Die Zukunft Europas: Ungarn als Chance

  • KT Guttenberg: Warum wir auf die Wahl in Ungarn genau blicken sollten – es geht um die Zukunft Europas

  • Gute Gründe für Zuversicht: Annette Heuser, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes deutscher Stiftungen, im Gespräch

  • Hey KT, gibt es echte Freundschaften unter Politikern?

Meine Insights der Woche – 26. März 2026­


Guten Morgen {{ contact.FIRSTNAME }},

zunächst vielen Dank für die zahlreichen ermunternden Kommentare und Zuschriften, die uns zum NEULAND Update-Gespräch mit Arnold Schwarzenegger und Ralf Möller erreicht haben (unser Archiv finden Sie hier: www.guttenberg.media/neulandarchiv). Ihr Feedback bleibt unser Ansporn!

In dieser Ausgabe widmen wir uns einem Thema, das angesichts des Irankriegs derzeit nur ein Randaspekt zu sein scheint, in Wahrheit aber viel Sprengkraft für Europa birgt – und eine große Chance. 

In zwei Wochen wählt Ungarn – und damit entscheidet sich, ob Europas störrischster Vetospieler im Amt bleibt. Zum ersten Mal seit 2010 steht Ministerpräsident Viktor Orbán einem Herausforderer gegenüber, Péter Magyar, der zugleich glaubwürdig systemkritisch und doch konservativ genug ist, um auch Wähler von Orbans Partei Fidesz anzusprechen. Magyar führt derzeit in den Umfragen.

Europa steht dieser Tage massiv unter Druck: angesichts der Trump/Vance‑Doktrin, der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten sowie mit Blick auf erstarkende Rechtsaußen-Parteien. Die Wahl von Ungarn ist damit weit mehr als eine nationale Richtungswahl: Es ist ein Test, wohin sich die EU mit ihrer Abstimmungsarchitektur künftig entwickelt. Ob sie weiter hinein in Uneinigkeit und Handlungsunfähigkeit driftet. Oder ob sie endlich in der Lage sein wird, ihre Kräfte besser zu bündeln.

Die Zukunft Europas: Über welche Machtfaktoren reden wir da? Wer hat welche Interessen? Und wie könnte die EU aus der Lähmung herausfinden? Ich wünsche Ihnen eine bereichernde Lektüre. 

Noch ein Hinweis: Auch in der aktuellen Episode unseres Podcasts GYSI GEGEN GUTTENBERG sprechen Gregor Gysi und ich über Europa – und die Frage, wie wir es stärken können. 


INSIGHTS

5 Gedanken zur Zukunft Europas 

Am 12. April wird in Ungarn gewählt – für die EU bedeutet dies vor allem eine Chance: Kann Europa geopolitisch handlungsfähig werden? Und wovon hängt ab, ob sich die Verweigerer weiter durchsetzen?

Die Wahl des Ministerpräsidenten in Ungarn steht an – und Europa blickt gebannt nach Budapest: Wird Viktor Orbán (links) im Amt bestätigt? Oder kann sich sein Herausforderer Péter Magyar durchsetzen? Für die EU hängt von dieser Frage womöglich entscheidender politischer Spielraum ab.    

Bilder: WikiCommons

1. Die Koalition der Verweigerer

Im Zentrum der europäischen Blockade steht aktuell Ungarn. Budapest hat wiederholt Russland‑Sanktionen, Ukraine‑Hilfen und Erweiterungsbeschlüsse verzögert oder blockiert und seine Zustimmung an Zusagen zur Energiesicherheit, Ausnahmen bei Sanktionen und die Freigabe eingefrorener EU‑Mittel geknüpft. Jüngster Kulminationspunkt war das Veto gegen das 90‑Milliarden‑Darlehen für die Ukraine, das Viktor Orbán mit einem Streit um russische Öltransite über die Druzhba‑Pipeline verknüpfte. Wieder einmal wurde die EU-Außenpolitik durch einen einzelnen Mitgliedstaat in „Geiselhaft“ genommen. 

Die Slowakei unter Robert Fico agiert ähnlich, wenn auch weniger systematisch. Bratislava hat mehrfach neue Sanktionspakete und Hilfsbeschlüsse skeptisch begleitet oder verzögert und positioniert sich rhetorisch gegen eine „Kriegspartei“ in Brüssel, die angeblich den Frieden verhindere. 

