Die Münchener Sicherheitskonferenz
• KT Guttenberg: Die Erfolgsgeheimnisse der Münchener Sicherheitskonferenz
• Warum Angela Merkels Besuch beim CDU-Parteitag die Hauptstadtpresse in Wallung bringt
• Hina Rabbani Khar: Wie Pakistans frühere Außenministerin auf ihr Land, Deutschland und Europa blickt
Meine Insights der Woche – 12. Februar 2026
Hina Rabbani Khar war Pakistans erste weibliche Außenministerin und später Staatssekretärin für Auswärtige Angelegenheiten. Wir trafen die Parlamentarierin fürs NEULAND Update in Berlin.
Foto: KT Guttenberg
Guten Morgen,
wie schön, dass Sie dabei sind! Gerade eine Woche ist es her, da haben wir unser erstes NEULAND Update herausgebracht, und vom Zuspruch sind wir ehrlicherweise überwältigt.
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Wir werden auch künftig alles daransetzen, Ihnen Informationen und Einsichten zu bieten, die Ihre Perspektive auf die Weltlage mit einer Note Zuversicht bereichern. Woche für Woche nehmen wir Sie mit hinter die Kulissen der Mächtigen, in einer entschieden versöhnlichen Tonalität. Denn wir wollen beitragen, unsere Gesellschaft zu verbinden – nicht weiter zu spalten. Springen wir rein in diese Ausgabe.
Bevor wir zum Interview mit der pakistanischen Top-Diplomatin Hina Rabbani Khar und unserem heutigen Schwerpunkt kommen, der anstehenden Münchener Sicherheitskonferenz (MSC), noch ein Programmhinweis: Hören Sie gern einmal rein bei unseren neuen Podcasts LAND IN SICHT – mit Klaus Brinkbäumer & Friends, jeden Dienstag neu – und MAKE AMERICA GOOD AGAIN (den ich mit Ricardia Bramley mache, jeden Freitag neu). Die Menschen, die unsere Podcasts verantworten, stecken auch hinter diesem NEULAND Update.
Schreiben Sie uns gern Ihre Meinung, liebe Leserinnen und Leser!
P R O T O K O L L
Wie München Weltpolitik macht
Was sind die Erfolgsgeheimnisse der Sicherheitskonferenz?
Folgen Sie uns auf die Flure des Bayerischen Hofs
Münchener Sicherheitskonferenz, 2025: US-Vizepräsident JD Vance adressiert die Teilnehmer im Festsaal des Bayerischen Hofs.
Foto: WikiCommons
Münchener Sicherheitskonferenz, 2007: Russlands Präsident Wladimir Putin hält an demselben Ort eine vielbeachtete Rede.
Foto: WikiCommons
Vielleicht ist es der „Palais-Keller“ unten in den Katakomben des Bayerischen Hofs. Vielleicht liegt das Geheimnis in der schieren Enge des Hotels am Promenaden-Platz. Die Münchener Sicherheitskonferenz (MSC) jedenfalls, die diesen Freitag beginnt und bis Sonntag dauern wird, ist in mindestens einer Hinsicht besonders: Sie hat das Potenzial, tatsächlich die Weltpolitik zu verändern.
Wenn es das Format nicht schon seit 1963 gäbe, man müsste es heute erfinden – angesichts der zunehmenden Dysfunktionalität traditioneller Institutionen wie der Vereinten Nationen und der Verschärfung internationaler Konflikte. Schauen wir uns deshalb einmal an, was die MSC zu einem so außergewöhnlichen Format macht:
Einzigartige Gästeliste
Die MSC ist wohl der einzige Ort, an dem Deutschland wiederkehrend globale Relevanz in der Außen- und Sicherheitspolitik für sich beanspruchen kann. In Zeiten des Kalten Krieges wurde das Treffen von Ewald von Kleist gegründet, einem früheren Widerstandsmitglied gegen den Nationalsozialismus. Zunächst waren im wesentlichen nur Spitzendiplomaten und Politiker der USA und der Bundesrepublik, später Europas, zu Gast. Die Welt heute ist eine andere. Und die neue Weltordnung wird in München wie selbstverständlich bereits abgebildet.
