Deutschland, Jammerland – trau dich was!

  • KT Guttenberg: Deutschland, einig Jammerland – trau dich was! Plädoyer für einen verantwortungsvollen Patriotismus.

  • Gespräch mit Richard Engel (Teil 1): Die US-Kriegsreporter-Legende über die Faszination von Krisen – und die Gründe seiner Resilienz 

Meine Insights der Woche – 24. September 2026­


Guten Morgen,

wem gehört die schwarzrotgoldene Flagge, welches Deutschland wollen wir sein, welche Zukunftsperspektive inspiriert uns? Es sind große Fragen, die Jürgen Klopp da in seiner Rede vor den Medien aufgebracht hat. Ja, Fußball ist nur ein Spiel, und der neue Bundestrainer braucht nicht wie der Bundeskanzler einen Koalitionspartner, um seine Vorstellungen durchzusetzen. Aber Klopps Plädoyer für ein weltoffenes, selbstbewusstes, freundliches Deutschland hat viele Menschen bewegt.

In dieser Ausgabe des NEULAND Update nehme ich seinen Pass in den freien Raum direkt auf – denn wir Deutschen können in der Tat viel mehr als das, was wir uns gerade zutrauen. Warum ich davon überzeugt bin? Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre!


PS: Mit den politischen Folgen der Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern beschäftigen wir uns natürlich in unseren Podcasts GYSI GEGEN GUTTENBERG und LAND IN SICHT. Sie finden die Folgen (auf YouTube und Joyn sowie auf Spotify und Apple) am schnellsten bei uns: www.guttenberg.media/podcasts.


I N S I G H T S

Deutschland, einig Jammerland – 
trau dich was!

Unser Land hat Probleme, keine Frage. Aber zugleich eigentlich 
alle Fähigkeiten, diese Probleme zu lösen – man muss nur bereit sein, diese Fähigkeiten auch zu sehen. Ein Kommentar.

Fußball-WM 2006, die Deutschen feierten sich friedlich selbst – gemeinsam mit Gästen aus aller Welt. Wo ist das hin?

Bild: Wikimedia Commons

Die wahre deutsche Befindlichkeit

Jürgen Klopp ging viral. Wieder einmal, aber diesmal anders. Auf der Pressekonferenz des DFB vergangene Woche waren es nicht die sportlichen Einschätzungen des neuen Bundestrainers, die für Aufsehen sorgten. Vielmehr war es ein Passus über die Stimmung in unserem Land. Vielleicht der ehrlichste Beitrag zur deutschen Befindlichkeit in diesem Herbst. Die Stellungnahme mag sorgfältig vorbereitet gewesen sein. Und doch klang sie sympathisch stockend und suchend. Es waren Sätze, die gerade deshalb haften blieben, weil sie nicht geschniegelt klangen und keine rhetorische Nebelmaschine in Gang setzten. Eher der Ton eines Mannes, der weiß: Wenn das Spiel kippt, hilft es nicht, auf die schlechte Schiedsrichterleistung zu verweisen. Dann muss jemand den Ball fordern.

Der Fußballtrainer hat, sinngemäß, dazu aufgerufen, auch auf das Gute in diesem Land zu schauen. Er hielt keine Rede über verspätete Züge, dysfunktionale Verwaltung oder versäumte Digitalisierung. Klopp sprach über etwas Tieferes: über unseren deutschen Reflex, zunächst auf den Mangel zu zeigen – und darüber zu vergessen, was gelingt. Ein bemerkenswerter Gedanke, gerade weil er inzwischen fast provozierend wirkt.

Denn die deutsche Gegenwart hat sich an eine eigentümliche Haltung gewöhnt: Wer Zuversicht äußert, muss sie sofort mit drei Einschränkungen versehen. Wer auf Erfolge hinweist, gilt schnell als naiv. Wer die Flagge zeigt, gerät unter Rechtfertigungsdruck. Und wer sagt, dass dieses Land bei allen Fehlern eine der freiesten, sichersten und wohlhabendsten Gesellschaften der Welt ist, wird gelegentlich behandelt, als habe er eine statistische Manipulation begangen.

