8 Erkenntnisse aus dem Irankrieg

  • KT Guttenberg: Meine 8 Erkenntnisse zum Verständnis des Irankriegs. Darunter: ein globaler Effekt, den wir noch völlig unterschätzen

  • Im Gespräch: Arnold Schwarzenegger über die Kraft, die aus dem Scheitern kommt. An seiner Seite: Schauspieler Ralf Möller

  • Hey KT, gibt es bereits eine deutsche Behörde ohne Faxgerät – oder ist das ein Fabelwesen wie das Einhorn?

Meine Insights der Woche – 19. März 2026­


Guten Morgen,

Arnold Schwarzenegger ist eine bemerkenswerte Persönlichkeit, in vielerlei Hinsicht. Nächstes Jahr wird er 80 Jahre alt, aber noch immer strahlt er eine unerhörte Wachheit und Energie aus – und eine ansteckende Zuversicht. Als ich ihn kürzlich in L.A. traf, an seiner Seite der deutsche Schauspieler Ralf Möller, sprachen wir vor allem auch über das Scheitern. Erst nach dem Scheitern, sagt Schwarzenegger, entscheide sich, wer das Zeug zum Gewinner habe. Lesen Sie bitte unbedingt unser "Auf ein Wort", weiter unten in diesem NEULAND Update, den Link zum Video finden Sie hierMit einer Haltung, wie sie der Filmstar und frühere Gouverneur Kaliforniens beschreibt, lassen sich Krisenerfahrungen aller Art gewiss besser wegstecken.

Zur größten Krise unserer Zeit, dem Irankrieg. Zwangsläufig, muss man sagen, widmen wir uns in dieser Woche wieder diesem Konflikt, denn die potentiellen Folgen für die Geopolitik, die globale Wirtschaft und unseren Alltag auch in Deutschland werden umfassend sein. Manche dieser Konsequenzen zeichnen sich bereits klar erkennbar ab, sie reichen schon jetzt weit über den Nahen Osten hinaus. Andere hingegen spielen in der Debatte bislang kaum eine Rolle. Beschäftigen werden sie uns gleichwohl ebenfalls noch lange.

Allzu viel zuversichtlich Stimmendes können wir dem Geschehen derzeit nicht abgewinnen, das sei bedauernd vorausgeschickt. Aber der nüchterne Blick mag schon helfen, ordnen wir also ein, was da geschieht. Denn verstehen wir das Kalkül der Beteiligten, verstehen wir auch besser möglicherweise folgende nächste Schritte. Resilienz wird, davon bin ich überzeugt, durch Wissen gestärkt.

Die USA haben mit dem Iran‑Krieg einen Feldzug begonnen, bei dem die Wirklichkeit die Inszenierung überholt. Präsident Donald Trump feierte sich früh als Sieger, der nur noch „aufräumen“ müsse – aber de facto hängt die Supermacht an der Leine ihrer eigenen Fehlkalkulationen.

Schrittweise hat Trump seine Kriegsziele mittlerweile heruntergeschraubt: vom Sturz des Regimes über die Verhinderung Mojtaba Khameneis als neuem Oberhaupt bis zur nüchternen Formel, Irans nukleare Ambitionen sowie die Raketen‑ und Seestreitkräfte „hinreichend“ zu zerstören. 

Bei meinen Gesprächen in den USA vergangene Woche hörte ich wiederholt, eine „unbedingte Kapitulation“ des Irans bedeute nunmehr irgendeine Form von Ergebniserzählung, die sich im anstehenden Midterm-Wahlkampf verkaufen ließe. Doch der Gegner spielt längst ein anderes Spiel – und diktiert derzeit die Kostenstruktur des Krieges.

Schauen wir genauer hin.


INSIGHTS

8 Erkenntnisse zum Verständnis des Irankriegs 

Amerika und Israel haben im Iran einen Konflikt entfesselt, den sie nicht mehr kontrollieren. Was muss man wissen, um die Folgen zu begreifen? Einen globalen Effekt unterschätzen wir noch völlig

Ein Flüssigerdgas (LNG)-Frachter auf offener See. In der Straße von Hormus könnte die Gefahr jederzeit durch eine Drohne aus der Luft oder eine Mine unter Wasser kommen. Welcher Reeder mag da eine Fahrt veranlassen?