Bis zu sechzig Staats- und Regierungschefs werden dieses Jahr anreisen. Rund 150 Außen- und Verteidigungsminister erscheinen, insgesamt etwa 1000 hochrangige Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die weltweit dichteste Ansammlung von Spitzenpolitikern. Aus den USA kommt traditionell eine große Kongress-Delegation beider Parteien. Natürlich werden auch Vertreter aus China, Indien, dem Nahen Osten, Afrika oder Lateinamerika erwartet. Politiker aus dem Iran und Russland sind aus nachvollziehbaren Gründen nicht eingeladen. Unumstritten ist diese Entscheidung freilich nicht.
Thematisch wird es vom Ukrainekrieg über den Nahostkonflikt bis zur Rohstoffknappheit und zur Künstlichen Intelligenz um nahezu alle großen Themen unserer Zeit gehen. Und, wenig überraschend, sind in der Ära Trump alle gespannt, was dieses Jahr von den US-Amerikanern zu hören sein wird. Deren Vizepräsident hatte im vergangenen Jahr mit seiner Rede zahlreiche Anwesende in Schnappatmung versetzt.
Intimität
In München sind die Wege kurz. Die Räumlichkeiten eher eng. Es ist viel intimer als das Weltwirtschaftsforum in Davos. Diese Enge ist Programm – man wird zum Austausch schon allein durch die Architektur und den Geist des Ortes gezwungen.
Die MSC war von Anfang an explizit auch als Plattform für inoffizielle Begegnungen ausgelegt. Womit gemeint ist: Gespräche auf höchster Ebene, nicht selten ohne erschwerendes diplomatisches Protokoll. Ohne ständige Kontrolle durch den Assistenten-Apparat, ohne lähmende formale Absprachen. Mit Chancen auf neue Allianzen und Rapport, wie das die Amerikaner gerne nennen – also den Aufbau von Vertrauen.
Das Auswärtige Amt hat das Geschehen einmal zutreffend als Speed Dating der Diplomatie beschrieben. Die Dichte an Spitzenpolitikern macht es extrem einfach, sich mal eben zu zweit oder zu dritt auf einen Kaffee zu treffen. Man läuft sich sprichwörtlich auf den Hotelfluren über den Weg. Die MSC bietet auch digitale Plattformen, die sich zum Vernetzen nutzen lassen. In meiner Zeit als Minister hatte ich an einem einzigen Tag nicht selten fünfzehn Gespräche – die Small Talks nicht eingerechnet.
Spielräume
Was bedeutet das ganz konkret für die Staatsvertreter, die dort zusammenkommen? Eine seltene, umso wertvollere Möglichkeit, politische Positionen zu heiklen Fragen auszuloten. Rote Linien zu testen, Konsenslinien zu erahnen und Kompromisse zu entwerfen. Verhandlungsspielräume eröffnen sich mitunter ganz plötzlich, ebenso ungeahnte Denkräume, die sich in offiziellen Formaten selten ergeben würden. In diesen drei Tagen lassen sich durch raschen koordinierten Austausch ganze Verhandlungsstränge bündeln.
Wirksamkeit
Nach außen überstrahlt die Bühne für machtpolitische Grundsatzreden die informelle Komponente. In diesem Saal vollzieht sich Diplomatie im großen wie im zuweilen armseligen Stil – und manchmal auch mit der Dampframme. Ich erinnere an die konfrontative Rede, die Wladimir Putin 2007 in München hielt. Oder an die offene Auseinandersetzung um den Irak-Krieg 2003, als Joschka Fischer dem US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sein „I‘m not convinced“ entgegenschmetterte – es entspann sich eine packende offene Konfrontation um die Gründe und Strategie dieses Krieges.
