USA: Wer tritt '28 für die Demokraten an?

  • KT Guttenberg: Die Zeit nach Trump – wer tritt bei den Demokraten für die US-Präsidentschaftswahl 2028 an? Die fünf wichtigsten Szenarien

  • David Miliband, Präsident der Flüchtlingsorganisation IRC: Wirksame Unterstützung für Tausende Frauen im Süd-Sudan

  • Hey KT, sollten wir Deutsche uns für die Ausrichtung der Olympischen Spiele bewerben?

Meine Insights der Woche – 19. Februar 2026­


Guten Morgen,

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Über die ereignisreiche jüngste Münchener Sicherheitskonferenz haben wir in der neuen LAND IN SICHT-Folge ausführlich gesprochen. Danach erreichten mich viele Fragen: Wird denn Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom der nächste US-Präsidentschaftskandidat der Demokraten? Er war in München, ich konnte mich mit ihm unterhalten, und er überzeugte mit Charme und Angriffslust. In den Fluchten des Bayerischen Hofs war auch Alexandra Ocasio-Cortez, kurz AOC, sehr aktiv – und die beiden sind nur zwei von mehreren, sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten, die bei den Demokraten das Rennen für sich entscheiden könnten.

Noch sind es knapp drei Jahre bis zu den nächsten Wahlen in den USA, während dreizehn Monate Trump zuweilen wie eine Dekade wirken. Aber ja, die Demokraten beginnen sich warmzulaufen. Was könnte da auf die Welt zukommen, insbesondere auf uns Europäer? Bei der Kandidaten-Kür stehen den Demokraten wegweisende Entscheidungen bevor, die den strategischen Kurs der Partei definieren. Welche Entscheidungen dies sind und welche Szenarien sich daraus ableiten – davon handelt dieses NEULAND Update.

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INSIGHTS

Die Wahl vor den Wahlen  

Mit welcher Strategie werden die Demokraten 2028 gegen Trumps Republikaner um das Präsidenten-Amt kämpfen? Fünf Szenarien

Barack und Michelle Obama, Januar 2008. Damals galt Obama als Surprise Candidate der Demokraten. Wer wird 2028 für die Partei antreten? Das Rennen ist völlig offen.
Foto: WikiCommons 

Fast alle der unten Genannten durfte ich in den vergangenen Jahren kennenlernen. Darunter sind Menschen, mit denen die Unterhaltung aus Sicht eines überzeugten Europäers vergnüglich ist, mit anderen ist es eher mühsam. Klar ist aber: Den demokratischen Ideal-Kandidaten aus Sicht der Europäer, der überdies die amerikanische Gesellschaft zusammenzuhalten vermag, wird es nicht geben.

Und sicher ist auch: Mindestens bis zu den Midterm-Wahlen in diesem Herbst werden sich die meisten ernsthaften Bewerberinnen und Bewerber noch bedeckt halten. Erst danach wird man beginnen sich zu positionieren - was dann auch sein muss, um das nötige Geld für den Wahlkampf einzusammeln. Im Vergleich zu Europa geht es um astronomische Summen - für den innerparteilichen Wahlkampf, wohlgemerkt. Bis zum Kampf gegen Trumps Erbe beharkt man sich erst mal schön gegenseitig.


Die Post-Trump-Frage

Das Jahr 2028 bringt für die Demokratische Partei eine Wahl gegen die Doktrin Donald Trumps und dessen potentiellen Nachfolger, sei es JD Vance, Marco Rubio oder ein anderer. Mindestens aber ebenso bedeutsam wie die Frage nach dem Kontrahenten ist die Entscheidung, welche Strategie die Demokratische Partei wählt. Will sie eine Partei der Identität und historischen Erinnerung sein? Eine „Partei der Gouverneure“? Oder, drittens, eine Partei der „Movements“? Was zunächst wie das Aufsatzthema eines politologischen Proseminars klingen mag, wird demnächst mit harten Bandagen in der Realität ausgefochten. Und je nach Ergebnis wird die demokratische Partei danach eine andere sein als heute.