Eine Shahed-Drohne, eine der wichtigsten Waffen Irans. Sie ist eher simpel gebaut und einmal gestartet, nicht mehr steuerbar – aber als Kamikaze-Waffe wegen ihrer Sprengladung gefürchtet.

Bilder: Shutterstock

EINS
Nadelöhr Hormus: Die Weltwirtschaft ist erpressbar

Die Straße von Hormus ist in dieser Krise zum ultimativen Hebel geworden. Iran muss die Meerenge nicht dauerhaft schließen; es reicht, sie unberechenbar genug zu machen, damit Reeder, Versicherer und Crews sich weigern, die Route zu nutzen. Minen, Drohnen, sporadische Angriffe – mehr braucht es nicht, um gut 20 Prozent des weltweiten Ölexports vom Markt zu nehmen und eine der „schwersten Ölschocksituationen seit den 1970er‑Jahren“ zu riskieren, wie Ökonomen es inzwischen nennen. Viel spricht dafür, dass diese iranischen Waffenarsenale trotz massiver anderweitiger Zerstörungen nicht bald versiegen werden.

Die Folge: Ölpreise jenseits der 100 Dollar je Barrel, Notfreigaben strategischer Reserven und die nachgerade absurde Situation, dass Washington ausgerechnet russisches Öl wieder sehenden Auges in den Markt drückt, um die eigene Fehlentscheidung zu dämpfen. Für die Bürger zeigt sich der Krieg zuerst an der Zapfsäule, dann im Supermarkt – und erst ganz zum Schluss in den ehrlichen Prognosen der Zentralbanken.

ZWEI
Die unterschätzte Verwundbarkeit: Düngemittel, Plastik, Nahrungsmittel

Die öffentliche Debatte fokussiert sich aktuell auf Rohöl und die Entwicklung des Ölpreises, doch ein eher stiller Sprengsatz liegt noch anderswo. Durch Hormus laufen gewaltige Mengen an Harnstoff, Schwefel und LNG – zentrale Bestandteile für Düngemittel, und damit für die globale Nahrungsmittelproduktion. Die auch hier eingetretene Preisexplosion trifft die Bauern genau zur Pflanzsaison, Düngemittel werden für viele Regionen schlicht unbezahlbar – und Experten warnen bereits vor der nachfolgenden zweiten Welle: steigende Lebensmittelpreise, Hungerkrisen in verletzlichen Staaten, bis hin zum politischen Kollaps ohnehin fragiler Regime.

Gleichzeitig hängen zentrale Industrien an petrochemischen Produkten aus dem Golf, etwa Polyethylen für Verpackungen, Konsumgüter oder den Automobilsektor. Der Iran‑Krieg wirkt sich damit wie ein globales Preiskartell aus – nur ohne Kartell, ohne Plan und ohne Ausstiegs-Szenario. Die Kosten steigen, die Lieferketten reißen, und niemand sitzt wirklich am Steuer.

DREI
Irans Strategie: Durchhalten, den Preis treiben. Und dann die Atombombe?

Teherans Kalkül ist vergleichsweise trivial: Es geht nicht darum, den Krieg zu „gewinnen“, sondern länger durchzuhalten als die USA und Israel. BBC‑Analysen beschreiben eine Führung, die seit Jahren darauf hinarbeitet, genau diese Situation auszuhalten – mit einem Arsenal aus Raketen, Drohnen und regionalen Stellvertretern (nicht nur im Jemen), das auf Nadelstiche statt auf Panzerkeile ausgelegt ist. Aus Israels 12-Tage-Krieg des vergangenen Jahres hat Irans Regime gelernt. Die Zellen der iranischen Revolutionsgarden operieren dezentral – d.h. auch ohne zentrale militärische Führung. Enthauptungsschläge an der Spitze führen daher nicht notwendigerweise zum Verlust der militärischen Operationsfähigkeit.