Aus dem kritischen Blick haben wir eine kulturelle Grundhaltung gemacht. Das hat gute Gründe. Skepsis ist in Deutschland keine per se schlechte Tugend. Sie schützt vor Größenwahn, vor politischen Heilsversprechen, vor jenem gefährlichen Ton, der einfache Antworten auf komplizierte Fragen verspricht. Ein Land, das gelernt hat, sich selbst zu misstrauen, sollte nicht leicht zu verführen sein. Aber jede Tugend hat ihren Schatten. Aus Selbstkritik kann Selbstverachtung werden. Aus der Suche nach dem Fehler ein Blick, der nichts anderes mehr sieht. Aus dem berechtigten Hinweis auf Probleme eine Sprache, in der Probleme keine Aufgaben oder Herausforderungen mehr sind, sondern Beweise eines unabwendbaren Niedergangs.

Deutschland 2026 – die Rechtsextremisten um Alice Weidel tun gern so, als gehörte ihnen die Bundesflagge. Bild: ARD

„Jürgen erinnerte uns daran, wer wir immer waren.“ Ein Mural in Liverpool, wo Klopp als Trainer wirkte.

Bild: Wikimedia Commons

Unsere Einstellungskrise

Viel reden wir über Krisen. Über die Staatskrise, die Wirtschaftskrise, die Migrationskrise, die Bildungskrise, die Vertrauenskrise. Vielleicht ist das Entscheidende jedoch eine Einstellungskrise. Neudeutsch wird dies gerne mit dem Anglizismus „mindset“ umschrieben.

Deutschland fehlt es nicht nur an Tempo, Investitionen und funktionierenden Verwaltungsverfahren. Es fehlt an einer überzeugenden Vorstellung davon, warum es sich lohnt, dieses Gemeinwesen zu erhalten, zu verbessern und ihm etwas zuzutrauen. Selbstverständlich bietet dieses Land Gründe zur Unzufriedenheit. Seine Infrastruktur ist an vielen Stellen ein Versprechen aus einer vergangenen Epoche. Die Digitalisierung des Staates bleibt zu oft ein romantischer Traum mit Wartemarke. Unternehmen kämpfen gegen Energiepreise, Bürokratie und den Mangel an Fachkräften. Schulen und Kommunen tragen Lasten, die die große Politik gern in Sonntagsreden anerkennt und im Haushalt dann vertagt.

Gewiss, nichts davon verschwindet, wenn man optimistischer spricht.

Aber ebenso wenig wird es besser, wenn man das Land nur noch in seinen Schwächen beschreibt. Wer Deutschland permanent als gescheitertes Projekt erzählt, darf sich nicht wundern, wenn Menschen ihm irgendwann keine Zukunft mehr zutrauen. Und wer sich selbst nichts zutraut, beginnt, nach denen zu suchen, die ihm versprechen, ihm das Denken abzunehmen.

Dann kommen jene auf den Plan, die Komplexität nicht erklären, sondern in einfache Feindbilder übersetzen. Die für jede gesellschaftliche Spannung einen Schuldigen bereithalten: mal den Fremden, mal den Vermögenden, mal „die da oben“, mal eine angeblich korrupte oder volksferne Elite. Die Freiheit nur so lange verteidigen, wie sie der eigenen Weltsicht dient; Eigentum, Recht und Institutionen nur so lange respektieren, wie sie den eigenen Zielen nicht im Weg stehen. Die den Staat entweder zum Werkzeug der Ausgrenzung machen oder ihn mit immer neuen Verfügungsrechten über das Leben seiner Bürger ausstatten wollen. Die sich zu Anwälten der Bedrohten erklären, aber Hass relativieren, wenn er die vermeintlich Richtigen trifft.

Auch das ist eine Form der Verachtung: wenn jüdisches Leben zur Fußnote einer ideologischen Welterklärung wird; wenn Gewalt gegen Menschen durch die vermeintlich richtige Sache entschuldbar erscheint; wenn aus dem Ruf nach sozialer Gerechtigkeit die Fantasie wird, man müsse nur wegnehmen, um etwas aufzubauen. Eine offene Gesellschaft geht nicht allein an denen verloren, die sie offen bekämpfen. Sie verliert sich auch dort, wo Freiheit als bürgerliches Vorurteil gilt und der Rechtsstaat als Hindernis auf dem Weg zur vermeintlich höheren Moral.