Die großen Reden auf der MSC signalisieren nicht selten machtpolitische Kurswechsel. Sie können Drohungen beinhalten – oder Öffnungen der Außenpolitik – und gelten oft für die weitere Zeit als Referenzpunkte. Der Auftritt von JD Vance vor einem Jahr fiel genau in diese Kategorie. Seine Rede war der gezielte, provokante Auftakt zur systematischen Kommunikation des strategischen Kurswechsels der USA.
Konkrete Handlungen
Die MSC ist auch immer wieder Ort für handfeste Zusagen gewesen - zuletzt etwa für neue Militärhilfen oder Sicherheitszusagen für die Ukraine. Entgegen mancher Kritik waren solche Ankündigungen mitunter nicht nur Symbolpolitik, sondern vermochten wirklich Kräfteverhältnisse zu verändern. In der Vergangenheit gelang es zum Beispiel im Falle Syriens, Waffenruhen zu verhandeln oder diplomatische Linien festzulegen
Geschwindigkeit
Wir leben bekanntlich in einer Zeit, in der mehrere Krisen parallel ablaufen und sich eskalatorische Prozesse mit enormem Tempo vollziehen können. Bei der MSC ermöglicht die räumliche Nähe den Verhandlern, auf diese Dynamik adäquat reagieren zu können. Oder zumindest Gesprächskanäle zu etablieren, die bei Bedarf eine gewisse Reaktionsgeschwindigkeit ermöglichen. In München lassen sich schnell und flexibel Koalitionen schmieden. Politiker können sich hier in die Augen schauen. Das verhindert manches. Und beschleunigt idealerweise ansonsten lähmende Prozesse.
Offenheit
Es geht auf der MSC nicht nur um kalte Sicherheitspolitik oder Rüstungsexporte, wie es Kritiker gerne monieren. Auch Klimasicherheit steht auf der Agenda, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte ohnehin. Eine wesentliche Funktion ist die Brücke der MSC in die Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Die Konferenz wird zwar immer mal wieder als inzestiöse Bubble abqualifiziert, aber das trifft nicht die Wahrheit. Think Tanks sind ebenso vor Ort wie NGOs und Industrievertreter. Und ja, auch Microsoft ist da, Meta ist da, Google ist da.
München ist damit auch eine Gelegenheit für Staatslenker, mit den Tech-Plattformen als neuem geopolitischen Machtfaktor ins Gespräch zu kommen. Und ihnen durch Überzeugungsarbeit möglichst einen Teil ihrer Kontrolllosigkeit zu entwinden. Die Tech-Giganten – aber auch vielversprechende Start-Ups – wiederum bringen, wenig überraschend, ihre eigenen Interessen ein, von Cyber-Abwehr bis zu kritischer Infrastruktur. Sollen sie nur. Mir ist lieber, man kennt ihre Interessen, als dass sie uns weitgehend verborgen bleiben.
Menschlichkeit
In München ist ständig die Chance auf eine Begegnung gegeben, die etwas verändern kann. Neben unvermeidlicher Choreographie gibt es Improvisation, Gedankenspiele und Palaver, auch mal Gelächter. Die Tage sind randvoll. Abends geht es bis spät, auch mal bis spätnachts, bis drei Uhr, vier Uhr. Sei es im Palais-Keller des Bayerischen Hofes oder einer anderen Location. Auch gemeinsames Versacken kann die Weltpolitik beeinflussen. Ich glaube daran, dass mehr Gutes als Schlechtes entsteht, wenn Menschen einander zuhören und Verständnis für den jeweils anderen zu entwickeln versuchen. Und an Serendipity glaube ich auch: an die Kraft von Zufallsbegegnungen – etwa an der Bar oder im Gym (an beiden Orten glänzen insbesondere die US-Vertreter mit Durchhaltevermögen).