Was uns Europäern dabei bewusst sein muss: Wir schauen ja gerne und vor allem auf Themen wie NATO, Klimaschutz und Welthandel. Das alles jedoch interessiert sehr viele Amerikaner nicht im Mindesten. Folglich drehen sich die innerdemokratischen Konflikte viel eher darum, wie sich Koalitionen aus schwarzen Wählern, Menschen in den Suburbs, Rust‑Belt‑Arbeitern und jungen Progressiven schmieden lassen. Es geht im Kern um die Frage, welche Wählergruppen am ehesten einen Wahlerfolg gegen Trumps Republikaner bescheren könnten. Und von der Antwort wird abhängen, welche Kandidatin oder welcher Kandidat sich durchsetzen wird.

 
Szenario Harris (ja, sie ist weiterhin im Rennen): Die Partei der Erinnerung

Die frühere Vizepräsidentin Kamala Harris steht für das „Gedächtnis“ der Obama‑/Biden‑Ära – mit ihrer Kür würden sich die Demokraten als Partei darstellen, die ein historisches Gedankengerüst verteidigt, aber sich schwertut, ein neues zu erfinden. Harris stünde gerade nicht für einen Neuanfang und verkörperte vor allem eine moralische Antwort auf Trump – nicht aber die ökonomische Antwort auf die großen Fragen, die sich der Partei im Rust Belt stellen, also in den darbenden, einst stolzen Industrieregionen in Ohio, Michigan, Nord-lllinois oder Indiana. Würde die Schwäche bei weißen Arbeiterwählern durch Stärke bei schwarzen Wählern ausgeglichen? Würden sich die Frauen aus den Vorstädten dieses Mal für Harris entscheiden?

Aus europäischer Sicht: Kamala Harris als Präsidentin wäre eine bekannte Größe, verlässlich, multilateral, klimafreundlich – aber sie hätte wohl kaum die innenpolitische Schlagkraft, um den Trumpismus strukturell zu marginalisieren.

Szenario Newsom/ Whitmer/ Shapiro et al: 
Die Partei der Gouverneure

In demokratisch regierten Staaten wie Kalifornien, Michigan, Pennsylvania oder Illinois stellen sich Gouverneure vehement gegen den Kurs, den Trump aus Washington vorgibt. Niemand inszeniert sich dabei mit mehr Chuzpe als Gavin Newsom, der Trump in den Sozialen Medien lustvoll-ätzend imitiert.

Die „Governing Wing“‑Demokraten – die aktuell die internen Debatten dominieren – verkaufen sich als Anti‑Washington‑Demokraten. Sie regieren schwierige Staaten und versprechen „Return to Competence“, eine Rückkehr zu Berechenbarkeit und Undogmatismus.


  • Gavin Newsom steht für kalifornischen CEO‑Liberalismus: entschlossen im Klimaschutz, kulturell progressiv, aber mit „San‑Francisco‑Ballast“ für das Heartland – Westküsten-Intellektuelle werden im Binnenland Amerikas seit jeher mit Argwohn beäugt

  • Gretchen Whitmer bzw. Josh Shapiro als Heartland‑Version aus Michigan bzw. Pennsylvania: Sie vertreten die Interessen von Gewerkschaften und setzen sich für den Ausbau von Infrastruktur und Abtreibungsrechte ein – sie verbreiten weniger Glamour als Newsom, bauen dafür mehr Brücken. Gerade der klassische „Swing-State“ Pennsylvania gilt als entscheidend in Präsidentschaftswahlen. Das spricht für Shapiro.

  • Andy Beshar, Gouverneur aus Kentucky, hat zweimal in Folge einen traditionell „roten“ (republikanischen) Staat für sich entschieden. Pragmatisch und nah an den Menschen bedient er teilweise auch konservativere Positionen.

  • J.B. Pritzker, Gouverneur von Illinois. Unerschrocken gegenüber Trump und mit eher progressiven Standpunkten. Spannende Figur: Als Milliardär kann er sich seinen eigenen Wahlkampf finanzieren – genau deswegen könnte er aber auch ein Glaubwürdigkeitsproblem bei weniger wohlhabenden Wählergruppen haben.

  • Wes Moore, ein charismatischer Gouverneur aus Maryland, könnte schwarze Wählerinnen und Wähler mobilisieren. Es wird sich zeigen, ob seine Laufbahn als Investment-Banker ein potentieller innerparteilicher Angriffspunkt ist.