Jeder Angriff auf eine Pipeline, jeder Cyberangriff auf ein westliches Unternehmen, jeder „lone wolf“, der sich auf Iran beruft, fügt der Gegenseite politische Kosten zu, die in keiner Bilanz der Pentagon‑Planer stand. Und je deutlicher es wird, dass ein konventioneller Schlag das Regime nicht bricht, desto plausibler erschiene der Griff Teherans nach der ultimativen Versicherung: der Atombombe. 

Immer noch befinden sich 440 kg hochangereichertes Uran im Zugriff Irans. Sollte dieses auf Waffenfähigkeit angereichert werden, reicht dies für mindestens 10 Atomsprengköpfe – und einen möglichen Nuklearwettlauf in der Region. Die Non‑Proliferationsordnung wirkt vor diesem Hintergrund wie ein Versprechen aus einer anderen Epoche.

VIER
Israel: das fragile Band zu den USA

Während in den USA von Kriegsbegeisterung kaum die Rede sein kann (auch innerhalb der MAGA-Bewegung regt sich zunehmend deutliche Kritik), trägt Israel den Konflikt mit bemerkenswerter gesellschaftlicher Unterstützung. Trotz ständigem Raketenalarm und Dauerkrisenmodus. 


Für Premier Benjamin Netanjahu ist der Krieg innenpolitische Lebensversicherung und zugleich eine strategische Jahrhundertchance: auf die weitgehende Zerstörung von Irans militärischer Infrastruktur und idealerweise den Sturz des Regimes. 

Sollte es aber misslingen, dessen Uranvorräte in naher Zukunft sicherzustellen, droht eine Zerreißprobe der israelisch-amerikanischen Einigkeit. Während sich Trump mit einer Verhandlungslösung zufrieden geben könnte, ist das klar erklärte Ziel Netanjahus die vollkommene Zerschlagung iranischer Atomwaffen-Ambitionen.  

FÜNF

Die Golfstaaten und der Zerfall der „Ordnung“

Die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Saudi-Arabien und die anderen Golfstaaten erleben ein Fiasko. Sie haben Milliarden investiert, um sich als sichere Knotenpunkte der globalisierten Wirtschaft zu präsentieren: Transit‑Hub, Investitionsmagnet, Tourismusdestination. Nun müssen sie zusehen, wie ausgerechnet ihr vermeintlicher Sicherheitsgarant – die USA – eine Dynamik entfesselt, die ihre Infrastruktur verwundbar macht und ihre Bevölkerung nicht nur vor die Bildschirme mit Bildern toter iranischer und libanesischer Zivilisten zwingt. Sondern gar um ihr eigenes Leben fürchten lässt, da bei ihnen zu Hause Drohnen oder Raketen Irans einschlagen könnten.

Der viel beschworene „Neue Nahost“ wirkt plötzlich wie ein Hochhaus, das auf einem Öltanker gebaut wurde. Und die vorsichtige (von den USA vermittelte) Annäherung zwischen den Golfstaaten und Israel in den vergangenen Jahren droht zu kollabieren.

SECHS
Europa zwischen Pest und Cholera

Die (richtige) Entscheidung der EU-Staaten, sich nicht am Angriffskrieg zu beteiligen, kollidiert mit dem Faktum, dass auch unmittelbare Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen Europas betroffen sind. Zumal auch im Lichte der brachialen Erpressungstaktik Trumps die NATO irreparablen Schaden nehmen könnte. Nutznießer anhaltender Spannungen zwischen dem Weißen Haus und den europäischen Hauptstädten wäre einmal mehr Russlands Präsident Wladimir Putin.

Ein weiterhin unzureichend verteidigungsfähiges Europa und anderweitig gebundene US-Streitkräfte verschlechtern nicht nur die Situation der Ukraine, sondern zunehmend auch der baltischen Staaten oder Moldawiens. Die Debatte um eine nukleare Aufrüstung Europas wird an Schärfe gewinnen. Zugleich ist die Dringlichkeit, die Bundeswehr und die anderen europäischen Armeen in kürzester Zeit deutlich leistungsfähiger zu machen, nochmals gewachsen.