Potenzial
Vor allem bin ich dieses Jahr gespannt, wie sich Deutschland präsentiert. Das Interesse an unserem Land ist gewachsen. Es bietet sich daher die Chance, den Entscheidern der Welt weitreichende Ziele, Projekte und Potenziale aufzuzeigen. Europas Mittelmacht kann viel leisten. Mindestens mehr als wir uns zuweilen zutrauen. Deutschland darf sich in der Weltpolitik einmischen und muss dies auch tun.
Ob ich mich auf diese drei Tage als Gast der MSC freue? Das wäre zuviel gesagt. Hinterher fühlt man sich wie einmal durch den Vollwaschgang der internationalen Großthemen gezogen. Aber es wird die Hoffnung bleiben, dass manche Krisen ein klein wenig näher an ihre Lösung herangeführt werden. Und das eröffnet Räume für neue Zuversicht – und auch weitere interessante Themen für Sie, liebe Leserinnen und Leser dieses Newsletters.
O – T Ö N E
Neu: Land in Sicht &
Make America GOOD agaiN
Impulse aus unseren Podcasts
Dienstags:
LAND IN SICHT
Macht die KI die Musik kaputt?
„Ich fand heraus: Diese Stimme – von der ich das Gefühl hatte, sie berührt etwas in mir –, die gibt es einfach nicht. Sie ist erfunden! Das hat mich schockiert und gekränkt, ich war beleidigt. Und erst mal war ich natürlich kulturpessimistisch, alles geht vor die Hunde. Aber dann dachte ich: Genau an diesen Stellen muss man sich hüten vor der Romantisierung, früher war alles besser, bis vor kurzem war Musik noch ehrliches Handwerk von künstlerisch durchdrungenen Menschen, und dann kam die böse KI und machte alles kaputt... Das war natürlich noch nie so, und das ist nicht das, was gerade geschieht. Das ist eine Weiterentwicklung von Produktions-Techniken, die es schon immer gab."
Peter Greve,
Team LAND IN SICHT
Freitags:
MAKE AMERICA GOOD AGAIN
Melania Trump – lohnt der Film?
„Ich habe mir die Mühe gemacht und den Trailer gesehen. War nicht wahnsinnig viel Überraschendes – Melania in tollen Outfits –, aber am Ende hörtest du ein Telefongespräch zwischen ihr und Trump. Da sagt er zu ihr: "Hast du's gesehen?" Wahrscheinlich wieder ein glanzvoller Auftritt von ihm. Und sie so: "No, no, I didn't see it. It will see it on the news." Da dachte ich, okay, sie ist auch nur so moderat interessiert an dem, was ihr Mann da verbrät." (lacht)
Ricardia Bramley, Co-Host
Mittwochs:
GYSI GEGEN GUTTENBERG
Wann fällt Irans Regime?
„Ich möchte gerne die Befreiung des iranischen Volkes sehen. Ich möchte, dass sie sich dann streiten, ganz normal, wie es sich in der Demokratie gehört: Wer hat recht? Ich rate der Opposition, jetzt alle Widersprüche beiseite zu legen und sich erst mal darüber zu verständigen, wie man dieses Ziel erreichen kann. Erst mal muss man versuchen ein Regime, das so gnadenlos tötet, zu überwinden."
Gregor Gysi, Co-Host
A U F E I N W O R T
Warum so zuversichtlich, Hina Rabbani Khar?
Die frühere Außenministerin Pakistans glaubt an die Stärke durch Vielfalt – und an eine bessere Zukunft für ihr Land
Hina Rabbani Khar im NEULAND Update-Interview
Foto: KT Guttenberg
NEULAND: Hina, Du hast die Welt gesehen, kennst Islamabad, Delhi, Washington, Peking. Wenn du dir die Welt gerade anschaust – was gibt dir Zuversicht?