Vielleicht erklärt das etwas am Wahlverhalten unserer Zeit. Nicht jede Protestwahl ist Ausdruck von Verachtung. Manche ist Ausdruck von Erschöpfung. Von dem Gefühl, dass die politische Mitte zwar Probleme zuverlässig benennt, aber kaum noch Bilder einer besseren Zukunft produziert. Dass sie verwaltet, wo sie führen müsste. Dass sie warnt, wo sie gelegentlich auch werben müsste. Für Reformen, für Freiheit, für Leistung, für demokratische Geduld.

Wo bleiben Bilder einer besseren Zukunft? Bundeskanzler Friedrich Merz, kurz nach Schließung der Wahllokale in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. 

Bild: ARD

  • Der verantwortungsvolle Patriotismus

    Die politischen Ränder sind deshalb nicht nur dort stark, wo der Staat versagt. Sie profitieren auch dort, wo die demokratische Gesellschaft aufgehört hat, von sich selbst zu erzählen. Sie besetzen Symbole, weil andere sie ihnen überlassen. Sie beanspruchen Begriffe wie Heimat, Ordnung, Stolz und Sicherheit – und andere vereinnahmen Begriffe wie Gerechtigkeit, Solidarität und Frieden –, weil die Mitte sie zu lange als verdächtig behandelt oder gedankenlos preisgegeben hat.

    Dabei gehören diese Begriffe niemandem exklusiv, schon gar nicht jenen, die sie gegen die Freiheit wenden. Heimat ohne Offenheit wird Ausgrenzung. Ordnung ohne Recht wird Willkür. Solidarität ohne Verantwortung wird Bevormundung. Und Frieden, der den Angegriffenen allein zur Anpassung rät, ist keine Friedenspolitik, sondern die Kapitulation vor Gewalt.

    Klopp hat recht: Die Flagge und der Nationalstolz dürfen nicht denjenigen überlassen werden, die aus Zugehörigkeit Ausgrenzung machen. Und sie gehört auch nicht denen, die die Nation nur als Projektionsfläche für Schuldzuweisung, Enteignungsfantasien oder kulturelle Selbstauflösung betrachten. Sie gehört denjenigen, die wissen, dass Patriotismus nicht heißt, ein Land für perfekt zu erklären. Patriotismus heißt, sich für ein unvollkommenes Land verantwortlich zu fühlen.

    Deutschland hat dafür mehr Material, als seine tägliche Selbstbeschreibung vermuten lässt. Es ist ein Land, das nach historischer Katastrophe eine stabile Demokratie aufgebaut hat. Ein Land, das wirtschaftliche Stärke mit sozialem Ausgleich verbunden hat. Nicht immer vollkommen, aber im internationalen Vergleich außergewöhnlich. Ein Land, das Forschung, Industrie, Mittelstand und Handwerk zusammenbringt. Das Weltklassemaschinen baut, Medikamente entwickelt, Musik, Literatur und Kultur hervorbringt. Das Millionen Menschen Schutz gewährt hat. Das über seine Fehler streitet, weil es die Freiheit besitzt, über sie zu streiten.

    Es geht nicht darum, eine Wellness-Broschüre für den Standort Deutschland zu formulieren. Mir geht es um eine Erinnerung an die Realität.

    Die entscheidende Frage lautet daher nicht: Darf man stolz sein? Sondern: Wofür übernehmen wir Verantwortung? Für kaputte Brücken ebenso wie für eine offene Gesellschaft. Für jüdisches Leben, das in Deutschland sichtbar und sicher sein muss. Für eine Schule, in der Herkunft nicht über Zukunft entscheidet. Für einen Staat, der Bürger nicht als Bittsteller behandelt. Für eine Wirtschaft, die wieder den Mut hat, groß zu denken. Für ein Europa, das seine Sicherheit, Technologie und Energieversorgung nicht länger an andere delegiert.

    Eine Gesellschaft, die nur Mängellisten schreibt, wird irgendwann von denen regiert, die mit dem Vorschlaghammer auftreten, gleichgültig, unter welchem Banner sie marschieren. Eine Gesellschaft dagegen, die ihre Stärken kennt, kann ihre Schwächen entschlossener korrigieren. Selbstvertrauen ist nicht die Alternative zur Kritik. Es ist ihre Voraussetzung. Oder, um es in der Sprache des Fußballs zu sagen: Man gewinnt kein Spiel, indem man neunzig Minuten lang nur darüber spricht, wie schlecht der Rasen ist.