SIEBEN

Trump, die Midterms – und die Rechnung, die zu Hause ankommt

Für Donald Trump wird der Iran‑Krieg mehr und mehr zu einem innenpolitischen Risiko, das er überdies selbst geschaffen hat. Namhafte Ökonomen warnen vor einer Dynamik, die Inflation treibt, die Notenbanken unter Druck setzt und Wachstum frisst. Einige Analysten zeichnen Szenarien mit deutlich höherer Kerninflation bis Ende des Jahres und Wachstumsraten, die in Richtung Rezession tendieren – nicht gerade das Umfeld, in dem ein US-Präsident gerne in die Zwischenwahlen im Herbst dieses Jahres geht.

Laut Umfragen spricht sich eine klare Mehrheit der US‑Bevölkerung gegen die Ausweitung der Kriegshandlungen aus, während die Sorge um gefallene US‑Soldaten und steigende Lebenshaltungskosten wächst. Trumps Krieg, der Stärke demonstrieren sollte, könnte sich als das Projekt entpuppen, das ihn tatsächlich seine Mehrheiten im Kongress kostet.

Von daher sollte es nicht überraschen, wenn demnächst Donald Trump einen „Sieg“ erklären wird. Ohne Raum für eine kritische Aufarbeitung zu lassen, da bereits die nächste abenteuerliche Handlung ansteht, um die Welt in Atem zu halten. Nicht wenige tippen auf Kuba…

 

ACHT
Regeln zählen nichts mehr. Und militärische Macht muss nicht schützen

Der Irankrieg ist auch ein Lehrstück darüber, wie die bereits fragile Sicherheitsarchitektur im Zeitraffer zu zerbröseln vermag. Derzeit werden in der internationalen Politik reihenweise Tabus gebrochen: von gezielten Tötungen außerhalb formaler Kriege bis zur Zerstörung lebenswichtiger ziviler Infrastruktur. Was früher als Ausnahme (völkerrechtlich) gerechtfertigt werden musste, wird nun zum Tool aus einem Werkzeugkasten für all jene, die glauben, es sich leisten zu können. Russland befindet sich längst auf diesem Pfad. Und für China sinken die Schwellen bezüglich einer etwaigen Annexion Taiwans. 

Gleichzeitig verweisen US-Politikwissenschaftler auf einen umgekehrten Effekt: Selbst eine militärische Supermacht wie die USA könnte mit asymmetrischen Methoden in den Rückzug gezwungen werden. Insbesondere, wenn es mit hohen wirtschaftlichen Einbußen verbunden ist. Die Folge wäre: Wer die Fähigkeit besitzt, Energiepreise in die Höhe zu jagen, Lieferketten zu stören oder Finanzmärkte zu verunsichern, bedarf keiner umfassenden Land-, Luft- und Seestreitkräfte um mächtige Nationen in die Knie zu zwingen. Gegebenenfalls reichen Minen, Drohnenschwärme und Algorithmen. Ein klassischer „Chokepoint-Effekt“, in dem ein Akteur einen zentralen wirtschaftlichen Knotenpunkt dominiert oder stört. 

Eine solche Erkenntnis würde auch enorme Auswirkungen auf den Entwurf künftiger geopolitischer Strategien haben – inklusive der Frage, welche Allianzen zu bilden und wo Truppen zu stationieren sind.


O – T Ö N E

WESTERWELLE & 
Make America GOOD Again & Land in Sicht

Inspirationen aus unserer TV-Dokumentation und den Podcasts

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"Ein toller Film" - FAZ

 Jetzt in der ARD Mediathek: 
WESTERWELLE. Die Dokumentation

Gedanken von Guido Westerwelle

„Jahrzehntelang war ich ein Starker, und plötzlich bin ich ein ganz Schwacher.
(...)

Die Krankheit ist sehr egoistisch. Sie schluckt alles an Wahrnehmbarkeit um dich herum, wie ein schwarzes Loch.

(...)

Ich habe nachts geträumt. Vom Leben, aber auch vom Sterben. Mehr, Gott sei Dank, vom Leben."

­zum Trailer =>

Freitags: 
MAKE AMERICA GOOD AGAIN

War Amerika denn mal GUT?