Tschechien ist seit der Rückkehr Andrej Babiš’ zum Premier ein Scharnierfall: Unter Petr Fiala galt Prag als pro‑ukrainischer Vorreiter, mit frühzeitigen Waffenlieferungen und Munitionsinitiativen; Babiš nutzt nun Kriegs‑ und Inflationsmüdigkeit, relativiert Zusagen und kritisiert „Brüsseler Diktate“ bei Klima und Haushalt, ohne Orbáns offene Kreml‑Nähe zu kopieren.

Insgesamt eine lose Koalition der Verweigerer, die aus sehr unterschiedlichen Motiven denselben institutionellen Hebel nutzt – vom „illiberalen“ Machtprojekt in Budapest über die „Sicherheitsnationalisten“ in Bratislava bis zu den Opportunisten in Prag. Die Folge ist immer wieder eine faktische Lähmung der EU in zentralen Fragen der Geopolitik.

2. Der Faktor Trump

Ein oftmals unterschätzter Aspekt: Die Veto-Strategie der genannten Vertreter wird zudem durch den Einfluss der US-Regierung unter Donald Trump befeuert und verstärkt die Dynamik der EU-Skeptiker von außen. Die neue Trump/Vance‑Doktrin rückt die Verteidigung des amerikanischen Heimatlandes in den Mittelpunkt und erklärt Europa offen zum nachgeordneten Einsatzraum: Sicherheitsgarantien ja, aber unter der Bedingung, dass die Europäer ihre Abschreckung, Rüstung und Ukraine‑Unterstützung selbst finanzieren. US-Vizepräsident J.D. Vance hat wiederholt betont, dass auch zusätzliche US‑Hilfen für Kiew auf „europäische Rechnung“ gingen.

Damit wird das klassische Burden‑Sharing zu einem Burden‑Shifting: Die militärische Abhängigkeit von den USA bleibt, die finanziellen und politischen Kosten wiegen sehr viel schwerer auf den Schultern Europas. Genau diese Entscheidungen jedoch – Ukraine‑Pakete, Verteidigungsfonds, Industrieprogramme – hängen im Rat am Einstimmigkeits-Prinzip, dank dessen Budapest, Bratislava oder Prag Milliardenhilfen blockieren können. In anderen Worten: Je mehr Verantwortung aus Washington nach Europa wandert, desto wertvoller und destruktiver wird jedes einzelne Veto.

US-Präsident Donald Trump (links) und sein Vize JD Vance: Gemäß der neuen US-Strategie werden die Sicherheitsgarantien für die Europäer in Zukunft deutlich teurer.

Bilder: Shutterstock 

3. AfD und Rassemblement National: Vetomächte in Wartestellung

Hinzu kommen in Deutschland die AfD und in Frankreich der Rassemblement National als potenzielle Vetospieler im Kern der EU. Beide Parteien kritisieren Waffenlieferungen an die Ukraine, weitere Sanktionspakete und jede sichtbare Vertiefung der EU‑Integration. Die französische Oppositionsführerin Marine Le Pen versucht zwar, ihre offen pro‑Kreml‑Vergangenheit rhetorisch zu glätten, bleibt aber gegenüber EU‑Kompetenzzuwächsen und langfristigen Ukraine‑Verpflichtungen skeptisch. Abstimmungsanalysen im Europaparlament zeigen: RN‑ und AfD‑Abgeordnete gehören zu den zuverlässigsten Gegnern von Ukraine‑Resolutionen, neuen Sanktionsrunden und verteidigungspolitischen Integrationsschritten.

Die innere Spaltung der AfD zwischen offen pro-russischen Strömungen und taktischen Modernisierern hat bislang noch nicht zu einer klaren Kursänderung geführt. Obgleich AfD und RN in Berlin oder Paris keine Regierung stellen, erhöhen sie den innenpolitischen Preis jeder pro‑europäischen Entscheidung und verschieben die Diskursgrenzen nach rechts außen. 

In der Vetospieler‑Logik sind beide Parteien Vetomächte in Wartestellung: Gelangen sie in Regierungsverantwortung oder in eine Tolerierungsrolle, würden sich heute aus Budapest bekannte Blockademuster ins Zentrum der EU verlagern – mit ganz anderen Konsequenzen für Reform-, Ukraine‑ und Sicherheitspolitik.

