfür braucht es aber keine Raketen, sondern lediglich Herz und Verstand."
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L I V E E R L E B E N
GYSI GEGEN GUTTENBERG ON TOUR
Sehen wir uns?
Aachen, Eurogress, 27.5.26
Neunkirchen, Neue Gebläsehalle, 29.9.26
Bochum, RuhrCongress, 30.10.26
Kulmbach, Dr.-Stammberger-Halle, 1.12.26
Liebe Leserin, lieber Leser,
wie hat Ihnen diese Ausgabe von NEULAND Update gefallen? Schreiben Sie uns gern: feedback@guttenberg.media
Bis nächste Woche, wir freuen uns auf Sie!
Herzlichst, Ihr KT Guttenberg
T E A M G U T T E N B E R G
KT Guttenberg war irgendwann mal Politiker und kennt die glatten Bühnen vor und hinter dem Vorhang aus dem Effeff. Was da passiert, erzählt er in NEULAND Update. Heute schreibt er Bücher, macht Filme und podcastet mit linken Legenden. Ach ja, und Unternehmer ist er auch.
Klaus Brinkbäumer ist Bestseller-Autor ("Zeit der Abschiede"), Moderator ("Riverboat", MDR) und Podcast-Co-Host ("Ok, America?"). Früher war er mal Chefredakteur des SPIEGEL. Jetzt beginnt die Woche für ihn mit unserem Podcast LAND IN SICHT.
Rüdiger Barth, Journalist, Historiker und Buchautor ("Deutschland 1946"), ist Geschäftsführer der Open Minds Media, die das NEULAND Update, Podcasts und Dokus produziert. Zum Optimismus neigt er allein schon, weil ihm zum Pessimismus das Talent fehlt.
Ricardia Bramley ist US-Amerikanerin, hat Wurzeln in vielen Ländern und lebte lange in New York – aufgewachsen aber ist sie in Deutschland. Seit Jahren produziert und hostet sie leidenschaftlich gern Podcasts. Eigentlich schon, solange es Podcasts gibt.
Peter Greve ist Consultant, Creative, Stratege. Für seinen Podcast "Die Lektion meines Lebens" trifft er ziemlich bekannte Menschen – und bringt sie auf seine leise, genau hinhörende Art dazu, ziemlich unbekannte Geschichten zu erzählen.