Wie retten wir unser Verhältnis zu den USA?
KT Guttenberg: Ist unser Verhältnis zu den USA noch zu retten?
Historiker Niall Ferguson: Warum ich an die amerikanische Verfassung glaube
Hey KT, wenn Sie morgens mal nur 10 Minuten Zeit haben – wie informieren Sie sich über die Weltlage?
Meine Insights der Woche – 07. Mai 2026
Guten Morgen,
manchmal zerfällt ein Gebilde nicht in einer großen historischen Geste, sondern in einer Abfolge von Demütigungen. Genau das erleben wir im Verhältnis zwischen den USA und Europa. Innerhalb weniger Tage drohte Donald Trump mit 25‑Prozent‑Zöllen auf europäische Autos, kündigte erneut den Abzug amerikanischer Soldaten an – „weit mehr als 5000“ – und kassierte die geplante Stationierung amerikanischer Mittelstreckenwaffen.
Es wäre zu kurz gegriffen, die Gründe für die jüngste Eskalation allein in Washington zu suchen. Europa hat sich zu lange zwei bequeme Illusionen geleistet. Man glaubte, ökonomische Sicherheit durch politische Nachgiebigkeit erkaufen zu können. Als die EU im Sommer 2025 dauerhaft hohen US‑Zöllen zustimmte, wurde diese Schwäche als Stabilitätsgewinn verkauft. Nun verhält sich Trump so, als habe es dieses Arrangement nie gegeben. Die Strategie des Einlenkens hat sich als wirkungslos erwiesen. Militärisch ist die Lage noch verzwickter. Was einst Allianz hieß, erscheint inzwischen als Provisorium auf Widerruf.
Was lässt sich tun, aus europäischer Sicht? Ich wünsche Ihnen eine hoffentlich inspirierende Lektüre.
Insights
Das transatlantische Provisorium
Welche Optionen hat Europa, um von den USA auf Augenhöhe behandelt zu werden? Seine Lebenslügen fallenlassen, damit fängt es an. Dem Kontinent fehlt es nicht an Möglichkeiten, nur am Willen. Es gibt Gründe für Zuversicht – wenn Europa sie ernst nimmt.
Bundeskanzler Merz, US-Präsident Trump: Was kommt da auf uns zu? Bild: WikiCommons
Die bequemen Lebenslügen Europas
Im ersten Jahr der zweiten Amtszeit Trumps verhielt sich Europa wie ein Mieter, der glaubt, mit einer erhöhten Nebenkostenzahlung die Sanierung des Hauses abwenden zu können. Die EU akzeptierte Zölle, Marktverzerrungen und industriepolitische Bevorzugung der USA – im Glauben, damit die große Eskalation zu verhindern. Doch Trump sah jeden Schritt des Einlenkens als Einladung zur nächsten Forderung.
Die zweite Fehlkalkulation ist die vom „emotionalen Sonderverhältnis“. Europäische Regierungen hielten an der Erzählung fest, die USA seien tief im Herzen immer europäische Macht, nur phasenweise von Populisten verstellt. Man müsse lediglich die Zeit „überbrücken“, bis in Washington wieder eine vertraute Administration regiere. In dieser Zwischenzeit, so die Hoffnung, würde man mit symbolischer Loyalität, stiller Klugheit und einer Prise Schmeichelei durchkommen.
Doch was wir derzeit erleben, ist keine Episode. Es ist der Stresstest einer Ordnung, die schon lange unter strukturellen Lasten ächzt: eine USA, die sicherheitspolitisch nach Asien schaut, wirtschaftlich aggressive Industriepolitik betreibt, innenpolitisch polarisiert ist – und ein Europa, das noch immer so agiert, als sei der Kalte Krieg nie zu Ende gegangen, nur etwas lauwarmer geworden.
Marsberg als Metapher
Eine kleine Szene im Sauerland hat diese Konstellation bloßgestellt. Bei einem Schulbesuch am Carolus‑Magnus‑Gymnasium in Marsberg sagte der deutsche Bundeskanzler, was viele in europäischen Hauptstädten denken: dass die Trump‑Administration „keine überzeugende Strategie“ habe, dass Iran die USA „demütigt“. Es waren keine revolutionären Thesen, eher die sentimentale Zusammenfassung eines verbreiteten europäischen Bauchgefühls: Die Weltmacht wirke demnach erratisch, getrieben von Eitelkeiten und innenpolitischen Reflexen.