Alice Weidel, AfD, Deutschland (links) und Marine Le Pen, Rassemblement National, Frankreich: Gelangten ihre Rechtsaußen-Parteien in Regierungsverantwortung, verlagerten sich Blockademuster ins Zentrum der EU.

Bilder: Shutterstock

4. Was sich in der EU ändern müsste

All diese Entwicklungen treffen auf einen lange beklagten Strukturfehler der EU: das Einstimmigkeits-Prinzip in Außen‑ und Sicherheitspolitik sowie wesentlichen Finanzfragen. Was als Schutz kleiner Staaten gedacht war, ist längst zum Druckmittel geworden– gegen Geld, Garantien oder Nachsicht in Rechtsstaatsfragen. 

Welche Reformideen werden diskutiert?

Abschied von der Einstimmigkeit in der Außenpolitik: Andernfalls werden Erweiterungsfragen und die Ukraine‑Politik absehbar weiterhin in Sackgassen laufen.

•  Qualifizierte Mehrheiten: Dieser Vorschlag zielt darauf ab, bei besonders sensiblen Entscheidungen eine „Supermehrheit“ einzuführen – etwa alle minus eins –, um systematischen Missbrauch von Vetos zu verhindern. Das würde den symbolischen Schutz kleiner Staaten bewahren, aber das Geschäftsmodell erpresserischer Einzelregierungen aushebeln.

Opt‑outs und Kerneuropa: Diskutiert werden auch thematische Opt‑outs (wer nicht mitmachen will, ist draußen, blockiert aber nicht) oder ein abgestuftes „Kerneuropa“ handlungswilliger Staaten, das bei Verteidigung, Ukraine‑Politik und Erweiterung vorangeht. Eine Variante ist die alte Idee eines „Europas unterschiedlicher Geschwindigkeiten“, in dem sich flexible Koalitionen um einzelne Themen bilden können. Damit würden sich neue Machtzentren herausbilden, die etwa ein Orbán nicht mehr aufhalten könnte – fraglos mit dem Preis einer stärker fragmentierten Europäischen Union.

•   Schärfere Nutzung von Artikel 7 und Konditionalität: Demnach würde eine Regierung, die systematisch gegen die Werte aus Artikel 2 EUV verstößt, ihr Vetorecht in existenziellen Fragen verwirken. In der Praxis würde das heißen: Mittel einfrieren, politische Isolation und im Extremfall Suspendierung von Stimmrechten, um gezielte Blockaden bei Sanktionen und Ukraine‑Hilfe zu umgehen. 

Aber: Die Durchsetzungschancen dieser Reformen bleiben begrenzt, weil jede Abschaffung der Einstimmigkeit selbst einstimmig beschlossen werden müsste. Realistischer sind daher wohl Zwischenschritte: kreative Umgehungen einzelner Vetos, verstärkte „Koalitionen der Willigen“ und ein wachsender faktischer Unterschied zwischen einem integrationsbereiten Kern und einem störrischen Rand.

5. Ungarn: die Schicksalsmacht Europas?

Die Wahl in zwei Wochen kann Signalwirkung entfalten. Der prominenteste Protagonist ist freilich der amtierende Premier Orbán. Innenpolitisch nutzt er für die Dauerfehde mit der EU ein Belagerungsnarrativ: Rechtsstaatsverfahren, eingefrorene Gelder und Kritik aus westlichen Hauptstädten dienen als Gründe, demonstrativ unerschrocken nationale Interessen zu verteidigen. Orbán nutzt die EU-Außenpolitik als Zwangsmittel.

Viktor Orbán – ein europäischer Dämon?

Vielen gibt Orbáns Nähe zu Russlands Präsident Wladimir Putin ein Rätsel auf. Sie beruht auf Energie, Ideologie und innenpolitischem Kalkül. Ungarn ist bei Öl und Gas weiterhin eng an Russland gebunden, der Ausbau des Kernkraftwerks Paks II mit russischen Reaktoren vertieft diese Bindung; jedes Sanktionspaket wird so zum Hebel für Ausnahmen und Garantien. In seiner berühmten Tusnádfürdő‑Rede von 2014 reihte Orbán Russland neben China, Singapur und der Türkei ausdrücklich unter die Staaten ein, die „nicht westlich, nicht liberal und vielleicht nicht einmal Demokratien“ seien – und gerade deshalb aus seiner Sicht als Erfolgsmodelle für einen „illiberalen Staat“ taugen, als Vorbild für das von ihm geführte Ungarn. Brüssel ist in dieser Perspektive weniger Partner als Gegenentwurf.