Ein „Governor-President“ wäre das Szenario, das in vielen europäischen Hauptstädten Hoffnungen nähren dürfte: auf eine belastbare NATO, nachhaltige Investitionen und eine nachvollziehbare Industriepolitik – aber innenpolitisch bedeutete eine solche Wahl einen permanenten Balanceakt zwischen den Küstenliberalen und Midwestern‑Realos.

Szenario AOC: 
Die Partei als Bewegung

Alexandra Ocasio-Cortez (genannt „AOC“) – in der Öffentlichkeitswirkung nur vergleichbar mit Gavin Newsom – testet derzeit, ob die Demokraten den Sprung von der Anti‑Trump‑Koalition zur expliziten Umverteilungs‑ und Klimabewegung wagen. Sie punktet damit stark bei jungen, urbanen, multiethnischen Wählern, löst allerdings Skepsis bei Älteren und Rust‑Belt‑Moderaten aus. Mit ihrer Kür riskierte die Partei, zur Partei der Großstädte und Unis zu werden. 

Ideologisch würde sie die Lücke schließen, die der für eine Kandidatur mittlerweile doch zu alte Bernie Sanders hinterlässt. Ob die populäre (bis populistische) AOC überhaupt antritt, ist indes noch offen, da ihr auch Ambitionen auf den New Yorker Senatssitz des Minderheitsführers Chuck Schumer nachgesagt werden.

Für uns Europäer bedeutete AOC als Präsidentin eine US-Regierung, die Grünen und linken Gruppierungen näher stünde als jemals zuvor eine US-Regierung – verbunden mit dem realen Risiko, dass die USA innenpolitisch so polarisiert werden, dass außenpolitische Zuverlässigkeit zum knappen Gut wird.

Zwei von vielen Kandidaten: Wird Gavin Newsom, der Gouverneur Kaliforniens, künftig die Linie bestimmen...
Foto: WikiCommons 

... oder macht Alexandra Ocasio-Cortez die Demokraten zur Partei als Bewegung? 
Foto: WikiCommons 

 
Szenario Buttigieg & Co.: 
Die technokratische Versuchung

Pete Buttigieg verkörperte den Versuch, die Demokraten als Partei der smarten, sprachmächtigen Technokraten zu definieren – jung, NATO‑freundlich, datengetrieben, „Macron‑Demokraten“, der Politik des französischen Staatspräsidenten also ähnelnd.

Einer wie Buttigieg wäre attraktiv für urbane Mittelschichten und internationale Eliten, böte innenpolitisch aber eine doppelte Flanke: links sozial kalt, rechts kulturell zu liberal.

Und wir Europäer? Würden einen Mann wie Buttigieg womöglich als idealtypischen G7‑Partner betrachten – aber nur, wenn er es schafft, die soziale Frage so zu besetzen, dass nicht der nächste Typus vom Schlage Trumps links Wähler einsammeln kann, die sich ignoriert fühlen.

Szenario Capitol Hill: Der Überraschungs-Kandidat aus dem Kongress

Dies wäre das Modell Barack Obama. Als zuvor unbekannter Junior Senator aus Illinois trat Obama 2008 parteiintern gegen Hillary Clinton an – und besiegte die hohe Favoritin. Vielleicht versucht es der populäre frühere Astronaut Mark Kelly? Mit weiteren Kandidaten aus dem Kongress ist immer zu rechnen.


Zum Schluss: Drei Fragen an Europa

  • Setzt Europa instinktiv auf „Verlässlichkeit“ (Szenarien Harris/Gouverneure) und unterschätzt damit die tektonische Verschiebung hin zu Bewegungs‑Politik (AOC, rechte Populisten weltweit)?

  • Welche US‑Demokraten wären wirklich bereit, industrie‑ und sicherheitspolitisch die europäische Selbstbehauptung zu unterstützen, statt nur auf „Transatlantik“ zu verweisen (Newsom/Whitmer vs. AOC‑Klimaallianz)?

  • Und: Bereitet sich Europa mental auf die Möglichkeit vor, dass 2028 nicht der „nette Demokrat“ gewinnt, sondern ein radikal polarisierender Kandidat – links wie rechts –, und die EU dann selbst handlungsfähig sein muss?