Nur ist nicht jede vermeintliche Wahrheit zwangsläufig klug formuliert. In einer Welt, in der der US‑Präsident wirtschafts‑ und sicherheitspolitische Instrumente als persönliche Waffe begreift, führt eine zugespitzte Analyse im Sauerland rasch zu einer Kampfansage aus Amerika. Die „Süddeutsche Zeitung“ fabulierte bereits von einer Plakette in Marsberg: „Hier hat der deutsche Bundeskanzler am 27. April 2026 so schreckliche Dinge über den amerikanischen Präsidenten gesagt, dass der daraufhin die NATO erledigte.“ Der Gedanke zielt ins Schwarze, weil er eine reale Angst bloßlegt: dass das Schicksal des größten Sicherheitsbündnisses der Geschichte an der Laune eines Mannes hängt – und an unbedachten Sätzen eines anderen.
Friedrich Merz, der erklärte Transatlantiker, hat mit wenigen Sätzen ein Jahr mühsamer diplomatischer Paartherapie „zurück auf Los“ befördert. Zwei Reisen nach Washington, viel höfliche Symbolik, das vorsichtige Wiederannähern an einen Präsidenten, dessen politischer Stil dem traditionellen Atlantiker fremd sein muss – all das lag plötzlich im Schatten eines Schultags im Sauerland. Trump konterte, Merz sei „totally ineffective“ und solle sich auf sein „broken country“ konzentrieren; dazu die Ankündigung von Zöllen, Truppenabzug und eine abgesagte Tomahawk‑Stationierung.
Die Versuchung ist groß, Marsberg nun zur Katastrophenerzählung zu stilisieren: ein unbedachter Satz, ein empfindlicher Mann, ein kollabierendes Bündnis. Doch das wäre die dritte Illusion: die Vorstellung, der Zustand des transatlantischen Verhältnisses sei primär eine Frage von Tonfall und Psychologie. Das eigentliche Problem liegt weniger in Merz’ Offenheit. Es liegt in einem amerikanischen Präsidenten, der ökonomische und militärische Hebel wie den persönlichen Werkzeugkasten eines hochfahrenden Egos benutzt – und in einem Europa, das immer noch auf Mäßigung hofft, als wäre sie ein Naturgesetz. Der kanadische Premier Mark Carney brachte diese Selbsttäuschung unlängst schonungslos auf den Punkt: „Hoffnung ist kein Plan und Nostalgie keine Strategie.“
Das brüchige Sicherheitsversprechen
Militärisch ist das transatlantische Gefüge (heute) ein architektonisches Paradox. Auf dem Papier steht die NATO stabiler da als je zuvor: neue Mitglieder, höhere Verteidigungsausgaben, modernisierte Planungsprozesse, Bekenntnisse zu Artikel 5. In der politischen Praxis aber wird dieses Bekenntnis zunehmend konditional verhandelt.
Trump droht Truppenabzüge an, als wären sie eine Strafzahlung für ungebührliches Verhalten. Standorte, die über Jahrzehnte als sichtbares Symbol der amerikanischen Rückversicherung galten, wirken plötzlich wie Pfandbriefe in einem persönlichen Machtspiel. Die Botschaft lautet: Sicherheit gibt es weiterhin – aber nur für gute Kunden. Europa soll bezahlen, parieren und politisch schweigen, dann bleibe die Garantie bestehen.
Europa wiederum weiß, dass es die militärische Schlagkraft der USA auf absehbare Zeit nicht ersetzen kann. Die viel beschworene „Zeitenwende“ hat zwar hohe Milliardenversprechen produziert, aber keine eigenständige Verteidigungsfähigkeit. Zwischen Inspiration und Implementierung klafft eine erhebliche Lücke.
Der geopolitische Preis der Nachgiebigkeit
Auch wirtschaftlich wiederholt sich das Muster. Die EU hat 2025 in der Zollfrage nachgegeben, um Schlimmeres zu verhindern. Doch in einem System, in dem Macht primär über Erpressbarkeit definiert wird, sind Zugeständnisse kein Beruhigungsmittel, sondern eine Einladung. Wer signalisiert, dass er um jeden Preis eine Eskalation vermeiden will, macht sich zum idealen Ziel für Eskalation.
Europäische Politik gerät so in eine ungesunde Doppelrolle. Nach innen bedient sie Stabilitätserzählungen: Man habe Schlimmeres verhindert, Arbeitsplätze gesichert, die transatlantische Partnerschaft bewahrt. Nach außen agiert sie wie ein Bittsteller, der hofft, die andere Seite werde die Großzügigkeit anerkennen. Doch Trump betreibt keine Beziehungspflege, sondern Bestandsaufnahme: Er testet, wie weit sich ein Partner verbiegen lässt, bevor er erneut zulangt.