Eine analytischere Sicht auf Orbán beginnt dort, wo die Dämonisierung aufhört. Der ungarische Premier ist kein bloßes Abziehbild des autoritären Bösewichts, der sich gegen einen geschlossenen Volkswillen an der Macht hält. Er verfügt über eine reale, wenn auch medial gestützte Legitimitätsbasis: Ein erheblicher Teil der Ungarn bewertet seine Regierungsleistung positiv, gerade in älteren und ländlichen Milieus. Das soll nicht seine Verfassungspolitik rechtfertigen, relativiert aber die Vorstellung eines isolierten Autokraten.

Auch ökonomisch ist die Bilanz ambivalent. Orbán hat ein System von Klientelismus und EU‑Mittelabhängigkeit aufgebaut, das Korruption strukturell begünstigt – zugleich ist die Wirtschaft gewachsen, die Beschäftigung gestiegen und Ungarn für industrielle Investitionen attraktiv geblieben. Seine Wähler leben nicht in einem kollabierenden System, sondern in einer Mischung aus Wohlstandsgewinnen, wachsender Verwundbarkeit und ungerechter Verteilung.

Ähnlich doppelgesichtig ist seine Rolle in der Migrations- und Sicherheitspolitik. Orbán hat die Sicherung der südlichen Schengen‑Außengrenze aggressiv politisiert, aber Ungarn trägt faktisch einen Teil der physischen Grenzsicherung, deren Logik sich später in Reformen des europäischen Asylsystems wiederfindet. Gleichzeitig hat Budapest die Verteidigungsausgaben deutlich angehoben, das NATO‑Zwei‑Prozent‑Ziel erreicht und investiert in Modernisierung – während es außenpolitisch bei Russland und der Ukraine blockiert. Die toxische Mischung entsteht aus genau dieser Spannung: Obstruktion nach außen bei gleichzeitiger Einbettung ins westliche Bündnis.

Schließlich ist Orbán weniger ideologischer Kreuzritter als strategischer Machtpolitiker. Konzepte wie „illiberale Demokratie“ oder das Pathos vom „christlichen Abendland“ dienen vor allem als Rahmenerzählungen, um ein polarisiertes, klientelistisches System zu stabilisieren. Das macht seine Politik nicht zwingend legitim, verschiebt aber den analytischen Fokus: Wer ihn nur als Dämon begreift, unterschätzt die Rationalität seines Vorgehens – und damit auch die Mühen, ein solches System von innen und außen zu verändern.

Ein neues Ungarn unter Péter Magyar?

Orbáns Gegenspieler Péter Magyar setzt an dieser Schnittstelle von Außenpolitik und Systemfrage an. Er präsentiert sich als „kritisch pro‑europäischer“ Konservativer: für Rechtsstaat und Westbindung, gegen Korruption und Vetomissbrauch, aber ohne Bruch mit dem kulturell konservativen Profil vieler ungarischer Wähler. Aus heutiger Sicht wäre der wesentliche Unterschied zu Orbán weniger eine völlig andere Ideologie als eine veränderte Praxis: weniger Blockade, mehr Berechenbarkeit gegenüber EU und NATO, Rücknahme der demonstrativen Nähe zu Moskau und Peking. Magyar kündigt an, die russlandfreundliche Schlagseite zu korrigieren, Sanktionen und Hilfspakete nicht mehr als Druckmittel zu missbrauchen und Ungarn wieder auf einen Kurs der „loyalen Kooperation“ mit der EU zu bringen - bei anhaltender Vorsicht gegenüber einem schnellen EU‑Beitritt der Ukraine.

Genau hier liegt das strukturelle Gewicht der ungarischen Wahl. Sie könnte Europa verändern – nicht, weil Budapest plötzlich zum Vorbild würde, sondern weil ein zentrales Hindernis für die EU‑Außenpolitik wegfiele. Und daher lohnt der Blick in zwei Wochen nach Budapest. Ungarn, das bisherige Bleigewicht Europas, kann Europa in kritischer Zeit eine neue Chance eröffnen. 