    Deutschland ist nicht fertig. Es war es nie. Aber es ist auch nicht verloren. Es ist ein Land mit Problemen – und mit der Fähigkeit, sie zu lösen. Man muss diese Fähigkeit nur wieder sehen wollen.



A U F  E I N  W O R T

Warum so zuversichtlich, 
Richard Engel?

Die US-amerikanische Kriegsreporter-Legende reist für NBC News in die Krisenherde dieser Welt und hat selbst Schicksalsschläge erlebt. Wie gelingt es ihm, positiv zu bleiben? (Teil 1 von 2)

Richard Engel, Chefkorrespondent von NBC News.

Bild: Wikimedia Commons

NEULAND: Richard, du hast das Schlimmste vom Schlimmsten gesehen. Du reist um die Welt, in Kriegsgebiete, erlebst verzweifelte Menschen. Was gibt dir trotz allem Zuversicht?

Richard Engel: Das geht auf meine Kindheit zurück. Als Teenager hatte ich überhaupt kein Selbstvertrauen – ich hatte ausgeprägte Lernschwierigkeiten, war schlecht in der Schule und geriet oft in Schlägereien, weil ich schnell aus der Fassung zu bringen war. Das erste, was mir Selbstvertrauen gab: Meine Eltern schickten mich auf eine Wildnis-Überlebensschule. Wir mussten dort unser eigenes Essen jagen und Unterkünfte bauen. Ich war 13, 14, machte das am Ende fünf Sommer in Folge und unterrichtete dort schließlich selbst. In der Schule war ich schrecklich, aber hier war ich plötzlich gut – ich übernahm sogar eine Führungsrolle in unserer kleinen Gruppe. Das veränderte alles: Ich kam mit einem enormen Schub zurück in die Schule. Etwas später half mir Boxen im College auf ähnliche Weise. Ich war kein großer, starker Typ – aber ich merkte: Wenn ich die Angst im Ring managen kann, ruhig bleibe und die Augen offen halte, kann ich besser sein als viele andere, die vor Nervosität die Augen schließen. Wenn man seine Angst in so einem kontrollierten Umfeld managen kann, kann man seine Angst auch in jedem anderen Umfeld zu managen versuchen. Ich wurde in Syrien entführt – also lernt man auch, seine Angst zu managen, wenn man in eine Situation hineingeht. Das mache ich oft, und ich weiß dann nicht, wie es sein wird, wenn ich die Grenze überquere. Damaskus fällt, ich fahre nach Damaskus hinein, ich weiß nicht, wie es dort sein wird, ich weiß nicht, ob man mir feindselig begegnet oder nicht. Aber ich habe es oft genug gemacht, dass man seine Angst überwinden und dann trotzdem Vorsichtsmaßnahmen treffen kann. Man verlässt sich nicht einfach auf sein Glück. Mit der Erfahrung wird man besser im Selbstschutz.

NEULAND: Gibt dir das eigene Selbstvertrauen auch Hoffnung im Blick auf andere Menschen? Wird Hoffnung in so einem Umfeld getötet – oder blüht sie dort sogar auf?

Richard Engel: Ich bin ein relativ optimistischer, glücklicher Mensch. Glücklich vielleicht mehr als optimistisch. Nicht schwermütig, nicht menschenfeindlich, ein Familienmensch. Ich habe auch einen Sohn verloren. Das Leben ist einfach hart, es ist unerbittlich. Pech und schlimme Dinge passieren Menschen, auch guten Menschen. Und man muss einfach weitermachen und sich nicht davon überraschen lassen. Wenn also etwas Schlimmes passiert – so wie in diesem Boxring, wo ich weiß, dass mir jemand wehtun wird, aber ich trotzdem dort bin –, dann muss man einfach das Beste aus den Umständen machen, in denen man sich befindet. Wenn etwas passiert, wenn jemand stirbt, sogar in meiner eigenen Familie, ist das tragisch, es tut mir weh, es tut mir immer noch weh. Ich weine, ich bin kein Unmensch. Aber es überrascht mich nicht. Ich weiß, dass solche Dinge auch guten Menschen passieren, und wenn man das akzeptieren kann, nimmt es einem etwas von der Angst und hilft einem, durchs Leben weiterzugehen. Ist das Hoffnung? Ist das Resilienz? Ist das Realismus? Leben im Moment? Ich lebe nicht immer im Moment, ich bin nicht so spontan. Ich bin kein Nervenkitzel-Sucher. Ich habe keine Tattoos, ich fahre einen Honda, der ziemlich langsam ist, ich trage Anschnallgurt, ich habe kein Motorrad. Ich suche nicht auf irgendeine Art Adrenalin. Aber wenn man das Leben in seiner interessantesten, seiner vollsten Form erleben will, glaube ich, muss man an die Orte gehen, an denen etwas passiert. Die Erdkruste bricht ja auch hin und wieder auf, bei echten Erdbeben oder bei politischen Erdbeben – so denke ich über Revolutionen, Kriege und Protestbewegungen: Das sind politische Erdbeben, die aufbrechen. Um sie zu verstehen, muss man in gewisser Weise hingehen. Es steckt ein gewisses Risiko darin – aber die Aussicht ist grandios.