In dieser Logik sind Zölle, Drohgebärden und Stützpunktfragen keine Ausrutscher, sondern Instrumente einer Politik, die Bündnisse wie Geschäftsmodelle behandelt. Loyalität ist eine variable Option, abrufbar gegen Preisaufschlag.
Alliierte: 1944 kämpften US-Soldaten gegen das NS-Regime in der Normandie...
... 19 Jahre später versprach US-Präsident John F. Kennedy den Deutschen: "Ich bin ein Berliner."
Bild: WikiCommons
Europa zwischen Trotz und Trägheit
Die europäische Reaktion oszilliert zwischen moralischer Empörung und technokratischer Trägheit. Man ist empört über die Missachtung diplomatischer Codes, aber nicht entschlossen genug, eigene rote Linien zu definieren. Man spricht von „strategischer Autonomie“, aber scheut die Konsequenz, die dieser Begriff impliziert: die Fähigkeit, im Zweifel ohne Amerika zu handeln.
Was fehlt, ist ein nüchterner Doppelblick: Ja, Europa hat ein vitales Interesse daran, die USA als Sicherheitsanker und wirtschaftlichen Partner zu halten. Und ebenso ja: Gerade deshalb muss Europa eine Position erreichen, in der es nicht erpressbar ist – weder mit Zöllen noch mit Truppenlisten.
Das Bündnis braucht die militärische Schlagkraft der Vereinigten Staaten, weil die europäischen Mitgliedstaaten sie kurzfristig nicht kompensieren können. Angesichts der aktuellen Drohkulissen bleibt das wechselseitige Bekenntnis zu Artikel 5 überlebenswichtig. Aber dieses Bekenntnis gewinnt nur dann an Glaubwürdigkeit, wenn auch die USA etwas zu verlieren hätten, sollte es gebrochen werden.
Solange Washington weiß, dass Europa die eigene Courage fürchtet, hat jede Drohung einen asymmetrischen Hebel. Solange europäische Hauptstädte diese Asymmetrie als Naturgesetz akzeptieren, bleibt jede „rote Linie“ ein moralischer Wunschzettel.
Warum Zuversicht trotzdem keine Illusion ist
Klingt das düster? Ja. Aber es wäre fatal, aus dieser Diagnose in eine antiamerikanische oder defätistische Pose zu flüchten. Die Antwort auf ein beschädigtes Bündnis kann nicht im Rückzug ins Nationale liegen – weder sicherheitspolitisch noch wirtschaftlich.
Es gibt Gründe für Zuversicht, wenn Europa sie ernst nimmt.
1. Die transatlantische Verflechtung ist trotz allem nicht beliebig austauschbar. Kein anderer Partner teilt mit Europa in diesem Ausmaß institutionelle Dichte, ökonomische Verzahnung, rechtliche Standards und – bei allen aktuellen Bruchlinien – eine grundlegende Bindung an Demokratie und Rechtsstaat. Diese Substanz verschwindet nicht, nur weil ein Präsident sie missbraucht.
2. Jede Krise macht sichtbar, was bisher im Schatten lag. Die aktuelle Eskalation hat die europäische Öffentlichkeit in voller Härte mit der eigenen Verwundbarkeit konfrontiert. Dass heute in Umfragen eine klare Mehrheit der Europäer den Ausbau eigener Verteidigungsfähigkeiten unterstützt, ist nicht nur Reflex auf Russland, sondern auch auf die mangelnde Verlässlichkeit der USA. Dieses Fenster politischer Lernfähigkeit und Optionen ist selten – und kostbar.
3. Europa ist nicht dazu verdammt, ewiger Juniorpartner zu sein. Die ökonomische Kraft, das technologische Potenzial, unsere Talente – all das reicht aus, um eine eigenständige, wenn auch nicht dominante Rolle zu spielen. Was fehlt, ist kein Material, sondern Wille: der Wille, institutionelle Trägheit zu überwinden, Überregulierung zu verringern, nationale Eitelkeiten zu relativieren und aus der transatlantischen Beziehung eine erwachsene Partnerschaft zu machen.