A U F  E I N  W O R T

Warum so zuversichtlich, Annette Heuser?

Die Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen arbeitet am Scharnier zwischen Zivilgesellschaft und Politik und ist eine starke Stimme für unsere Demokratie. Was macht ihr Mut?

Annette Heuser ist auch Geschäftsführerin der Beisheim-Stiftung in München, die innovative Projekte zur Stärkung der Gesellschaft fördert.

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NEULAND: Frau Heuser, was gibt Ihnen Zuversicht? 

Annette Heuser: Es gibt aktuell drei Entwicklungen, die mich wirklich sehr zuversichtlich stimmen. Das erste ist, ich spüre einen neuen Innovationsgeist in Deutschland. Zweitens wächst das Bewusstsein, dass Freiheit nicht zum Nulltarif zu haben ist. Und drittens verfügen wir über eine starke und, wie ich finde, sehr handlungsfähige Zivilgesellschaft. 

NEULAND: Können Sie da konkreter werden?
Annette Heuser: Wir erleben gerade eine neue Lust am Experimentieren. Deutschland war ja sehr viele Jahre sehr stark versäult – Wirtschafts-, Wissenschafts- und zivilgesellschaftliche Akteure: Jeder ist in seinem Kästchen geblieben. Und diese Mauern fallen gerade. Es entstehen neue Ökosysteme aus Unternehmen, Universitäten, Forschungseinrichtungen und Stiftungen. Und ich sehe gerade, dass das an ganz vielen Stellen enorme Innovationskraft freisetzt. Gleichzeitig sehen wir auch, dass Demokratien weltweit unter Druck geraten. Aber wir sind nicht ohnmächtig. Demokratie verlangt Einsatz nach innen durch neue Formen der Beteiligung, nach außen durch die Bereitschaft, unsere Freiheit auch verteidigen zu können – politisch, wirtschaftlich und, wenn nötig, auch militärisch. Und, ja, und dieser Aspekt ist mir persönlich sehr, sehr wichtig: Wir sehen, dass wir eine sehr starke Zivilgesellschaft haben, die unserer Gesellschaft auch Resilienz gibt. Wir haben über 26.500 Stiftungen in Deutschland, Hunderttausende von Vereinen und NGOs, die in den Bereichen Kultur, Bildung, Gesundheit, Integration aktiv sind. Die sind, wie ich finde, wirklich das starke Rückgrat unserer Demokratie. 

NEULAND: Wie erleben Sie Deutschland gerade? 
Annette Heuser: Ich erlebe unser Land als ein Land, das auf der Suche ist nach seinem Kompass, innen- wie außenpolitisch. Und ich glaube, wir werden nicht darum herumkommen, wenn wir Orientierung wollen, dass wir uns auch wieder große Visionen zutrauen.

Mit Annette Heuser sprach Dominik Wichmann. Sie finden den Beitrag hier auf YouTube.

O – T Ö N E

Make America GOOD Again & 

Land in Sicht & 

Gysi gegen Guttenberg

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Freitags: 
MAKE AMERICA GOOD AGAIN

Weinerliche weiße Männer?

„Damals fing ich an darüber nachzudenken – denn das Gespräch, von dem ich gerade erzählte, war schon in den 90ern. Es ist also nicht so, dass diese Idee der weißen Menschen in Amerika, dass alles irgendwie falsch läuft für sie, erst jetzt durch Trump getriggert wurde."

Ricardia Bramley, 
Host MAKE AMERICA GOOD AGAIN 

„Nein, Trump ist in der Hinsicht Symptom, nicht Auslöser einer gewissen Entwicklung. Was du erzählst, ist etwas, das ich auch immer wieder vernommen habe. Es ist eine selbstbetroffene, fast weinerliche Erzählung daraus geworden, die breit Platz gegriffen hat. Auf der Welle reitet natürlich auch Trump."