Mit Richard Engel sprach KT Guttenberg. Lesen Sie in der kommenden Ausgabe seine Eindrücke von der jüngsten Reise in den Iran. Sie finden das Interview auch auf YouTube.


O – T Ö N E

GYSI GEGEN GUTTENBERG & 

LAND IN SICHT &

MAKE AMERICA GOOD AGAIN

Mittwochs: 
GYSI GEGEN GUTTENBERG

Wie geht Gerechtigkeit?

­Wenn ich jetzt CDU wäre – was ich nicht bin –, dann könnte doch jemand sagen: Ich mache beides. Ich stelle oben mehr Steuergerechtigkeit her und verändere unten etwas. Das würde ich nicht machen. Ich würde erst oben verändern, bevor ich unten verändere, aber wenn man CDU ist, warum kann man das nicht miteinander verbinden? Die Politik wird doch sofort glaubwürdiger, wenn du sagst: Ich will nicht nur unten kürzen, sondern ich will es auch oben gerechter machen.“

Gregor Gysi, Pooodcaster

„Ich glaube, dass, was den Menschen in diesem Land tatsächlich fehlt, ist eine Erzählung, die den Menschen eine Perspektive gibt. Und nicht eine Erzählung, die den Menschen das Gefühl gibt: Mir wird genommen, und deshalb muss man den anderen auch etwas nehmen. Das ist etwas, was die Stimmung in diesem Land nicht aufhellen wird.“

­ KT Guttenberg, Pooodcaster

­Reinhören =>­


Dienstags: 
LAND IN SICHT

Was macht der Merz denn da?

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Ich habe schon gedacht, als ich am Sonntag Friedrich Merz um kurz nach 18 Uhr vor die Kameras treten gesehen habe: Was macht er denn da? Weil die CDU so knapp bei den fünf Prozent – da lag sie noch haarscharf drüber – in Mecklenburg-Vorpommern lag, dass das so aussah wie eine Flucht nach vorn. Das ist eine einfache Metapher, aber auch Flucht in den Kugelhagel. Sieht er keine andere Möglichkeit mehr? Kann er nicht abwarten? Muss er jetzt ganz verzweifelt den Ton setzen, damit sich alle hinter ihm irgendwie zusammenscharen, aber niemand mehr offen kritisieren kann, weil er sofort abräumt, dass er zurücktreten könnte?“

Klaus Brinkbäumer, Host LAND IN SICHT 

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„Ich habe mich eher gewundert, als ich die Nachricht gesehen hatte: Jetzt in wenigen Minuten ist ein Pressestatement des Bundeskanzlers und Parteivorsitzenden vorgesehen. Und die erste Ahnung, die einem durch den Kopf ging – ich glaube allen, die diese Nachricht gesehen hatten: ‚Tritt er jetzt zurück?‘ Was er ja dann offensichtlich nicht tat.“

KT Guttenberg, Team LAND IN SICHT 

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­Reinhören =>


9/11 und die Folgen

„9/11 ist auch ein Tag geworden, an dem Amerikaner sagen: Wir gehen jetzt nicht nur alle in die Kirche oder an einen Erinnerungsort, sondern wir versuchen tatsächlich, etwas zu machen für die Feuerwehren dieses Landes, für diejenigen, die wirklich Hilfe geben. Und die Menschen fühlen sich dazu tatsächlich aufgerufen, und damit wird eine ganz andere Brücke gebaut.“