Wo ist der Wille Europas? Starmer (UK), Selenskyi (Ukraine), Macron (Frankreich), Tysk (Polen), Merz (Deutschland), v.l.n.r. Bild: WikiCommons
Was Europa jetzt tun muss
Die falsche Frage lautet: Brauchen wir Amerika noch? Natürlich brauchen wir Amerika. Die richtige Frage lautet: Was bringt Amerika dazu, uns als unverzichtbaren Partner zu behandeln – und nicht als nostalgisches Anhängsel der Vergangenheit? Solange wir sicherheitspolitisch nicht eigenständig handlungsfähig sind, bleiben wir abhängig. Solange wir wirtschaftlich nicht bereit sind, Risiken einzugehen, bleiben wir austauschbar. Solange wir politisch nicht erwachsen genug sind, Interessen zu formulieren, bleiben wir moralische Kommentatoren einer Welt, in der andere handeln.
Deshalb drei Zumutungen an Europa:
1. Militärisch: Wir brauchen eine europäische Fähigkeit zur Verteidigung unseres Territoriums – notfalls ohne die USA. Nicht, um aus der NATO auszusteigen, sondern um in ihr ernst genommen zu werden. Wer den Amerikanern glaubwürdig sagen kann: „Wir halten unsere Front selbst“, der verhandelt auf Augenhöhe.
2. Ökonomisch: Wir müssen geoökonomisch denken lernen – Rohstoffe, Technologie, kritische Infrastruktur, Freihandel, Währung. Das heißt: weniger naive Offenheit, mehr strategische Investitionen, weniger Abhängigkeit – nicht nur von China, auch von den USA. Wer jederzeit vom Finanz‑ und Sanktionsregime eines Partners abhängig ist, ist kein gleichberechtigter Akteur.
3. Politisch und gesellschaftlich: Wir brauchen eine neue, ehrliche Erzählung über das transatlantische Verhältnis. Keine Camp‑David‑Romantik, keine Anti‑Amerika‑Reflexe, sondern: „Wir sind alt genug, um Nein zu sagen – und klug genug, um Ja zu sagen, wenn es um unsere gemeinsame Ordnung geht.“
Das Ziel ist nicht „strategische Autonomie“ als Selbstzweck, sondern eine neue Form der Interdependenz: weniger Abhängigkeit, mehr gegenseitige Nützlichkeit. Nur ein Europa, das sich selbst tragen kann, ist für Amerika ein Partner, der die Mühe wert ist.
Das Provisorium, in dem wir heute leben, muss nicht Endzustand sein. Es kann Übergang sein – zu einer neuen Form der Kooperation, in der Europa nicht mehr auf milde Gaben hofft, sondern mitgestaltet. In dieser Konstellation wäre das Bündnis nicht weniger, sondern mehr wert: weil zwei Seiten zusammenarbeiten, die sich aus eigener Stärke füreinander entscheiden.
Vielleicht wird man eines Tages tatsächlich eine Plakette in Marsberg anbringen. Nicht als ironische Grabinschrift der NATO, sondern als Erinnerung daran, wann Europa begriffen hat, dass Hoffnung kein Plan und Nostalgie keine Strategie ist – und begonnen hat, aus einem transatlantischen Provisorium eine tragfähige Ordnung zu bauen.
A U F E I N W O R T
Warum so zuversichtlich, Niall Ferguson?
Der US-britische Historiker lehrt in Stanford und Harvard. Er gilt als einer der brillantesten Intellektuellen unserer Zeit – nicht selten bürstet er den Zeitgeist gegen den Strich. So auch im NEULAND Update
Niall Ferguson, Historiker, stammt aus Glasgow.
Bild: KT Guttenberg
NEULAND: Niall, die Welt ist in Aufruhr, von beiden Seiten des Atlantiks betrachtet: Was gibt Ihnen Zuversicht?
Niall Ferguson: Eine einzige Sache. Die amerikanische Verfassung. Sobald sich Europäer, Deutsche, auch die Briten, wieder einmal endlos über Präsident Trump beschweren, über die Vereinigten Staaten, über das Ende der liberalen Weltordnung – eine Ordnung, an die ich nie wirklich geglaubt habe –, dann erinnere ich mich an dieses Dokument. Es ist eine Frucht der Aufklärung, auch der schottischen Aufklärung, und es wurde sorgfältig darauf ausgelegt, zu verhindern, dass ein amerikanischer Präsident jemals zum König oder zum Kaiser wird. Es funktioniert seit mehr als zwei Jahrhunderten. Es funktioniert auch weiterhin. Die Checks and Balances sind real. Schauen Sie genau hin, und Sie werden es sehen: Trumps Macht ist begrenzt – durch die Zeit und durch die Verfassung. Das ist es, was mir Zuversicht gibt.