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KT Guttenberg, 
Host MAKE AMERICA GOOD AGAIN 

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Dienstags:
LAND IN SICHT

Gegen Gewalt im Netz

"Wir müssen uns an die Begrifflichkeit gewöhnen, virtuelle sexuelle Gewalt. Das Problem an dieser Sache ist, dass das nicht weggeht. Du kannst einer Frau nie wieder, nie wieder!, Sicherheit zurückgeben, wenn das mal passiert ist. Einige von uns haben vielleicht auch Töchter. Und jetzt stell dir bitte vor, deine Tochter wird in so einem Video verwendet. Jedem Bewerbungsgespräch, das sie jemals haben wird, jedem potentielle Date, jeder Begegnung mit jemandem wird dieses Video vorausgehen. (...) Die virtuelle Welt ist nicht mehr zu trennen von der eigentlichen. Das ist ein nahtloser Übergang. Wenn ich im Netz übergriffig werde, werde ich es auch im echten Leben. Es ist eine Illusion zu glauben, ach, das findet ja nur im Netz statt."

Ricardia Bramley, 
Team LAND IN SICHT

­Reinhören =>

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Wie können wir Europa stärken?

"Wenn Europa geopolitisch ein Faktor werden will, muss man sich neu organisieren. Die EU macht mir Sorgen, weil jetzt immer mehr die Parteien gewählt werden, die doch auf nationalen Egoismus setzen. Ich meine nicht nur Ungarn. Ich meine auch die Slowakei, auch Tschechien, auch Italien, selbst wenn sich Meloni anders verhält, als man es befürchtet hatte. Da kommt eine Entwicklung zustande, die die europäische Integration nicht erleichtert, sondern erschwert."

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Gregor Gysi, Pooodcaster 

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"Italien muss man aus dieser Liste derzeit wirklich herausnehmen. Meloni verhält sich tatsächlich sehr europafreundlich. Aber du hast recht, die europäischste Rede in Davos hat ein Nichteuropäer gehalten – der kanadische Premierminister."

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KT Guttenberg, Pooodcaster 

Reinhören­=>


N E U L A N D   C O M M U N I T Y

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H E Y,  K T !­

"Gibt es echte Freundschaften unter Politikern?"

Fragt LAND IN SICHT-Hörer Andreas Romycz aus Berlin

Make it stand out

"In der Politik gibt es keine Freunde, nur Komplizen": ein Bonmot wohl von Charles de Gaulle (links), Frankreichs früherem Staatspräsidenten, hier mit Bundeskanzler Konrad Adenauer (1958)

Foto: WikiCommons

KTs Antwort: „Gewiss – genauso wie echte Aufrichtigkeit in Parteiprogrammen. Oder wie echte Betroffenheit beim Sturz des innerparteilichen Konkurrenten…

Man könnte auch sagen: Ein politischer Freund ist jemand, der dich stützt, solange du nicht fällst.

Aber wenigstens die Fassade stimmt immer: Man duzt sich, lächelt vertrauensselig, umarmt sich bei Parteitagen wie alte Schulkameraden - und tastet sich gleichzeitig auf spitze Gegenstände ab. Mir sagte einmal ein Abgeordneter: „Die wahre Nähe in der Politik misst man nicht an Umarmungen, sondern an unterlassenen Angriffen.“

Innerhalb der Partei ist zu unterscheiden, ob man sich in der Regierung oder Opposition befindet. In der Opposition entstehen Freundschaften, in der Regierung Erinnerungen daran. Man schätzt sich sehr – bis man sich braucht.

„In der Politik gibt es keine Freunde, nur Komplizen“, soll de Gaulle gesagt haben. Komplizen halten zusammen – bis das Boot sinkt. Dann winkt man sich aus verschiedenen Rettungsbooten noch verkniffen fröhlich zu.

Und doch – ganz ohne Ironie: Echte Freundschaften gibt es tatsächlich. Nur erstaunlich oft jenseits der eigenen Parteigrenzen. Dort, wo Konkurrenz weniger unmittelbar ist und man sich noch als Mensch begegnen kann, bevor man sich als Karrierehindernis erkennt.

Die härteste Probe bestehen solche Freundschaften allerdings nach dem Amtsverlust. Dann zeigt sich, wer bleibt – und wer plötzlich an einer seltenen Form der „Kontaktamnesie“ leidet. Manche erinnern sich erst wieder, wenn sich Machtoptionen neu sortieren. Nennen wir es: politisches Gedächtnis mit situativer Aktivierung.

Freundschaften in der Politik müssen viel aushalten: Gegnerschaft, Eitelkeiten, Bedeutungsverlust – und die leise Erkenntnis, dass Loyalität oft ein befristeter Vertrag ist. Ein richtiger Freund widerspricht dir. Ein politischer wartet den richtigen Moment ab.