KT Guttenberg,

Host MAKE AMERICA GOOD AGAIN 

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„Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass – neben der Solidarisierung und der Empathie, die durchaus global, aber auch innerhalb New Yorks und der USA entstanden ist – es zu einem späteren Zeitpunkt anti-muslimische Sentiments gab. Ich weiß noch, mein damals koreanischer Schwiegervater fühlte sich berufen, einen Sticker auf sein Auto zu machen: ‚Proud to be American‘, weil er Asiate war und es plötzlich diese Nervosität gab: Wer gilt denn jetzt als Amerikaner?“

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Ricardia Bramley, 
Host MAKE AMERICA GOOD AGAIN­

­Reinhören =>­


Redaktionstipp: HörenLesenGucken

Der Tag, an dem Hitler übernahm

Die fünfte und letzte Staffel dieser opulentesten aller deutschen TV-Serien bietet wieder alles, was man vom Regieteam um Tom Tykwer schon kennt – was für eine Ausstattung, was für ein Aufgebot feiner Schauspielerinnen und Schauspieler, welch tiefe Charakterzeichnungen und Erzählbögen. Der 30. Januar 1933: Die Weimarer Republik zerbricht an diesem Tag, die Stiefel der SA-Männer marschieren im Triumph durch die Straßen der Hauptstadt, ihr „Führer“ Adolf Hitler ist zum Reichskanzler ernannt – so beginnt das Finale von „Babylon Berlin“, mitten im rechtsextremen Alptraum, der gerade erst ausgebrochen ist. Die KPD ruft, zum Kampf entschlossen, zum Generalstreik, die SPD hält sich noch an die Spielregeln der Demokratie, da sperren die neuen Machthaber schon Journalisten ein, schikanieren Juden, träufeln ihr Gift in die Institutionen des Rechtsstaats. Wie die Kriminalpolizisten Rath (Volker Bruch) und Ritter (Liv Lisa Fries), wie die zahlreichen anderen Figuren dieser Serie sich in dem einsetzenden Mahlstrom des Terrors zu behaupten versuchen – und nicht wenige in ihm untergehen –, das mitanzusehen ist, zumal in diesen Tagen, in hohem Maße bedrückend. (rüb)


Babylon Berlin. Die fünfte Staffel. ARD Mediathek. 

­Zur Serie =>­


Liebe Leserin, lieber Leser, 

wie hat Ihnen diese Ausgabe von NEULAND Update gefallen? Schreiben Sie uns gern: feedback@guttenberg.media 

Bis nächste Woche, wir freuen uns auf Sie!

Herzlichst, Ihr KT Guttenberg­


T E A M  G U T T E N B E R G

KT Guttenberg war irgendwann mal Politiker und kennt die glatten Bühnen vor und hinter dem Vorhang aus dem Effeff. Was da passiert, erzählt er in NEULAND Update. Heute schreibt er Bücher, macht Filme und podcastet mit linken Legenden. Ach ja, und Unternehmer ist er auch.

Klaus Brinkbäumer ist Bestseller-Autor ("Zeit der Abschiede"), Moderator ("Riverboat", MDR) und Podcast-Co-Host ("Ok, America?"). Früher war er mal Chefredakteur des SPIEGEL. Jetzt beginnt die Woche für ihn mit unserem Podcast LAND IN SICHT.

Rüdiger Barth, Journalist, Historiker und Buchautor ("Deutschland 1946"), ist Geschäftsführer der Open Minds Media, die das NEULAND Update, Podcasts und Dokus produziert. Zum Optimismus neigt er allein schon, weil ihm zum Pessimismus das Talent fehlt.

Ricardia Bramley ist US-Amerikanerin, hat Wurzeln in vielen Ländern und lebte lange in New York – aufgewachsen aber ist sie in Deutschland. Seit Jahren produziert und hostet sie leidenschaftlich gern Podcasts. Eigentlich schon, solange es Podcasts gibt.

Peter Greve ist Consultant, Creative, Stratege. Für seinen Podcast "Die Lektion meines Lebens" trifft er ziemlich bekannte Menschen – und bringt sie auf seine leise, genau hinhörende Art dazu, ziemlich unbekannte Geschichten zu erzählen.

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KI: Kontrollverlust? Was geschehen muss