Von den Antworten, auf die wir uns in den kommenden Jahren zu verständigen haben, hängt ab, wie wir uns als Deutschland und Europa vorbereiten. Denn vorbereiten müssen wir uns. Auch die Demokraten sind traditionell protektionistisch, verfolgen mehrheitlich einen rigiden Kurs gegenüber China und fordern ähnliche militärische Beiträge für die Nato wie derzeit unter Trump. 

Wenn sonst nichts gewiss ist, dies ist es: Eine Rückkehr zur bequemen alten Zeit wird es für Europa auch mit einem demokratischen Präsidenten nicht geben.


O – T Ö N E

Jede Woche neu: 
Land in Sicht & Das GUTE Amerika

Impulse aus unseren Podcasts

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Dienstags: 
LAND IN SICHT

Die dauererregten Medien

„Da läuft eine Spirale auch in den klassischen Medien, eine Geschwindigkeit ist da im Rollen, in der keiner mehr in die Speichen greift. Liege ich da falsch, Klaus?"

KT Guttenberg, 

Team LAND IN SICHT

„Ich würde dir gern widersprechen, kann es aber nicht guten Gewissens. In der Medienwelt sehe ich etwas Ähnliches, wie du es gerade beschrieben hast, KT. Diese Tendenz, allem hinterherzulaufen, was Donald Trump für wichtig erklärt hat, ist ausgeprägt. In den USA haben viele Medienhäuser ihre Zeitpläne nach Trumps Twitter-Gewohnheiten – oder inzwischen muss man sagen: Truth-Social-Gewohnheiten – ausgerichtet. Morgens ab sechs Uhr sind Redaktionsräume besetzt oder jedenfalls die Reporter und Reporterinnen in Alarmbereitschaft, um auf den ersten Post des Tages zu reagieren. Und genauso ist es abends bei den letzten Posts des Tages. Die ausgeruhte, ruhige, distanzierte, auch einmal Trump ignorierende Berichterstattung ist extrem dünn geworden und zurückgefahren."

Klaus Brinkbäumer, 

Host LAND IN SICHT

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Freitags: 
MAKE AMERICA GOOD AGAIN

Wie der Football Trump provoziert 

„Unter dem Strich – ist der Superbowl politisch? Hell, YES, er ist es! Natürlich ist er politisch, und da können die Funktionäre noch so sehr versuchen, sich da rauszumogeln oder rauszureden. Alles, was sich auf diesem Niveau abspielt, mit dieser Wirtschaftskraft abspielt, ist zwangsläufig politisch." 

KT Guttenberg, 
Host MAKE AMERICA GOOD AGAIN 

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Mittwochs: 
GYSI GEGEN GUTTENBERG 

Chinas große Stärke

„Die Chinesen haben eine Fähigkeit, die wir nicht besitzen. Wir denken in Lebensdaten. Ich bin jetzt 78 und denke immer noch, was kann ich noch erleben, was kann ich noch erreichen? Du bist jünger, KT, und hast ein längeres Spektrum dafür. Die Chinesinnen und Chinesen aber können Politik machen für in 80 Jahren – obwohl sie wissen, dass sie dann nicht mehr leben. (lächelt) Das liegt uns nicht."

Gregor Gysi, Pooodcaster

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A U F  E I N  W O R T

Warum so zuversichtlich, David Miliband?

Der Präsident der weltgrößten Flüchtlingsorganisation IRC kommt gerade aus Afrika zurück – mit ermutigenden Erkenntnissen

David Miliband ist Präsident des International Rescue Committee (IRC). Früher war er u.a. Außenminister Großbritanniens.

Foto: KT Guttenberg

­NEULAND: David, was gibt dir dieser Tage Zuversicht?


David Miliband: Ich war vorige Woche in Nairobi, um unsere Teams des International Rescue Committee zu besuchen – dort habe ich ein Team getroffen, das sich mit Innovationen im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit befasst, einschließlich Familienplanung. 

Die arbeiten auch mit unserem Team für Verhaltensforschung zusammen. In Südsudan, einem der ärmsten Länder der Welt, nehmen jetzt monatlich hunderttausend Frauen an einem Projekt teil. Diese Frauen melden sich für eine selbst injizierbare Verhütungsmethode an, die drei bis sechs Monate wirkt. Das zeigt, dass man mit gut konzipierten Programmen wirklich etwas bewirken kann, und dass diese Programme auch eine gewisse Größenordnung erreichen können. Unsere Arbeit zeigt, dass man sich nicht zwischen Wirkung und Größenordnung entscheiden muss. Man kann beides haben!