Hina Rabbani Khar: Dass wir die Realität zu sehen beginnen statt der Mythen und Legenden, die wir geschaffen haben. Mehr und mehr akzeptiert die Welt, dass es viele verschiedene Wege geben kann, der Beste zu sein. Es gibt nicht den einen zivilisatorischen „End-of-History"-Moment, sondern es wird viele solcher Momente geben. Und wir alle müssen unseren eigenen Beitrag leisten, unsere eigenen Wege finden – es gibt nicht die eine Lösung für alles. Das stimmt mich wirklich positiv, denn ich glaube, viele Konflikte entstehen aus der Haltung: „Entweder unser Weg oder gar keiner." Wir haben versucht, Diversität zu feiern, indem wir Menschen gebeten haben, dicke Menschen nicht mehr dick zu nennen, braune Menschen nicht mehr braun. Ich bin sehr stolz darauf, braun zu sein. Ich bin glücklich, braun genannt zu werden. In der Vielfalt finden wir unsere Stärke. Wir können alle tribal sein und dennoch gleichzeitig global. Das gibt mir Zuversicht.
NEULAND: Was gibt dir Hoffnung für dein Heimatland Pakistan?
Hina Rabbani Khar: Die letzten anderthalb Jahre haben unser Land zusammengebracht. Wir müssen Indiens Premierminister Modi tatsächlich dafür danken, dass er sich entschieden hat, Pakistan mit Kampfjets anzugreifen. Das hat unser Volk geeint, nicht nur Militärs oder Politiker, auch die Kinder, uns alle.... Das ist in meinem Land zuvor nicht oft passiert. Unsere Jugend gibt mir sowieso Hoffnung. Sie haben so viele verschiedene Talente. Und als Mutter von drei Kindern denke ich, dass jeder in meiner Altersgruppe, also 40 Jahre und darüber, der glaubt, Kindern mehr beibringen zu können als von ihnen zu lernen, nicht versteht, wohin sich die Welt entwickelt. Was mir auch Zuversicht gibt: dass wir ohne Entschuldigung unsere Kultur zurückfordern, unser Erbe, unsere zivilisatorischen Wurzeln. Und diese nicht zu verwechseln oder zu vermischen mit dem Muslimisch-Sein – wir sind auch zutiefst muslimisch, aber zutiefst kulturell, zutiefst zivilisatorisch. Wenn ich nach vorne schaue, sehe ich meine Kinder in einem Pakistan leben, das viel, viel weniger dogmatisch sein wird als das Land, in dem ich aufgewachsen bin.
NEULAND: Das wäre großartig. Viele Beobachter sagen derzeit, Deutschland und Europa befinden sich im Niedergang. Was ist deine Einschätzung?
Hina Rabbani Khar: Hm, du bist ein Freund, und du bist Deutscher (lacht). Also, es gibt Zivilisationen, die gedeihen. Die durch ihre Leistungen zu Vorbildern werden, denen Menschen anderswo nacheifern wollen. Aktuell kommt dieses Vorbild nicht aus dem Kernland Europas. Das heißt nicht, dass ich weniger von den Deutschen oder den Europäern halte. Ich denke, die Europäer sind immer noch großartig in der Schaffung von Normen, bei Regulierungen, und da gibt es viel, was wir in unserem Teil der Welt lernen können. Das ist ein Beitrag zur Welt. Aber es gibt gerade eine Regression der Zivilisation, die auf der Weltbühne passiert, auf die wir nur reagieren, anstatt sie zu akzeptieren. Wenn wir aufhören würden, davon beleidigt zu sein oder uns von dieser Realität abzulenken, dann könnten wir in einer Welt leben, in der wir das Beste von dem nehmen, was jeder zu bieten hat. Dann bekommt jeder den Raum zum Atmen. Was ich am negativsten wahrnehme, wenn ich mir die westliche Hemisphäre betrachte: Ihr solltet verstehen, dass Europäer und Amerikaner das Bedrohungsgefühl nicht exklusiv haben. Überall fühlen sich Menschen bedroht. Ja, auch Chinesen und Pakistanis und der Rest der Welt fühlen sich manchmal bedroht.