Mit Niall Ferguson sprach KT Guttenberg. Sie finden den Beitrag hier auf YouTube.
O – T Ö N E
GYSI GEGEN GUTTENBERG &
LAND IN SICHT &
MAKE AMERICA GOOD AGAIN
Freitags:
MAKE AMERICA GOOD AGAIN
L I V E E R L E B E N
GYSI GEGEN GUTTENBERG ON TOUR
Sehen wir uns?
Neunkirchen, Neue Gebläsehalle, 29.9.26
Bochum, RuhrCongress, 30.10.26
Kulmbach, Dr.-Stammberger-Halle, 1.12.26
H E Y, K T !
"Wenn Sie morgens mal nur 10 Minuten Zeit haben – wie informieren Sie sich über die Weltlage?"
Fragt MAKE AMERICA GOOD AGAIN-Hörerin Tanja Schneider aus Hannover
Eine gedruckte Zeitung: archaisch, aber tief.
Bild: Shutterstock
KTs Antwort: „Zehn Minuten, um sich morgens zu informieren, sind ungefähr so sinnvoll wie ein Espresso als Abendessen: technisch möglich, existenziell unbefriedigend.
Ich bin Newsjunkie – aber einer mit altmodischen Ritualen. Ich schätze das Rascheln von Papier mehr als das nervöse Zucken eines Feeds.
Wenn es also wirklich nur zehn Minuten sind, greife ich nicht zum Zeitungsstapel oder Smartphone, sondern zum Laptop. Dort öffne ich die Startseiten der Financial Times, des Economist und der New York Times. Mein Triumvirat der Weltdeutung. Anschließend die Homepages führender deutscher Tageszeitungen. Erst die Welt, dann das Land – nicht aus Snobismus, sondern aus Proportion. Wer nur deutsche Schlagzeilen liest, verwechselt schnell Wetter mit Klima.
Gedruckte Zeitungen liebe ich trotzdem. Sie sind das letzte Medium, das noch so tut, als gäbe es eine Ordnung der Dinge. Zudem lese ich aufmerksamer als am Bildschirm. Aber ihre Aktualität ist die des Vortages – und die Welt hat sich über Nacht selten beruhigt. Also kombiniere ich: das Archaische für die Tiefe, das Digitale für die Gegenwart.
Soziale Medien? In diesen zehn Minuten strikt tabu. Empörung ist der schnellste, aber auch billigste Informationsmodus. Wer wenig Zeit hat, sollte sie nicht an das Lauteste verschwenden.
Mein Prinzip ist einfach: Nicht alles wissen wollen, sondern das (hoffentlich) Richtige zuerst. Oder, um es anders zu sagen: Information ist endlich, Aufregung unendlich."
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Herzlichst, Ihr KT Guttenberg
T E A M G U T T E N B E R G
KT Guttenberg war irgendwann mal Politiker und kennt die glatten Bühnen vor und hinter dem Vorhang aus dem Effeff. Was da passiert, erzählt er in NEULAND Update. Heute schreibt er Bücher, macht Filme und podcastet mit linken Legenden. Ach ja, und Unternehmer ist er auch.
Klaus Brinkbäumer ist Bestseller-Autor ("Zeit der Abschiede"), Moderator ("Riverboat", MDR) und Podcast-Co-Host ("Ok, America?"). Früher war er mal Chefredakteur des SPIEGEL. Jetzt beginnt die Woche für ihn mit unserem Podcast LAND IN SICHT.
Rüdiger Barth, Journalist, Historiker und Buchautor ("Deutschland 1946"), ist Geschäftsführer der Open Minds Media, die das NEULAND Update, Podcasts und Dokus produziert. Zum Optimismus neigt er allein schon, weil ihm zum Pessimismus das Talent fehlt.
Ricardia Bramley ist US-Amerikanerin, hat Wurzeln in vielen Ländern und lebte lange in New York – aufgewachsen aber ist sie in Deutschland. Seit Jahren produziert und hostet sie leidenschaftlich gern Podcasts. Eigentlich schon, solange es Podcasts gibt.
Peter Greve ist Consultant, Creative, Stratege. Für seinen Podcast "Die Lektion meines Lebens" trifft er ziemlich bekannte Menschen – und bringt sie auf seine leise, genau hinhörende Art dazu, ziemlich unbekannte Geschichten zu erzählen.