„Es gibt einen Kommentar von unseren Hörerinnen und Hörern, der ist mir besonders hängen geblieben – weil ich die Frage so gut fand: 'Hey, man wird doch wohl nochmal fragen dürfen War denn Amerika jemals good?'"

Ricardia Bramley, 
Host MAKE AMERICA GOOD AGAIN 

„Aber ja, Ricardia! Und das ist ja auch einer der Gründe, warum wir diesen Podcast machen. Damit wir immer wieder daran erinnern, dass Amerika – wie unser eigenes Land auch – ganz dunkle Kapitel in der eigenen Geschichte hat. Aber immer wieder, und tatsächlich sogar für die ganze Welt, Dinge auf den Weg gebracht hat, die man sehr positiv sehen kann. Die Tragik unserer Tage liegt darin, dass das, wofür wir die USA preisen, was in den letzten Jahrzehnten oder im letzten Jahrhundert geschaffen wurde, momentan radikal infrage gestellt wird."

KT Guttenberg, 
Host MAKE AMERICA GOOD AGAIN 

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Dienstags:
LAND IN SICHT

Weimer, ein Kulturkampf-Minister?

"Das halte ich für einen Vorgang, der in ähnlicher Form an ganz vielen Stellen auch in kleineren städtischen Parlamenten, Landtagen oder Kreistagen stattfindet:

Dass Menschen unter Druck gesetzt werden, weil sie womöglich einer politischen Strömung angehören oder ihnen das überhaupt erst mal unterstellt wird und dass sie unter Druck gesetzt werden, ohne dass sie wirklich verstehen, warum."

Peter Greve, 
TEAM LAND IN SICHT 

„Ich fand den Vorgang auch seltsam. Das schicke ich mal voraus und bin entfernt davon, großes Verständnis zu äußern. 

Wir müssen hier dann aber auch offen sagen, dass das aus allen politischen Richtungen stattfindet. Und dass das heute mit dem Begriff Cancel Culture umschrieben wird."

KT Guttenberg, 
Team LAND IN SICHT 

„Ich verstehe das Argument – lasst uns gerne mal über die sogenannte Cancel Culture reden und wo das auch problematisch sein kann. Aber das hier ist was anderes: Das ist politische Macht!"­

Peter Greve, 
Team LAND IN SICHT

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A U F  E I N  W O R T

Warum so zuversichtlich, Arnold Schwarzenegger und Ralf Möller?

Bis heute ist der gebürtige Österreicher ein Filmidol – und als früherer Gouverneur Kaliforniens eine politische Stimme, die in Amerika Gewicht hat. NEULAND Update traf ihn mit seinem Kumpel Ralf Mölle

Arnold Schwarzenegger war für die Republikaner von 2003 bis 2011 Gouverneur von Kalifornien. Seine Karriere begann er mit Bodybuilding, als Schauspieler ist er immer noch gefragt. 

Bildrechte: Frank Fastner

­NEULAND: Arnold, was gibt dir Zuversicht? 

Arnold Schwarzenegger: Ich sag dir was: Selbstvertrauen bekommst du nur durch Siege. Ich habe immer daran geglaubt, alles zu geben – und dann zu gewinnen. Und wenn du einen kleinen Sieg erringst, und sei er noch so winzig – sagen wir, du nimmst dir vor, bis Ende des Monats zwei Kilo abzunehmen, und du schaffst es –, dann gibt dir das das Gefühl, dass du die Kontrolle über dein Leben hast. Und darauf baut alles auf. In meiner Karriere war es genauso: Der kleinste Bodybuilding-Wettbewerb, das unbedeutendste Gewichtheber-Turnier – jeder Sieg führte zum nächsten, zum größeren, und irgendwann stand ich bei den Weltmeisterschaften. Das hat mir gezeigt, dass mein Wille, meine Disziplin, meine Vision richtig waren. Egal, was die Zweifler gesagt haben: Ich hatte recht. Und ich kann alles erreichen, was ich mir vorstelle. Denn eine Vision ist im Grunde nichts anderes als eine Vorschau auf das, was kommen wird. Das gibt dir Zuversicht, das gibt dir eine innere Stärke. Und deshalb habe ich heute ein grenzenloses Selbstvertrauen – egal, was ich anpacke. Denn Erfolg überträgt sich: Der Sieg im Sport trug mich in die Politik, der Erfolg in der Politik trug mich ins Filmgeschäft, und so weiter. Ralf kann das bestätigen. Es sind die kleinen Schritte, die kleinen Siege, die sich summieren – und am Ende hast du ein unerschütterliches Selbstvertrauen. Darum geht es.