Die beständigste Beziehung in der Politik ist demnach für viele diejenige zu sich selbst.

Ich habe noch Freunde aus den politischen Tagen. Die meisten davon fanden meine politische Orientierung abenteuerlich. So what?"

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Wollen Sie auch etwas von KT Guttenberg wissen? Dann los.­

­Meine Frage an KT =

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HörenLesenGucken

New York! Aber bei uns

­Seit vielen Jahren schon schreiben deutsche Redakteurinnen und Redakteure auf ihren Social-Media-Kanälen trotzig "Print lebt!", wenn wieder mal ein Verlag wagt, ein neues Magazin auf den Markt zu bringen – trotz des betrüblichen Niedergangs der Branche. Am besten ein großformatiges, kühn gestaltetes, fantastisch fotografiertes und geschriebenes Magazin, das richtiggehend schwer in den Händen liegt und nach etwas Realem riecht, nach prallem Leben und einer Abenteuerreise für alle Sinne. Was halt alles Print kann, was Digital nicht kann. (Das spricht übrigens für eine Print-Ausgabe des NEULAND Update, eines Tages, finden Sie nicht auch?)

Das T Germany: The New York Times Style Magazin ist also da und erscheint jetzt vier Mal im Jahr. Es geht um, klar, Stil, Fashion, Kultur und wird in München gemacht, verströmt ein lässig-modernes Deutschland, zugleich findet sich die globale Perspektive des legendären Originals auf jeder Seite. Print lebt? Oh yeah. (rüb)

T Germany – The New York Times Style Magazine. Beautiful Minds Media. 15 Euro. Am Kiosk und unter www.t-germany.de

Disclaimer: Dominik Wichmann und Robin Houcken, die Publisher von T Germany, sind auch Gesellschafter der Open Minds Media, die das NEULAND Update herausgibt.

­Link zur Website =>­­­

L I V E  E R L E B E N 

GYSI GEGEN GUTTENBERG ON TOUR

Sehen wir uns?­

  • Aachen, Eurogress, 27.5.26

  • Neunkirchen, Neue Gebläsehalle, 29.9.26

  • Bochum, RuhrCongress, 30.10.26

  • Kulmbach, Dr.-Stammberger-Halle, 1.12.26

­Tickets =>­


Liebe Leserin, lieber Leser, 

wie hat Ihnen diese Ausgabe von NEULAND Update gefallen? Schreiben Sie uns gern: feedback@guttenberg.media 

Bis nächste Woche, wir freuen uns auf Sie!

Herzlichst, Ihr KT Guttenberg­


T E A M  G U T T E N B E R G

KT Guttenberg war irgendwann mal Politiker und kennt die glatten Bühnen vor und hinter dem Vorhang aus dem Effeff. Was da passiert, erzählt er in NEULAND Update. Heute schreibt er Bücher, macht Filme und podcastet mit linken Legenden. Ach ja, und Unternehmer ist er auch.

Klaus Brinkbäumer ist Bestseller-Autor ("Zeit der Abschiede"), Moderator ("Riverboat", MDR) und Podcast-Co-Host ("Ok, America?"). Früher war er mal Chefredakteur des SPIEGEL. Jetzt beginnt die Woche für ihn mit unserem Podcast LAND IN SICHT.

Rüdiger Barth, Journalist, Historiker und Buchautor ("Deutschland 1946"), ist Geschäftsführer der Open Minds Media, die das NEULAND Update, Podcasts und Dokus produziert. Zum Optimismus neigt er allein schon, weil ihm zum Pessimismus das Talent fehlt.

Ricardia Bramley ist US-Amerikanerin, hat Wurzeln in vielen Ländern und lebte lange in New York – aufgewachsen aber ist sie in Deutschland. Seit Jahren produziert und hostet sie leidenschaftlich gern Podcasts. Eigentlich schon, solange es Podcasts gibt.

Peter Greve ist Consultant, Creative, Stratege. Für seinen Podcast "Die Lektion meines Lebens" trifft er ziemlich bekannte Menschen – und bringt sie auf seine leise, genau hinhörende Art dazu, ziemlich unbekannte Geschichten zu erzählen.

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8 Erkenntnisse aus dem Irankrieg