NEULAND: Was macht dir in der aktuellen Lage für Europa Hoffnung?

David Miliband: Es fließt Geld nach Europa, in die Innovations-Infrastruktur. Das ist gut. Wir sind stark darin, Ideen zu entwickeln. Es kommt amerikanisches Geld, aber wir müssen auch unser eigenes Geld dafür generieren. Europa zieht mehr und mehr an einem Strang. Ich habe in Davos auf dem Weltwirtschaftsforum gespürt, dass Amerika, dass die amerikanische "Bedrohung", eine größere europäische Einheit bewirkt – und zwar nicht nur innerhalb der EU, sondern auch, was Norwegen und Großbritannien angeht. Um es so zu sagen: Es gibt mehr Bewegung im Untergrund, und es gibt mehr Engagement an der Oberfläche. Und das ist kein Nullsummen-Spiel auf globaler Ebene, sondern ein Positivsummen-Spiel, das das Bewusstsein dafür stärkt, dass Europa auf eigenen Beinen stehen muss. 

NEULAND: Ein Wort zu Großbritannien? 

David Miliband: (überlegt, schmunzelt) Ich bin immer stolz auf Großbritannien. Ich bin ein stolzer britischer Staatsbürger. Und ich denke, dass Großbritannien voller Potenzial steckt. 

Mit David Miliband sprach KT Guttenberg in München. Sie finden den Original-Beitrag hier auf YouTube.


N E U L A N D   C O M M U N I T Y

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Lesen Sie in der nächsten NEULAND Update-Ausgabe, was unsere Leserinnen und Leser bewegt


H E Y,  K T !­

"Sollten wir uns in Deutschland für Olympische Spiele bewerben?"

Fragt LAND IN SICHT-Hörer Mehrdad Yilmaz aus Hamburg

Ideen, die bleiben: das ikonische Dach des Münchener Olympiastadions, gebaut für die Olympischen Spiele 1972 
Foto: WikiCommons

KTs Antwort:
„Der erste Reflex in Deutschland auf eine solche Frage ist bei uns meist die: Olympia wäre viel zu teuer, das Geld fehlt ja jetzt schon anderswo, und die Bewerbung wird doch eh eine Pleite... Ich plädiere für einen anderen Ansatz: diese Idee als Chance zu betrachten. Ja, Olympia in Deutschland wäre eine ziemlich einmalige Möglichkeit, der Welt ein positives Bild unseres Landes zu zeichnen. Und das ist bitter nötig – wegen unserer permanenten Selbstgeißelung werden wir von vielen im Ausland nicht in den Farben wahrgenommen, die wir eigentlich zu bieten haben. 

Natürlich müssten wir bei einer Bewerbung von den Fehlern anderer und unseren eigenen Fehlern der Vergangenheit lernen. Natürlich müsste unsere Bewerbung nachhaltig konzipiert sein, und natürlich müssten wir uns für jene Stadt oder Region entscheiden, die international am meisten Strahlkraft entwickeln kann. Dann aber!

Unsere ewig skeptische und risikoscheue Nation könnte sich von Herzen mal wieder an ihr Land binden. Ja, man könnte sogar so etwas wie Stolz empfinden auf Deutschland. Die Fußball-WM 2006 ist zweifelsohne vom Korruptionsskandal rund um die WM-Vergabe überschattet, solche Skandale sind in Sportorganisationen leider kein einmaliger Ausrutscher. Aber was war das für ein Fest… Bis heute sprechen mich Menschen im Ausland darauf an, die in jenem Sommer erlebt haben, wie weltoffen und sympathisch sich Deutschland damals präsentiert hat.

Die Profitabilität einer gelungenen Olympia-Bewerbung wäre eher eine langfristige – und an den reinen Sachkosten nicht wirklich zu bemessen. Wie hat Paris im Sommer 2024 geleuchtet und leuchtet die Stadt in unserer Erinnerung immer noch! Mit welcher Wärme denken wir noch an Lillehammer 1994 oder Sydney 2000. Oder auch, ja: an die letzten Olympischen Spiele in Deutschland, die ursprünglich so heiteren Spiele von München 1972, ehe das schreckliche Attentat auf das israelische Team alles veränderte.