Das Gespräch mit Hina Rabbani Khar führte KT Guttenberg. Sie finden den ganzen Beitrag hier auf YouTube.
N E U L A N D C O M M U N I T Y
Was macht Ihnen Mut?
Lesen Sie in der nächsten NEULAND Update-Ausgabe, was unsere Leserinnen und Leser bewegt
H E Y, K T !
"Angela Merkel kommt seit Jahren erstmals wieder zum CDU-Parteitag. Warum eigentlich?"
Fragt LAND IN SICHT-Hörer Rainer Fritz aus Karlsruhe
Auszug aus einem Werbeplakat der CDU, 2000. Angela Merkel und Friedrich Merz versprechen einen "Neuanfang" der Partei nach Helmut Kohl. Sie wissen es da noch nicht, aber sie werden die Kanzlerin und der Kanzler der Zukunft sein.
Foto: WikiCommons
KTs Antwort:
„Das fragen sich viele. Und es mangelt nicht an galligem Raunen in der Hauptstadtpresse. Wobei dies bei zahlreichen Protagonisten zum identitätsstiftenden Selbstzweck geworden ist. Keiner kann in Angela Merkels Kopf schauen, aber einige einflussreiche politische Vertreter und Kommentatoren tun so, als säßen sie dort bereits seit der Wende.
Die Lust an der Spekulation mag dem Menschen wesenseigen sein, aber sie trägt auch ein hohes Schadenspotential in sich. Für die Person, der die Beschreibung gilt, aber auch für das Ansehen der Medienschaffenden selbst. Stattdessen werden munter Gerüchte in die Welt gesetzt. Die Methodik folgt nicht selten einem wiederkehrenden Muster: man arbeitet mit einigen unbestreitbaren Fakten; gerne selektiv, damit die folgende Stoßrichtung des Raunens keine Störgeräusche enthält. So wird etwa die Erkenntnis, dass sich Friedrich Merz und die Altkanzlerin nicht gerade in inniger Liebe verbunden sind und Merkel ihren Nachfolger einige Male öffentlich kritisiert hat, mit der Ahnung vermengt, sie würde nur erscheinen, um Einfluss auf ein möglichst niedriges Wahlergebnis bei der Wiederwahl von Friedrich Merz zum Parteichef zu nehmen.
Eine andere Variante: Angela Merkel spüre (ach so!), wie sehr innerhalb der CDU die Kritik gegenüber ihrer Amtszeit gewachsen ist und weiterwächst – da bietet ein Parteitag die Möglichkeit, bei den Delegierten um neue Zuneigung zu werben. Auch hinter den Kulissen. Ihre Legacy sei ihr so wichtig, dass sie nun mit ihrer bisherigen Strategie eines bestenfalls pragmatischen Verhältnisses zu ihrer Partei brechen müsse. Man beschreibt ihr Streben nach Deutungshoheit, um im gleichen Atemzuge die Deutungshoheit für sich selbst zu beanspruchen.
Insgesamt sind der Vielfalt an Mutmaßungen kaum Grenzen gesetzt. Nicht zuletzt, da sich für jede nur erdenkliche Lesart Stimmen finden lassen, die eine These untermauern, gerne ohne Namensnennung („Ein Mitglied des Parteivorstands sagte…“).
Richtig ist: Ein Parteitag kann ein Wespennest sein. Es werden alle Gesten, jede Mimik und die Dauer des jeweiligen Applauses interpretiert. Tückische Gradmesser für den inneren Zusammenhalt einer Partei, zumal wenn sich Vorgängerin und Nachfolger begegnen.