NEULAND: Das heißt, irgendwann verliert das Scheitern seinen Schrecken?

Schwarzenegger: Scheitern ist sogar extrem wichtig – wir lernen mehr aus Niederlagen als aus Siegen. Ich bin oft hingefallen, wir alle sind das. Es gibt keinen Menschen auf der Welt, der nicht gescheitert ist. Ob bei Wahlen, in der Politik, im Filmgeschäft – ich hatte Filme, die grandios gefloppt sind, und Filme, die durch die Decke gegangen sind. Alles dabei. Aber entscheidend ist: Nach jedem Sturz stehst du wieder auf, klopfst dir den Staub ab (streift sich imaginären Staub von den Armen, ballt die Fäuste) – und du sagst: Ich bin zurück. Ich bin zurück! Und dann machst du weiter. Das ist der Unterschied zwischen jemandem, der scheitert, und einem Verlierer. Ein Verlierer bleibt liegen. Ein Gewinner steht immer wieder auf. Was sagst du dazu, Ralfie?

Ralf Möller: (lacht) Was soll ich danach noch sagen? 

Schwarzenegger (lacht): Gut, vielen Dank, das war's für heute. 

Möller: Ich unterschreibe alles, was er gesagt hat. Genau so ist es.

Zu Ralf Möller verbindet Schwarzenegger eine lange Freundschaft – auch der Deutsche war "Mr. Universum" und spielte in Kinofilmen mit (u.a. "Gladiator").

Bildrechte: Frank Fastner

NEULAND: Was kommt dir in den Sinn, Ralf, wenn du über Deutschland nachdenkst, was macht dich zuversichtlich?

Möller: Dass wir nach wie vor in einer Demokratie leben. Dass wir noch sagen können, was wir denken – auch wenn das einige mittlerweile bezweifeln, die sagen, dass man dann sofort in eine rechte Ecke manövriert werden würde. Und ich muss sagen: Allein die Tatsache, dass unsere Muskeln in unserem Alter noch so mitmachen – das gibt dir natürlich Zuversicht. Das gibt uns die Motivation, jeden Tag zu trainieren. Also: Zuversicht, Leute! Steht morgens auf, trainiert, tut etwas für euch, esst vernünftig – und dann geht alles weiter.

NEULAND: Ein Wort zu Deutschland, Arnold.

Schwarzenegger: In deutsche Politik mische ich mich nicht ein. Ihr habt drüben den gleichen Sauhaufen, den wir hier in Amerika haben. Es gibt Korruption auf den höchsten Leveln, in Los Angeles, in Amerika, in der Politik und so ist es auch in Deutschland, aber ich werde die Deutschen nicht für ihre Korruption oder ihre Pannen kritisieren. Wir haben unsere eigenen Pannen. Bevor wir unser Haus hier in Amerika nicht aufgeräumt haben, sollte man niemanden anderen kritisieren.

Das Gespräch mit Arnold Schwarzenegger und Ralf Möller führte KT Guttenberg. Sie finden den Beitrag hier auf YouTube, gefilmt von Frank Fastner.


N E U L A N D   C O M M U N I T Y

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H E Y,  K T !­

"Gibt es bereits eine deutsche Behörde ohne Faxgerät – oder ist das ein Fabelwesen wie das Einhorn?"

Fragt GGG-Hörerin Steffi Schulte aus Kassel 

KTs Antwort: „Im ersten Reflex wollte ich auf Ihre Frage – da ich keine Ahnung hatte – im sauberen Amtsdeutsch antworten: „Dazu liegen uns keine belastbaren Erkenntnisse vor – aber wir gehen eher nicht davon aus.“ Dann wurde ich aber selbst neugierig und habe ein wenig recherchiert, die Daten, die ich fand, sind noch einigermaßen aktuell. 