Wir Deutsche können Sportfeste mit unseren Gästen feiern wie vielleicht wenig andere. Wir tun uns bislang nur zu oft schwer, im Vorwege Begeisterung zu entwickeln. Lassen wir unsere Phantasie von der Leine. Betrachten wir die Zukunft als Raum für Gestaltung. Olympia in Deutschland: Das ist eine Idee, die uns viel Energie geben kann."

Wollen Sie auch etwas von KT Guttenberg wissen? Dann los.­

­Meine Frage an KT =>­


HörenLesenGucken

Wie schützen wir unsere Lieben?

Charlotte McConaghys Bücher sind schwer zu kategorisieren. Drama? Thriller? Cli-Fi? Ein bisschen von allem, vermutlich, und wirklich entscheidend ist die Genre-Frage eh nicht. Denn was „Wild Dark Shore“ (dt. Die Rettung) genauso ausmacht wie den Vorgänger „Once There Were Wolves“ (dt. Wo die Wölfe sind) ist der enorme Sog, den die Geschichte ab dem allerersten Satz erzeugt: „I have hated my mother for most of my life, but it is her face I see as I drown.“ Die Frau, deren Stimme wir hier hören, heißt Rowan, und sie wird nach einem Schiffsunglück auf der fiktiven Insel Shearwater in der Nähe der Antarktis angespült. Dort lebt Dominic Salt mit seinen drei Kindern, und wie ab diesem Moment fünf Leben und fünf Perspektiven miteinander verschlungen werden, und wie dabei ein Rätsel nach dem anderen erzeugt und gelüftet wird, und wie man bei alldem noch sehr viel erfährt über den Klimawandel und was er für einzigartige Ökosysteme bedeutet: Das ist wirklich meisterhaft. (pg)

Charlotte McConaghy: Die Rettung. S. Fischer, 24 Euro

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L I V E  E R L E B E N 

GYSI GEGEN GUTTENBERG ON TOUR

Sehen wir uns?­

  • Aachen, Eurogress, 27.5.26

  • Neunkirchen, Neue Gebläsehalle, 29.9.26

  • Bochum, RuhrCongress, 30.10.26

  • Kulmbach, Dr.-Stammberger-Halle, 1.12.26

­Tickets =>­


Liebe Leserin, lieber Leser, 

wir hoffen auch diese Ausgabe von NEULAND Update hat Ihnen gefallen. Bis nächste Woche, wir freuen uns auf Sie!

Herzlichst, Ihr KT Guttenberg­


T E A M  G U T T E N B E R G

KT Guttenberg war irgendwann mal Politiker und kennt die glatten Bühnen vor und hinter dem Vorhang aus dem Effeff. Was da passiert, erzählt er in NEULAND Update. Heute schreibt er Bücher, macht Filme und podcastet mit linken Legenden. Ach ja, und Unternehmer ist er auch.

Klaus Brinkbäumer ist Bestseller-Autor ("Zeit der Abschiede"), Moderator ("Riverboat", MDR) und Podcast-Co-Host ("Ok, America?"). Früher war er mal Chefredakteur des SPIEGEL. Jetzt beginnt die Woche für ihn mit unserem Podcast LAND IN SICHT.

Rüdiger Barth, Journalist, Historiker und Buchautor ("Deutschland 1946"), ist Geschäftsführer der Open Minds Media, die das NEULAND Update, Podcasts und Dokus produziert. Zum Optimismus neigt er allein schon, weil ihm zum Pessimismus das Talent fehlt.

Ricardia Bramley ist US-Amerikanerin, hat Wurzeln in vielen Ländern und lebte lange in New York – aufgewachsen aber ist sie in Deutschland. Seit Jahren produziert und hostet sie leidenschaftlich gern Podcasts. Eigentlich schon, solange es Podcasts gibt.

Peter Greve ist Consultant, Creative, Stratege. Für seinen Podcast "Die Lektion meines Lebens" trifft er ziemlich bekannte Menschen – und bringt sie auf seine leise, genau hinhörende Art dazu, ziemlich unbekannte Geschichten zu erzählen.

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Trotz Krisen und KI: das "neue Normal"

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Die Münchener Sicherheitskonferenz