Vielleicht begreift Angela Merkel ihr Erscheinen aber ausschließlich als Versöhnungssignal. Ob dem so ist, werden wir erst am Parteitag selbst erfahren. Bis dahin könnte man auch die Füße ruhig halten und andere Geschichten erzählen. Das gilt freilich auch für mich…
Kritisieren (und loben) lässt sich glaubwürdiger auf der Grundlage der tatsächlichen Ereignisse. Aber es bleibt wohl ein hehrer Wunsch."
Wollen Sie auch etwas von KT Guttenberg wissen? Dann los.
HörenLesenGucken
Ein Wunder aus dem Wald
Dieser Roman berührt die Leser im Mark. Und ist zugleich eine Feier der Menschlichkeit. Fredrik Backman schreibt, als stammte John Irving aus Skandinavien: mehr Holzbohle, weniger Exzentrik, aber mit derselben Liebe zu seinen Helden. Eine abgehalfterte Stadt im Wald, irgendwo in Schweden. Ein Junioren-Eishockey-Team, das alle träumen lässt: die Mütter, die Schwestern, die Trainer und Sponsoren, die Jungs selbst. Zwei Dutzend Figuren in diesem Roman, die ans Herz rühren. Eine Katastrophe, die sprachlos macht. Ganz nebenbei das wohl beste Buch über das psychologische Faszinosum "Kabine" im Mannschaftssport, das jemals geschrieben wurde. Wer durch Olympia wieder Lust auf Eishockey bekommt: sofort Backman lesen. Und Schwedens Stars mit ganz anderen Augen sehen. "Björnstadt" ist übrigens nur der erste Band einer Reihe. Schön. (rb)
Fredrik Backman: Björnstadt. Goldmann Verlag, 12 Euro
L I V E E R L E B E N
GYSI GEGEN GUTTENBERG ON TOUR
Sehen wir uns?
Rostock, moya Kulturbühne, 12.2.26 (ausverkauft)
Aachen, Eurogress, 27.5.26
Neunkirchen, Neue Gebläsehalle, 29.9.26
Bochum, RuhrCongress, 30.10.26
Kulmbach, Dr.-Stammberger-Halle, 1.12.26
Liebe Leserin, lieber Leser,
wir hoffen auch diese Ausgabe von NEULAND Update hat Ihnen gefallen. Bis nächste Woche, wir freuen uns auf Sie!
Herzlichst, Ihr KT Guttenberg
T E A M G U T T E N B E R G
KT Guttenberg war irgendwann mal Politiker und kennt die glatten Bühnen vor und hinter dem Vorhang aus dem Effeff. Was da passiert, erzählt er in NEULAND Update. Heute schreibt er Bücher, macht Filme und podcastet mit linken Legenden. Ach ja, und Unternehmer ist er auch.
Klaus Brinkbäumer ist Bestseller-Autor ("Zeit der Abschiede"), Moderator ("Riverboat", MDR) und Podcast-Co-Host ("Ok, America?"). Früher war er mal Chefredakteur des SPIEGEL. Jetzt beginnt die Woche für ihn mit unserem Podcast LAND IN SICHT.
Rüdiger Barth, Journalist, Historiker und Buchautor ("Deutschland 1946"), ist Geschäftsführer der Open Minds Media, die das NEULAND Update, Podcasts und Dokus produziert. Zum Optimismus neigt er allein schon, weil ihm zum Pessimismus das Talent fehlt.
Ricardia Bramley ist US-Amerikanerin, hat Wurzeln in vielen Ländern und lebte lange in New York – aufgewachsen aber ist sie in Deutschland. Seit Jahren produziert und hostet sie leidenschaftlich gern Podcasts. Eigentlich schon, solange es Podcasts gibt.
Peter Greve ist Consultant, Creative, Stratege. Für seinen Podcast "Die Lektion meines Lebens" trifft er ziemlich bekannte Menschen – und bringt sie auf seine leise, genau hinhörende Art dazu, ziemlich unbekannte Geschichten zu erzählen.