Also, es ist offenbar so: Bis auf weiteres bleibt das faxfreie Amt, soweit nachprüfbar, eher Mythologie als Verwaltungsrealität. Während das Fax in der freien Wirtschaft einen beschleunigten Tod stirbt, steht es in den Amtsstuben meist kerngesund im Flur. 

Beginnen wir mit den nackten Zahlen, die so unerquicklich sind wie ein Behördengang ohne Termin: Laut dem Digitalverband Bitkom faxen drei Viertel der Unternehmen zwar noch gelegentlich, aber unter ihnen schrumpft der harte Kern der Stammfaxer – von 33 Prozent 2023 auf 30 Prozent 2024 und nur noch 18 Prozent 2025. Das Fax wird also in der Wirtschaft vom Standard- zum Notfallwerkzeug degradiert.

In den Verwaltungen dagegen herrscht eine andere Zeitrechnung. Unternehmen sehen sich oft weiterhin gezwungen, regelmäßig per Brief oder Fax mit Behörden zu kommunizieren. Allein in den Ministerien Baden‑Württembergs standen 2025 noch mehr als 1.400 Faxgeräte. Man verkauft es dort als Beitrag zur „Bürgernähe“, weil man den Menschen ja „eine zusätzliche Kommunikationsmöglichkeit“ anbieten müsse. Hmm.

Niedersachsen und Bremen, selbst das ach so fortschrittliche Bayern verweigern dem Fax ebenfalls nicht den Stecker: In der Breite der Verwaltungen gibt es weiterhin tausende aktive Faxgeräte – begründet mit Notfall-Kommunikation, einem Service für Gehörlose und der vorgeblichen Erwartungshaltung von Banken, Ärzten und Krankenkassen. Andere Nationen hingegen, etwa Estland, zeigen, dass es auch ohne geht.

Und die Hauptstadt – das Schaufenster unserer Republik? Aktuelle Zahlen sind aus Berlin – wie so oft – nicht so leicht zu haben. Noch 2023 waren in der Berliner Verwaltung insgesamt 5.333 Faxgeräte im Einsatz, davon 3.263 allein in den Senatsverwaltungen. Den Löwenanteil hielt ausgerechnet die Senatsverwaltung für Inneres, Digitalisierung und Sport – die Behörde, die die Stadt eigentlich ins digitale Zeitalter führen soll. Faxen als Metapher, nur eben ohne Ironie. 

Denn längst ist ja das Fax ein Ausdruck für den Unwillen oder das Unvermögen seiner Benutzer, Daten digital weiterzuverarbeiten. Denn das Fax ist zwar viel schneller als ein Brief – aber es druckt im Normalfall auf Papier. Und ist damit eine, nun ja, digitale Sackgasse, ein Neandertaler der technologischen Evolution.

Auf Bundesebene macht der Bundestag offenbar seit einiger Zeit eine Ausnahme: Dort sind die letzten Faxgeräte laut Medienberichten inzwischen abgebaut (allerdings existiert noch eine Faxnummer, die eingehenden Faxe werden digital weiterverarbeitet). Ob der Bundestag die erste wirklich faxfreie deutsche Institution oder nur eine parlamentarische Schönwettermeldung ist, wird sich zeigen. Und wie sieht es dort eigentlich mit der Notfall-Kommunikation aus? Ja, ist denn das Fax nun als Teil der kritischen Infrastruktur einzuschätzen – oder handelt es sich hierbei nur um das listige Scheinargument von Faxfreunden?

Kurze Antwort auf die Frage: Das faxfreie Amt existiert vor allem in Pressemitteilungen und Koalitionsverträgen – wer es in freier Wildbahn sichtet, darf es gerne melden. Am besten natürlich per Fax."

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Die Männer von '90

Der Fußball war schon immer politisch, das "Wunder von Bern" 1954 gab den vom Krieg und dessen Folgen zerknirschten Deutschen wieder Selbstvertrauen. 1974 verlor die BRD bei der WM gegen die DDR 0:1, eine Peinlichkeit für den Westen, kurz später war die BRD trotzdem Weltmeister. Dann, 1990, gelang nur wenige Monate nach dem Mauerfall, noch ohne Spieler der früheren DDR, der dritte WM-Titel. In den Kinos zeichnet nun eine Dokumentation die Ereignisse dieses legendären Sommers nach. Diese WM fand in Italien statt, es waren für Fans wie Mannschaft Wochen der Sehnsucht – einer Sehnsucht, die tatsächlich wahr wurde. Wir sehen in diesem Film nie zuvor gezeigte Videoaufnahmen von Torwart Bodo Illgner und Torwarttrainer Sepp Maier, und die Spieler, die heute noch da sind, erzählen von dem, was damals geschah. Was für ein feiner, kraftvoller Film ist da entstanden, der kein Pathos braucht, auf Hochgejubel verzichtet. Einfach ganz nah geht er ran an die Menschen. Aus der Unschärfe unserer Erinnerung tritt ein unwiderstehlicher Recke namens Lothar Matthäus hervor, wir lernen junge Männer namens Brehme, Häßler, Völler, Riedle, Klinsmann wieder neu kennen und, natürlich, den polternden Teamchef Franz Beckenbauer. Dieses Panorama einer untergegangenen Zeit, bevor Fußball-Stars – das waren sie damals schon – zu ihren eigenen Marken wurden und tatsächlich wohl Freundschaft zueinander empfanden: Das ist unbedingt sehenswert. (rüb)

Ein Sommer in Italien. Dokumentation, Deutschland 2026. Regie: Vanessa Goll und Nadja Kölling. 90 Minuten. Produktion: B14 Film. Im Kino.

­Link zum Trailer =>­­­


L I V E  E R L E B E N 

GYSI GEGEN GUTTENBERG ON TOUR

Sehen wir uns?­

  • Aachen, Eurogress, 27.5.26

  • Neunkirchen, Neue Gebläsehalle, 29.9.26

  • Bochum, RuhrCongress, 30.10.26

  • Kulmbach, Dr.-Stammberger-Halle, 1.12.26

­Tickets =>­


Liebe Leserin, lieber Leser, 

wie hat Ihnen diese Ausgabe von NEULAND Update gefallen? Schreiben Sie uns gern: feedback@guttenberg.media 

Bis nächste Woche, wir freuen uns auf Sie!

Herzlichst, Ihr KT Guttenberg­


T E A M  G U T T E N B E R G

KT Guttenberg war irgendwann mal Politiker und kennt die glatten Bühnen vor und hinter dem Vorhang aus dem Effeff. Was da passiert, erzählt er in NEULAND Update. Heute schreibt er Bücher, macht Filme und podcastet mit linken Legenden. Ach ja, und Unternehmer ist er auch.

Klaus Brinkbäumer ist Bestseller-Autor ("Zeit der Abschiede"), Moderator ("Riverboat", MDR) und Podcast-Co-Host ("Ok, America?"). Früher war er mal Chefredakteur des SPIEGEL. Jetzt beginnt die Woche für ihn mit unserem Podcast LAND IN SICHT.

Rüdiger Barth, Journalist, Historiker und Buchautor ("Deutschland 1946"), ist Geschäftsführer der Open Minds Media, die das NEULAND Update, Podcasts und Dokus produziert. Zum Optimismus neigt er allein schon, weil ihm zum Pessimismus das Talent fehlt.

Ricardia Bramley ist US-Amerikanerin, hat Wurzeln in vielen Ländern und lebte lange in New York – aufgewachsen aber ist sie in Deutschland. Seit Jahren produziert und hostet sie leidenschaftlich gern Podcasts. Eigentlich schon, solange es Podcasts gibt.

Peter Greve ist Consultant, Creative, Stratege. Für seinen Podcast "Die Lektion meines Lebens" trifft er ziemlich bekannte Menschen – und bringt sie auf seine leise, genau hinhörende Art dazu, ziemlich unbekannte Geschichten zu erzählen.

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Die Politik in Zeiten der Angst: Was tun?